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Augsburg

28.02.2015

Augsburgerin lebte jahrelang bei Indianern

Ein selbstbestimmtes Leben im Dschungel: Das war es, was Andrea Baumann bewog, vor über zehn Jahren Deutschland den Rücken zu kehren. Sie reiste kreuz und quer durch Lateinamerika und lebte oftmals einfach von dem, was die Natur hergibt.
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Ein selbstbestimmtes Leben im Dschungel: Das war es, was Andrea Baumann bewog, vor über zehn Jahren Deutschland den Rücken zu kehren. Sie reiste kreuz und quer durch Lateinamerika und lebte oftmals einfach von dem, was die Natur hergibt.

Andrea Baumann verbrachte mehr als zehn Jahre in Lateinamerika – unter anderem bei Indianern in Bolivien und Costa Ricas. Heute erzählt sie, was sie mit ihren Kindern dort erlebte.

Als Andrea Baumann die ersten Jahre in Lateinamerika verbrachte, vermisste sie nicht viel von Deutschland. Mal war es die Eisdiele, dann der Winter. Nach über zehn Jahren in Mittel- und Südamerika hat sie nun wieder einen Winter in ihrer Heimat verbracht, in Augsburg. „Es war schön, diese gemütliche Jahreszeit zu erleben“, sagt sie. Sie ist aber nicht wegen der Kälte zurückgekommen. Die 42-Jährige will den Augsburgern von ihrem Leben berichten – so heute Abend im Abraxas. Ein völlig anderes Leben, für das sie sich bewusst entschied.

Die gebürtige Wertingerin wuchs in Augsburg auf, begann eine Ausbildung als Krankenschwester im Diakonissenhaus, die sie in Berlin fortsetzte. Nach der Geburt ihrer beiden Söhne Maurizius und Arthur konnte sie dem Leben in Deutschland bald nichts mehr abgewinnen. „Ich wollte mir und meinen Söhnen ein authentisches Leben ermöglichen“, sagt sie. Über den Kontakt eines Bekannten kam sie zu den Quetchua-Indiandern in Bolivien. „Es war schon immer mein Traum, mit Indianern zu leben.“ Nicht einmal die harte Realität konnte sie schrecken: Das mitgebrachte Tipi stellte sich als völlig ungeeignet für die klimatischen Gegebenheiten heraus, sie konnte kaum Spanisch – die Indianer ebenfalls nicht. Sie sprachen ihre eigene Sprache.

„Ich habe mir und meinen Kindern eine eigene Hütte gebaut, die Indianer haben uns unterstützt. Eine Frau kam beispielsweise jeden Tag zu uns, hat uns drei Teller Essen hingestellt und ist wieder verschwunden“, erzählt sie. Sie fühlte sich mit ihren Kindern angenommen in der Gemeinschaft, half bei der Feldarbeit, empfand es als Erleichterung, ihr früheres Leben loslassen zu können.

Zu essen gibt es das, was aus den Bäumen wächst

Nach eineinhalb Jahren zog es sie weiter, zuerst nach Costa Rica. Dort lebte sie mit ihren Kindern auf einer Ranch, wo es das zu essen gab, was auf den Bäumen wuchs – mal waren es Avocados, Ananas, Orangen, Mangos, eine von zehn verschiedenen Bananensorten, mal in Deutschland völlig Unbekanntes wie Nonis oder Rollinas. Es war ein Leben ohne Strom und Warmwasser. „Dieser ganzheitliche Lebensstil bei dem Rohkostprojekt hat mir sehr gefallen“, erzählt Andrea Baumann, die sich inzwischen auch Lahun-Lamat nennt – ein Name, den sie mithilfe des Maya-Codes berechnete.

Für ihr Leben in Lateinamerika brauchte sie nicht viel. „Trotzdem war es nicht immer einfach“, sagt sie. Ein wenig Geld verdiente sie unterwegs mit einer Zeitung, die sie schrieb und tausend Mal verkaufte, mit ihrem selbst hergestellten Kunsthandwerk oder mit Maya-Code-Berechnungen.

Die kleine Familie ließ sich weitertreiben: Von Costa Rica aus ging es nach Mexiko, wo sie sich immer mal wieder einem Treffen der Regenbogenkrieger anschlossen. Andrea Baumann erklärt: „Die Bewegung gibt es seit vielen Jahren. Sie geht auf eine Prophezeiung der Hopi-Indianer zurück. Diese besagt, dass sich die Menschen aller Kulturen und Religionen vereinen, um die Erde wieder zu begrünen, wenn das Wasser trüb sein wird und die Vögel vergiftet vom Himmel fallen werden.“ So lange wollten die Regenbogenkrieger aber nicht warten und treffen sich seit Jahrzehnten auf der ganzen Welt zu Veranstaltungen.

In den vergangenen Jahren lebte Andrea Baumann bei der Gruppe „Ashram Jetzt“ in Mexiko, an einem Ort in der wilden Natur, bevor sie nach Augsburg zurückkehrte. Hier besuchte sie unter anderem ihre Kinder (heute 17 und 13 Jahre alt), die zwischenzeitlich zurückgekehrt waren.

„Für mich war die Rückkehr nach Deutschland fast ein größerer Schock als damals der Aufbruch in den Dschungel“, sagt sie. Dennoch genießt sie gerade das Leben in einer Wohnung, engagiert sich bei Upcycling-Treffen, wo aus Abfallprodukten wieder Nutzvolles entsteht, oder beim Tauschring. „Die Menschen hier haben sich verändert und sind offener geworden für ganzheitliches Leben“, findet sie. Dennoch geht es für sie schon bald wieder zurück: Im Dezember fliegt sie nach Mexiko.

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