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Einspielung

30.09.2011

Aus Augsburgs goldener Zeit

Zum Augsburger Geschlechtertanz erklang in der Reichsstadt höfische Musik der Renaissance. Das anonyme Gemälde entstand um 1500.
Bild: Foto: Kunstsammlungen Augsburg

Stücke einer reichsstädtischen Sammlung von Liedern und Tänzen der Renaissance erscheint jetzt erstmals auf CD

Die Bezeichnung „Schatz“ tauchte bei der CD-Präsentation mehrmals auf. Wirklich ist das „Augsburger Liederbuch“, um das es ging, Kleinod, Fundgrube – und ein Souvenir aus Augsburgs goldener Zeit: „Repräsentativ ist hier die Musik der Freien Reichsstadt Augsburg zu Beginn des 16. Jahrhunderts vertreten“, schreibt Hans Ganser in seinem Booklet zu dem Sammelwerk aus Motetten, Chansons, Vokal- und Instrumentalsätzen sowie Tänzen, die der Augsburger Patrizier in der Renaissance gerne hörte.

Entstanden ist das 78 Stücke umfassende Unikat, das seit seinem letzten Besitzer Hans Heinrich Herwart (1520–1583) in der Staats- und Stadtbibliothek liegt, zwischen 1505 und 1518. Wer das Liederbuch in Auftrag gegeben hat, ist unklar. Einen Hinweis gebe es jedoch auf die Augsburger Musikerfamilie Schubiger, bestehend aus Vater Friedrich, den Söhnen Ulrich, August und dem sogenannten Michele Tedesco.

Der „Mantuaner Dantz“ und „La Gambetta“ könnten auf die Zeit des Schubiger-Sohnes am Gonzaga-Hof in Mantua hindeuten, erzählte Hans Ganser. Der Spezialist für Alte Musik übernahm neben dem Bassbariton und Schlagwerk die musikwissenschaftlichen Anteile bei der Weltpremiere, die dank finanzieller und ideeller Unterstützung von Regio Augsburg, der Viermetz-Stiftung und Augusta-Bank realisiert werden konnte.

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Versierte Notenschreiber, aber auch manche ungelenke Hand

Gemeinsam mit sechs Gastmusikern spielten die sechs Augsburger Gründer des FAMA (Forum für Alte Musik Augsburg) – Sabine Lutzenberger (Sopran), Iris Lichtinger (Blockflöten), Angelika Radowitz (Bassdulzian), Michael Eberth (Clavichord, Orgel, Cembalo), Hans Ganser, Wolfram Oettl (Cembalo) – 23 ausgewählte Stücke aus dem „Augsburger Liederbuch“ auf CD ein.

Das Repertoire war damals hochmodern, manches wurde von berühmten Komponisten – zum Teil mit nur hier überlieferten Werken – wie Senfl, Agricola, Hofhaimer oder Desprez geschrieben. Viele Stücke sind ausschließlich in dieser Handschrift anonym aufgezeichnet. Manche stammen sichtlich aus der Feder versierter Notenschreiber, andere verraten eine „ungelenke“ Hand. Die Sammlung hat viele Seiten, der Charakter der Stücke reicht von der strengen, homofonen Motette a cappella bis zum rustikal-vitalen Instrumentaltanz, von hoher Kunst bis zu reiner Gebrauchsmusik.

Der Vielfalt des Liederbuches entsprechend, das mit seinen typischen Sätzen auch ein bisschen „Bilderbuch“ der Renaissance-Musikstile ist, setzten die Musiker ein breites Instrumentarium geschmackvoll ein. Besonders eindrucksvoll sind die mehrstimmigen Motetten. Aber auch die anderen Vokal- und Instrumentalsätze gefallen durch ihre Farbigkeit und rhythmische Raffinesse, durch die Beseeltheit und den tänzerischen Schwung oder die sinnierende Melancholie.

Live zu hören ist eine Auswahl aus dem Augsburger Liederbuch am Donnerstag, 13. Oktober, im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses um 19.30 Uhr. Die IG Historisches Augsburg wird dazu in Renaissancekleidern tanzen.

Erhältlich ist die CD „Das Augsburger Liederbuch“ bei FAMA – Forum für Alte Musik Augsburg e. V., Michael Eberth, Klinkertorplatz 1, 86152 Augsburg, info@fama-web.de, www.fama-web.de

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