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Prozess in Augsburg

11.07.2011

Aus Rache Vergewaltigung erfunden

Gericht (Symbolbild)
Bild: Alexander Kaya

Erst warf die 47-Jährige einen Kochtopf nach ihrem Freund, dann zeigte sie ihn an. Jetzt muss sie aber selbst ins Gefängnis.

Nicht erst seit dem spektakulären Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann müssen sich Polizei und Justiz immer wieder mit Vergewaltigungsvorwürfen beschäftigen, die Frauen gegen ihre Ehemänner, Geliebten oder Lebensgefährten erheben – Anzeigen, die sich ab und an auch als völlig haltlos herausstellen. Wie im Fall einer 47-jährigen Frau, die böse Rache für einen Rauswurf aus dem Apartment ihres Freundes üben wollte. Ein Schuss, der nach hinten losging, wie ein Prozess vor Amtsrichterin Ulrike Ebel-Scheufele zeigte.

Im Herbst 2010 hatten die Angeklagte und der 50 Jahre alte Mann ein Liebesverhältnis begonnen. Sie zog bei ihm ein. „Am Anfang war alles ok“, schilderte der Ex-Freund als Zeuge den Beginn der Beziehung. „Doch wenn sie trank, dann rastete sie aus, war auf einmal ein völlig anderer Mensch, wurde aggressiv und streitsüchtig. Das war, wie wenn man einen Schalter umlegt.“ Einmal warf sie einen Kochtopf samt Inhalt nach dem Mann, später bedrohte sie ihn sogar mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser.

Anfang Februar 2011 reichte es dem 50-Jährigen. „Es uferte einfach aus. Und dann habe ich ihr gesagt, sie müsse gehen.“ Was die Frau auch prompt tat. Allerdings lief sie schnurstracks zum Polizeipräsidium in der Gögginger Straße und behauptete, sie sei kurz zuvor von ihrem Freund mit vorgehaltenem Messer vergewaltigt worden. Ein Vorwurf, der, wenn er stimmt, für den Täter mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Haft verbunden wäre.

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Unschuld erwies sich nach dreistündigem Verhör

Die Kripo nahm den angeblichen Sexualtäter auch umgehend fest. Nach einer dreistündigen Vernehmung stellte sich aber heraus, dass alles gelogen war, was die Frau später auch einräumte. Sie wurde nun selbst wegen Freiheitsberaubung und falscher Verdächtigung in Untersuchungshaft genommen. Vor Gericht räumte die Angeklagte (Verteidiger: Manfred Haußmann) die Vorwürfe ein, begründete die Ausraster mit ihrer jahrelangen Abhängigkeit von Alkohol und Tabletten.

Im Gefängnis hatte sie einem Gutachter gegenüber erklärt, wenn sie getrunken und Medikamente eingenommen habe, sei sie „wie ein Roboter“ umhergelaufen. „Ich habe nicht mehr gewusst, wo rechts und links ist.“ Sie wolle nun eine stationäre Therapie beginnen. Darin sah das Gericht auch eine „letzte Chance“ für die Frau, ihr Leben noch einmal neu zu ordnen.

Wie von Staatsanwältin Katja Friedrich beantragt, verurteilte Richterin Ebel-Scheufele die Frau zu 18 Monaten Haft. Zusätzlich ordnete das Gericht die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik zur Therapie an.

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