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Augsburg

08.11.2018

Aus nach 59 Jahren: So trauern die Augsburger um ihr Kult-Café Cortina

Das Eiscafé Cortina in der Karolinenstraße war eine Institution. Nach 59 Jahren hat es jetzt plötzlich geschlossen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Ein Jahr vor dem 60. Jubiläum macht das Eiscafé in der Karolinenstraße zu. Die Betreiber waren bei allen beliebt.

Das Bild der Karolinenstraße hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Die Bäckerei Ihle hat der kurzen Straße zwischen Leonhardsberg und Rathausplatz genauso den Rücken gekehrt wie die Stadtsparkasse. Der ehemalige Champion-Laden schloss im Juni 2016 – nach 30 Jahren. Und nun hat auch das benachbarte Eiscafé Cortina zugemacht. Für viele Augsburger ist das eine böse Überraschung.

59 Jahre befand sich das Kult-Lokal an diesem Standort. Mit einem Aushang informiert die Inhaber-Familie Bez die Kundschaft jetzt über die plötzliche Schließung: „Sehr verehrte Gäste! Aus betrieblichen Gründen bleibt unser Geschäft, nach 59 Jahren in diesen Räumlichkeiten, geschlossen! Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Treue und wünschen Ihnen nur das Allerbeste für die Zukunft!“

Mit Bestürzung reagieren umliegende Geschäftsinhaber auf diese Nachricht. „Das war eine Institution. Ich kenne die Familie Bez von klein auf und bin oft zum Essen rübergegangen“, sagt Andreas Müller, Inhaber des Kaffeemaschinen-Geschäfts Gusto Italiano in der Karlstraße. Für Sandra Strüwing, die die PR-Agentur Candid Communications leitet, war das Eiscafé ein richtiger Standortvorteil: „Meine Mitarbeiter und ich mussten für ein Eis nur über die Straße gehen“, sagt sie. Sie gehörten mit Beginn der Eissaison zu den ersten Kunden und waren auch die letzten, die sich an der zur Karolinenstraße offenen Eistheke eine Leckerei erlaubten. „Malaga war dort meine Lieblingssorte. Es war das beste Malaga-Eis der Stadt und da kenne ich mich aus“, sagt Sandra Strüwing wehmütig.

Ein Nachteil für die Karolinenstraße

Marcus Vorwohlt, Chef des Modehauses Rübsamen, das es seit 118 Jahren an Ort und Stelle gibt, findet die Schließung schade. Sowohl seine Mitarbeiter als auch Kunden und er selbst seien dort eingekehrt. „Das Cortina war ein Bestandteil der Karolinenstraße. Dass es das nun nicht mehr gibt, tut mir sehr, sehr leid“, sagt er. Für ihn ist das Aus auch ein „Alarmschrei“. Die Karolinenstraße grenze zwar an den Rathausplatz, käme aber immer mehr unter die Räder. Vorwohlt macht sich Sorgen um die Attraktivität der Einkaufsstraße. „Sie muss aufgehübscht und Außengastronomie erlaubt werden, wie etwa in der kurzen Maxstraße. Nur so kann sie an Aufenthaltsqualität gewinnen.“

Hunderte Augsburger kommentieren auf unserer Facebook-Seite die Nachricht über die Schließung des Eiscafés Cortina. Viele sind seit ihrer Jugend dort ein- und ausgegangen. „Schade, wieder ein Stück altes Augsburg weniger. Habe viele schöne Erinnerungen an das Cortina. Alles Gute den Wirtsleuten“, schreibt Marion Markou. Uwe Bartha erinnert sich, dass er dort vor 35 Jahren mit seiner ersten Liebe Lasagne gegessen hat. Ein anderer User schreibt, dass es vor 13 Jahren zu seiner Hochzeit zum Nachtisch Cortina-Eis gab: „Das unvergleichliche Joghurt-Erdbeer-Eis… So bleibt das Cortina in unserer Erinnerung.“

Gepostet von Augsburger Allgemeine am  Mittwoch, 7. November 2018

Für das Eis sorgte Chef Ennio Bez persönlich. Sein Vater Antonio war 1950 von Italien nach Deutschland gekommen und hatte 1951 ein Eiscafé am Moritzplatz eröffnet. Alle vier Söhne packten in dem Familienbetrieb mit an. 1959 öffnete das Cortina im sogenannten Freyinger-Haus in der Karolinenstraße. In der unmittelbaren Umgebung lernte Ennio Bez seine Angelika, die liebevoll Anka genannt wird, kennen. Sie arbeitete als Verkäuferin im benachbarten Geschäft Babytruhe. 1966 wurde geheiratet. Gemeinsam betrieben sie das Eis-Café bis jetzt. „Cortina 60 Jahre“ steht auf einem Papier, das im Eingang hängt. Im Juli 2019 hätten sie ihr 60. Jubiläum feiern können. Warum sie ihr Cortina schlossen, ist nicht bekannt. Die Inhaber sind nicht erreichbar.

Lesen Sie auch den Kommentar: Cortina: Schade, wenn ein Traditions-Lokal verschwindet

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09.11.2018

Also vermissen werde ich am Cortina allenfalls das Eis. Die Pizza- und Pastagerichte dort fand ich nicht lecker. Die wurden unter Verwendung vieler Fertigprodukte hergestellt und waren nicht umsonst so preisgünstig.

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09.11.2018

Das Cortina war für meine Freunde und mich ein beliebter Treffpunkt in den 60er Jahren. Ob das erste Rendezvous mit einer Umschwärmten oder nur die Verabredung mit der Domplatz-Bande. Die Bande war aber recht harmlos, meist Ministranten und Mitschüler begingen nur ein "Verbrechen", wir unterzogen dem Domplatz-Rasen einer ständigen Qualitätsprüfung. Unsere Fußballmatches waren aber auch der Polizei (damals noch mit Motorrad und Beiwagen unterwegs) bekannt und so brauchten wir immer zwei Plastikbälle (laßt das nicht den Grünen hören) um nach der ersten Ballwegnahme durch die Staatsmacht auch weiterspielen zu können. Damals waren auch Burschen dabei, die heute in Augsburg jeder kennt, damals aber nicht ahnten, dass sie mal prominent sein würden. Eine tolle Zeit - Cortina - du fehlst mir im Herzen und in Erinnerung an die Kindheit.

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09.11.2018

>> Vorwohlt macht sich Sorgen um die Attraktivität der Einkaufsstraße. „Sie muss aufgehübscht und Außengastronomie erlaubt werden, wie etwa in der kurzen Maxstraße. Nur so kann sie an Aufenthaltsqualität gewinnen.“ <<

Irgendwann muss sich auch Herr Vorwohlt überlegen, ob die Straße Kurzparkzone (tagsüber) mit häufigen An- und Abfahrten und Beginn der Parkplatzsuchschleife durch die Altstadt bleiben soll oder nicht. Nur schönes Pflaster, auf dem dann auf 80% der Fläche wieder nur Autos herumkurven kann man dem Steuerzahler ersparen.

Cortina mit Parken vor der Haustüre war immer der ultimative Erfolg, aber draußen sitzen wollte ich da natürlich nicht ;-)

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