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Augsburg

17.09.2016

Augusta Club Ordnungsdienst: Die Helfer für alle Fälle

Gut gerüstet für Großveranstaltungen und Zwischenfälle aller Art ist der ACO: Mitarbeiter Norbert Eisele gewährt einen Einblick ins Lebensmittellager der neuen Zentrale in Neusäß.
Bild: Marcus Merk

Die ehrenamtlichen ACO-Mitglieder sperren nicht nur die Straßen bei der Freilichtbühne, bei FCA-Spielen oder bei der Radl-Nacht. Sondern sie machen noch viel mehr.

Die blau-weißen Autos mit der Aufschrift „ACO“ und dem Signal auf dem Dach sind in Augsburg und Umgebung oft zu sehen. Doch was machen eigentlich die Leute mit den hellblauen Hemden, die darin sitzen? Der Name ihres Vereins „Augusta Club Ordnungsdienst“ führt bei dieser Frage auf die falsche Fährte. Die Männer und Frauen arbeiten nicht als Security, sondern in erster Linie im sozialen Bereich.

Besucher von FCA-Spielen, Laufveranstaltungen oder Vorstellungen der Freiluftbühne kennen die ACO-Mitglieder. Ein Schwerpunkt der Arbeit des Vereins und eine Haupteinnahmequelle sind die Straßensperrungen. „Wir sind das sprechende Sperrschild“, erläutert Norbert Eisele vom ACO-Vorstand. Verkehrsschilder würden von vielen Autofahrern ignoriert.

Die Organisatoren von Großveranstaltungen delegieren die Aufgabe daher häufig an den Verein. 140 ehrenamtliche Mitglieder sind beim ACO engagiert. Für eine Straßensperrung bei der Radlnacht in Augsburg wird es da personell schon mal eng. 50 Leute sind für solch ein Event nötig.

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So wie andere Rettungskräfte erleben auch die ACO-Mitglieder, dass ihre Anweisungen nicht jeder akzeptiert, dass sie mitunter sogar beschimpft werden. Besonders häufig komme dies vor, wenn die Mitglieder bei FCA-Spielen den Verkehr lenken, erzählt Eisele.

Großeinsatz im Sommer 2014 für den ACO

Viel Herzblut der Mitarbeiter steckt in einer Aufgabe, die sich der ACO 1992 in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Schwaben gegeben hat: die sogenannte Unfallfolgenhilfe. Kommt es zum Beispiel auf der Autobahn zu einem Verkehrsunfall, kümmern sich die ACO-Mitglieder um die Unverletzten. „Oft stehen die Menschen unter Schock. Wir entscheiden für sie.“

Der ACO bringt die Leute beispielsweise in ein Hotel, zum Bahnhof oder zu Verwandten. Kommt es nach einem Unfall zum Stau, teilen die Ehrenamtlichen Kekse und Getränke aus. Ein Großeinsatz war im Sommer 2014 erforderlich, als ein Reisebus mit Kindern bei großer Hitze auf der Autobahn liegen blieb. Der ACO versorgte die Kinder mit Getränken und half mit, das Gepäck in ein anderes Fahrzeug zu verladen.

Die Nummer des Einsatztelefons kennen nur die Polizei und die Feuerwehr. Der ACO hilft bei der Suche von Vermissten und bringt auch Bewohner nach einem Hausbrand in eine Notunterkunft. Die Unfallfolgenhilfe ist kostenlos. Finanziert wird sie über die anderen Einnahmen des Vereins.

Der Tornado in Stettenhofen ist der Einsatz, der den ACO-Mitgliedern am meisten im Gedächtnis geblieben ist. Sie waren zwei Tage lang dort draußen, haben die Straßen gesperrt, um Schaulustige abzuhalten. Außerdem versorgten die ACO-Leute die anderen Einsatzkräfte mit Tee und Kaffee. Eisele stellt für solche Notfälle sein eigenes Wohnmobil zur Verfügung.

„Wir springen da ein, wo es gerade nötig ist“, beschreibt Eisele die vor allem logistische Aufgabe. „Wir stehen in der zweiten oder dritten Reihe der Hilfskette.“ Da es den ACO inzwischen seit 28 Jahren gibt, gebe es kein Konkurrenzdenken mehr zwischen den verschiedenen Hilfsorganisationen. Eisele: „Das ist nach all den Jahren raus.“

14.000 Arbeitstunden leisten die Ehrenamtlichen im Jahr

Früher konnten junge Männer auch ihren Zivildienst beim ACO machen. Eine gute Sache für den Verein, denn einige Männer blieben danach als Ehrenamtliche hängen. Seit 2011 absolvieren junge Leute beim ACO den Bundesfreiwilligendienst. Acht Stellen gibt es. Sie sind zurzeit recht international besetzt.

Ein „Bufdi“ kommt aus Tadschikistan, einer aus Mexiko, ein anderer aus Südafrika. Die jungen Männer sind vor allem mit dem Auto unterwegs, um Senioren in die Tagespflege in Diedorf und Leitershofen zu bringen. Außerdem liefern sie das Essen aus Großküchen in zwei Augsburger Seniorenheime.

Da der ACO vor einem Jahr in den ehemaligen Kreisbauhof in Neusäß umgezogen ist, haben die jungen Helfer auch die Möglichkeit, dort zu wohnen. Sie haben eigene Zimmer und teilen sich Bad, Küche und Aufenthaltsraum. Mit dem Umzug ist für den ACO sowieso vieles leichter geworden. Eisele: „Wir haben hier viel Platz.“ Vorher war der Verein im Keller des alten Neusässer Rathauses untergebracht. Dort ging es beengt zu und es fehlten Parkplätze für den recht ansehnlichen Fuhrpark.

14.000 Arbeitstunden leisten die Ehrenamtlichen im Jahr. Warum macht man so etwas? Eisele, der früher als Lokführer gearbeitet hat und durch das Engagement seiner Kinder vom ACO-Virus angesteckt wurde, sagt es so: „Das ist ein Dienst an der Allgemeinheit, der sonst sehr teuer wäre.“ Manche Veranstaltungen wären sonst nicht möglich.

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