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Augsburgs Künstler in der Krise: Corona stellt Lebenswerke radikal in Frage

Kommentar Von Richard Mayr
15.11.2020

Plus Die Auswirkungen der Krise werden noch lange nachwirken - so viel kann man schon jetzt sagen. Um Existenzen geht es nicht nur in den Kliniken.

Wenn die Stadt Augsburg und die Oberbürgermeisterin Eva Weber ( CSU) eine Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage ankündigen, befürchten einige Künstler schon das Schlimmste: eine Ausweitung des Lockdowns in den Dezember hinein, weitere nötige Maßnahmen, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen und die Infektionszahlen in Augsburg auf ein überschaubares Maß zu senken. Verschärfungen oder Verlängerungen von Maßnahmen waren dann an diesem Donnerstag nicht das Thema - Aufatmen in der Szene.

Die Lage ist ernst, nicht nur in den Krankenhäusern. Die Fallzahlen, die Intensivbetten-Belegung, das ist die eine Seite der Pandemie, die durch Zahlen, so sie vorliegen, tagtäglich beleuchtet wird. Die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben allerdings auch ihre Schattenseite, auch da geht es um Existenzen, nur dass es da nicht täglich neue Zahlen gibt, die verdeutlichen, wie viel da mit auf dem Spiel steht. Sobald man mit Künstlern oder mit Gastronomen spricht, hört man schnell heraus, dass die Hoffnung, mit der sie sich nun schon seit einem halben Jahr über Wasser halten, weniger wird und schwindet.

 

Auch wenn jetzt die positiven Nachrichten über den Impfstoff vorliegen, ob die Krise in Wochen oder Monaten ein Ende findet, kann noch niemand sagen. Der Gesundheitsminister spricht schon davon, dass alle Wintermonate ganz unter dem Zeichen von Corona und den Corona-Einschränkungen stehen werden.

Die Künstler-Szene sagt, es ist höchste Zeit für Gespräche

Große Konzerte, voll besetzte Premieren, Gedränge beim Brechtfestival, all das wird es mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit so schnell nicht geben. Augsburgs neuer Kulturreferent Jürgen Enninger hat nun angekündigt, in runden Tischen mit der freien Augsburger Szene ins Gespräch zu kommen und sich darin auch schildern zu lassen, welche Nöte weiter durch die Corona-Maßnahmen bestehen. Fragt man in der Szene nach, hört man, dass es höchste Zeit für diese Gespräche ist.

Der regelmäßige, mehr oder weniger institutionalisierte Austausch mit dem Kulturreferat Augsburgs sei vor dem Kommunalwahlkampf zum Erliegen gekommen. Ein leichtes Stirnrunzeln erzeugt bei den Beteiligten, dass Augsburgs neuer Kultur- und Sportreferent mit der Ankündigung dieser runden Tische als Pressemitteilung vorprescht, noch bevor das erste Gespräch tatsächlich geführt ist. Ob sie zielführend sind, ob die Stadt die Probleme, die bestehen, tatsächlich lösen kann - das kann noch niemand sagen.

Die Corona-Krise stellt Lebenswerke in Frage

Sagen kann man allerdings, dass die Corona-Krise weiterhin Lebensläufe und Lebenswerke radikal in Frage stellt. Künstler und Kulturschaffende gehören, was die durchschnittlichen Verdienste angeht, seit jeher zu den Geringverdienern, zu denen, die großen persönlichen Verzicht in Kauf nehmen für die künstlerische Berufung, den künstlerischen Beruf, der ja sehr oft auch mit maximaler Unsicherheit gepaart ist. Wer frei arbeitet, wer selbstständig tätig ist, kann nie sagen, ob in zwei oder drei oder vier Jahren noch alles so läuft wie in der Gegenwart. Einigen ist das schon in Normalzeiten zu anstrengend, sie suchen sich nach Jahren oder Jahrzehnten etwas Neues, nach Möglichkeit Sicheres, um nicht immer weiter um die Existenz bangen zu müssen.

Die Pandemie-Maßnahmen, die seit einem halben Jahr den Kulturbereich massiv einschränken, treffen im Regelfall auf Menschen, die sich kein dickes Polster für Notzeiten haben anlegen können. Diese Kombination hat ein extrem zerstörerisches Potenzial. Jeder ist nun Tag für Tag mit der Frage konfrontiert, wie lang man eine solche Situation finanziell, aber auch psychisch aushält und welche Möglichkeiten es sonst im Leben gibt.

Allen Bereichen drohen mittelfristig weniger staatliche Förderung

Massiv bedroht sind aber auch die Institutionen. Wenn selbst der Intendant des Staatstheaters André Bücker im Gespräch mit unserer Redaktion sagt, nun alles für den Erhalt tun zu müssen, schaut es bei all denen, die viel weniger staatliche Unterstützung erhalten, ja noch düsterer aus - ob nun bei den Kinos oder den freien Theatern. Weil die Steuereinnahmen sinken werden, droht ja allen Bereichen spätestens mittelfristig weniger statt mehr staatlicher Förderung.

André Bücker, Intendant des Staatstheaters Augsburg.
Bild: Ulrich Wagner

Deshalb: Die Bekämpfung der Pandemie bleibt eine Aufgabe von enormen Ausmaßen, zu denen nicht nur das Krankheitsgeschehen, auf das das Augenmerk besonders gerichtet ist, gehört. Die Politik tut gut daran, mit großem finanziellen Aufwand in ihren Hilfsprogrammen den wirtschaftlich vom Lockdown und anderen Maßnahmen Betroffenen zu helfen. Erst, wenn die Beschränkungen wieder vollständig aufgehoben werden, wird man sehen, wie schlimm die Verheerungen im kulturellen Bereich sind.

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15.11.2020

>> ... schaut es bei all denen, die viel weniger staatliche Unterstützung erhalten, ja noch düsterer aus - ob nun bei den Kinos oder den freien Theatern. Weil die Steuereinnahmen sinken werden, droht ja allen Bereichen spätestens mittelfristig weniger statt mehr staatlicher Förderung. <<

Eine Aufstellung der Besucherzahlen der letzten 25 Jahre würde ein klares Bild ergeben; aber zur Ablenkung kommt Corona gerade recht. Man spart sich so die Diskussion über Veränderungen welche in der Branche durch Demographie und technischer Entwicklung ausgelöst werden.

Man muss sich nur die Leichtigkeit der Grünen hinsichtlich der Beschäftigten von Energie- oder Autokonzernen zu Eigen machen und munter von Wandeln und Wenden sprechen, dann kommt der Appell nach Flexibilität an die Kulturschaffenden ganz einfach über die Lippen ;-)

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