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Reisen

11.10.2018

Augsburger verkauft Wohnung und reist mit Traktor durch die Welt

Klaus Unger ist mit seinem knallroten Hürlimann ein richtiger Hingucker. Unterwegs wird er oft darauf angesprochen. Das Foto entstand kurz vor seiner Abreise in Welden.
Bild: Unger

Mit 60 Jahren beschließt Klaus Unger, seine Wohnung zu verkaufen und Augsburg zu verlassen. Seitdem ist er mit einem ungewöhnlichen Verkehrsmittel unterwegs.

Wenn Klaus Unger durch deutsche oder französische Dörfer fährt, da kann es schon mal passieren, dass ihn neugierige Bewohner anhalten und mit ihm reden wollen. Auch Verkehrsteilnehmer haben schon extra für einen Plausch mit ihm die Fahrt unterbrochen. Der 61-jährige Augsburger ist solche Situationen mittlerweile gewöhnt, ist er doch schon seit Mitte Juli auf Europas Straßen unterwegs und zieht alle Blicke auf sich.

Grund dafür ist wohl das Verkehrsmittel, mit dem er unterwegs ist. Die Rede ist von einem knallroten Hürlimann Traktor aus dem Jahr 1970, der ihn mit 20 Stundenkilometern langsam, aber sicher auch an die entlegensten Orte bringt. „Ich will Land und Leute kennenlernen und das funktioniert meiner Meinung nach nur, wenn ich ganz langsam fahre. Weil mein Bulldog kein Verdeck hat, kann man mich außerdem besser sehen, wodurch ich einfacher mit den Einheimischen ins Gespräch kommen kann“, begründet Klaus Unger die Entscheidung für das etwas ungewöhnliche Gefährt.

Klaus Unger hat kein Navi und immer nur eine grobe Richtung im Kopf

Mit einem Wohnwagen im Schlepptau fährt er jeden Tag mehrere Stunden und hat dabei immer nur eine grobe Richtung im Kopf. Ein Navigationsgerät besitzt er nicht, nur eine Landkarte. „Ich lande sowieso immer woanders als geplant“, lacht Klaus Unger. Grund dafür seien meistens Umleitungen und fehlende Wegweiser. Im Prinzip machen ihm diese Irrfahrten nichts aus – solange eine bestimmte Situation nicht eintritt: „Meine größte Angst ist es, stecken zu bleiben oder mich fest zu fahren.“ Doch auch dann wären mit Sicherheit genügend Leute da, die ihm aus der Patsche helfen würden. Bei seinen Reisen hat er nämlich fast durchweg freundliche Menschen kennengelernt.

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Von herzlichen Franzosen, die er nur nach dem Weg fragte und die ihn gleich zu Kaffee und Kuchen einluden, bis zu einem hilfsbereiten Mann aus Hildesheim, der ihm spontan eine Duschgelegenheit anbot und einen riesigen Salatkopf aus dem heimischen Garten schenkte – Klaus Unger hat mittlerweile so einige Anekdoten auf Lager. „So ein großes Maß an Kontaktfreude und Hilfsbereitschaft hätte ich niemals erwartet. Obwohl ich allein unterwegs bin, fühle ich mich eigentlich nie einsam“, beteuert er. Ein schöner Nebeneffekt sei außerdem, dass er sein Französisch wieder auffrischen kann. Doch was nach einem abenteuerlichen Lebensstil klingt, ist eigentlich aus der Not heraus entstanden.

Nach 60 erfolglosen Bewerbungen hatte Unger eine Idee

Klaus Unger arbeitete nämlich in einer Autovermietungsfirma in Augsburg, die vor etwa zwei Jahren schließen musste. Nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit war er plötzlich arbeitslos. 60 erfolglose Bewerbungen später, kam er auf eine Idee: „Ich erinnerte mich an eine Motorradtour vor vielen Jahren. Bei dieser fiel mir auf, wie schön Deutschland ist. Ich hatte immer den Wunsch, noch mehr davon zu sehen, doch leider fehlte immer die Zeit. Jetzt war sie gekommen.“

Der Entschluss war gefasst und so verkaufte Klaus Unger seine Wohnung, erwarb von dem Geld einen Traktor samt Wohnwagen und stellte sein restliches Hab und Gut bei Freunden unter. Diese hätten ihn von Anfang an bei seinem Plan unterstützt, sind ihm sogar schon in die Lüneburger Heide hinterhergereist – die für ihn schönste Gegend in Deutschland, die gleichzeitig auch schon als Übernachtungsstätte gedient hat: „Da Campingplätze oft sehr teuer sind, stelle ich meinen Traktor und den Wohnwagen abends meistens am Straßenrand ab. Im Wohnwagen schlafe ich dann“, erzählt er.

Klaus Unger reist nicht, er "streunt"

Im März nächsten Jahres möchte er wieder einmal seine Freunde in Augsburg besuchen und etwa für zwei Monate in seine Heimatstadt zurückkehren, jedoch nur zu Besuch. Danach gehe es weiter in die Bretagne. Das „Streunen“, wie Klaus Unger seine Art zu Reisen nennt, hält sicher noch einige Abenteuer für ihn bereit, da ist sich der Weltenbummler sicher.

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