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Wasserkraft

16.04.2015

Aus der Sinkel wurde der Senkelbach

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Die Singold treibt heute Turbinen an und erzeugt umweltschonend Ökostrom

Wie kommt die Singold an den Augustusbrunnen? Das Flüsschen versorgte anno 1588 im Stadtgebiet 38 Wasserräder von Papier- und Mahlmühlen, Sägen und anderen Gewerbebetrieben mit Energie. „Sinkel“, „Senkel“ oder „Sinkolt“ heißt die Singold in Schriftstücken und Plänen im 16. und 17. Jahrhundert. Sie entspringt inmitten von Waal und mündet heute in Göggingen in den Fabrikkanal. Die Singold war ursprünglich länger: Sie floss ab Mitte des 15. Jahrhunderts um Augsburg herum, am Wertachbrucker Tor vorbei und mündete teils in den Lech, teils in die Wertach.

Das war so bis zum 6. September 1588. An diesem Tag hatte die Wertach Pfersee und das gesamte Wertachtal überflutet. Als sich das Hochwasser zurückzog, floss die „Sinkel“ bereits in Göggingen in die Wertach. Das war für Augsburg eine wirtschaftliche Katastrophe, denn sie hatte im Stadtgebiet 38 Wasserräder angetrieben. Das trocken liegende Bett der „Sinkel“ musste schnell wieder gefüllt werden. Göggingen, auf dessen Gebiet die Singold nun in der Wertach endete, gehörte dem Hochstift. Hier hatte der Bischof das Sagen und der wollte eine erneute Umleitung der Singold durch augsburgisches Gebiet nur unter unannehmbaren Bedingungen zulassen.

Die Augsburger sahen sich gezwungen, anno 1589 unterhalb der Pferseer Brücke ein Wehr in die Wertach zu bauen, um von dort Wertachwasser in das Bett der Singold zu leiten. So entstand der rund drei Kilometer lange Senkelbach. Das Einleitungsbauwerk war die Holzbachschleuse. Auf dem ersten Abschnitt nach der Ausleitung heißt dieser Kanal bis zum Plärrergelände nämlich Holzbach.

Einige Kilometer der alten Singold verlaufen seit der Eingemeindung von Inningen und Göggingen wieder auf dem Augsburger Stadtgebiet. Auch in diesen einstigen Dörfern hatte die Wasserkraft der Singold stets eine enorme wirtschaftliche Bedeutung – zum Beispiel in der Radau. Der frühere Weiler bei Göggingen ist heute ein Wohngebiet. Im 18. und 19. Jahrhundert standen dort nur ein Gutshof mit Brauerei und zwei Mühlen.

Die Singold trieb die Räder der beiden Mühlen an. „Die Obermühlen ist ein eigenes Gut, hat darbei ein Haus, darinnen die Mühlen und drei Mühlräder und eine Gerbmühle, auch ein Blaumühlen innhat“, heißt es anno 1617. Gebäude der einstigen Oberen Mühle stehen noch, das Areal der Unteren Mühle ist gänzlich überbaut. Die Untere Mühle verfügte 1617 ebenfalls über drei Mühlräder. Sie wurde für die Elektrifizierung des Dorfes Göggingen bedeutsam: Ab 1896 erzeugte der Besitzer mit zwei je 30 PS leistenden Turbinen Strom. Dieser reichte zur Versorgung etlicher Privathäuser und für die Straßenbeleuchtung aus.

Im Jahre 1837 waren in Göggingen Pläne für eine Begradigung der mäandernden Singold ausgearbeitet und Grundstücke aufgekauft worden. Aber erst als 1861 die Regierung die Regulierung zur Voraussetzung für eine Ansiedlung einer Zwirnerei gemacht hatte, wurde die Singold kanalisiert.

Von 1861 bis 1884 versorgte allein ein Singold-Kraftwerk die Nähfadenfabrik mit Energie aus Wasserkraft. Auch Friedrich Hessing nutzte die Wasserkraft der Singold und ließ 1892 ein Kraftwerk für seine Werkstätten erbauen. Es erzeugt heute ebenso Strom wie das Singold-Kraftwerk der früheren Zwirnerei und Nähfadenfabrik Göggingen (ZNFG).

Die ZNFG wuchs und benötigte stärkere Antriebskräfte. Im Wasser der unweit des Fabrikgeländes vorbeifließenden Wertach steckte viel ungenützte Energie. Was lag näher, als ein Wehr in die Wertach zu bauen, um so einen durch das Fabrikgelände gegrabenen Kanal mit Wasser zu füllen? An diesem „Fabrikkanal“ steht seit 1884 ein Wasserkraftwerk, in dem nach wie vor zwei Generatoren Strom erzeugen. In den Fabrikkanal fließt die Singold. Er mündete ursprünglich nach etwa zwei Kilometern bei der Kulperhütte wieder in der Wertach. Seit 1921 ist der Fabrikkanal durch den Wertachkanal verlängert. Der Senkelbach wird seither nicht mehr aus der Wertach, sondern aus dem Wertachkanal abgeleitet und treibt mehrere Wasserkraftwerke an.

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