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Doppeltes Gedenken

01.09.2011

„Aus tiefster Seele“ schrieb er ihr

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2 Bilder
Sybilla von Leonrod, geborene Meilhaus, als etwa 60-Jährige und das von ihrem königlichen Schützling gestiftete Grabmal auf dem Augsburger Hermanfriedhof.
Bild: Fotos: hks

125. Todesjahr König Ludwigs II., 130. Todesjahr seiner ersten Erzieherin Sybilla

„... bleibe ich stets in treuster Anhänglichkeit Dein aufrichtiger Freund Ludwig.“ So schließt, vom 7. auf den 8. Januar 1881 in Hohenschwangau geschrieben, der letzte Brief des Königs an Sybilla von Leonrod, geborene Meilhaus, in Augsburg. Für die ersten sieben, acht Lebensjahre war sie seine Kinderfrau und Erzieherin gewesen, doch bis zu ihrem Lebensende am 29. April 1881 seine „liebe Meilhaus“ und „liebe Baronin“ geblieben.

Fast 30 Jahre umspannt ihre Korrespondenz. Daraus sind 82 Briefe Ludwigs erhalten. Sie gewähren einen einzigartigen Einblick in Leben und Charakter des Monarchen. Im genannten letzten Brief spricht er wieder von seinen Theaterfreuden (genossen mit Richard Wagner) und auch von seinen laufenden Bauprojekten: der neuen Burg, „welche die Wartburg ... weit überstrahlen soll“ (Neuschwanstein), und dem Schloss auf Herrenchiemsee, das „ein Königs-Palast wie Versailles“ werde.

Die Taschenuhr, die der König bei seinem Ende im See trug

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In der dort gegenwärtig gezeigten Landesausstellung „Götterdämmerung – König Ludwig II.“ ist am Ende auch die goldene Taschenuhr zu sehen, die Ludwig bei seinem rätselhaften Tod am 13. Juni 1886 im Starnberger See trug. Sie wird als Leihgabe von Albert Meilhaus ausgewiesen. Und dieser Meilhaus, ein Unternehmer aus Puchheim, ist ein Urgroßneffe der Sybilla Meilhaus. Es klingt abenteuerlich, wenn er erzählt, wie er Ludwigs Kostbarkeit 1991 aus Wittelsbacher Besitz in München ersteigern konnte.

In seinen Unterlagen befindet sich auch eine schriftliche Antwort des Katholischen Friedhofamtes Augsburg, am 1. Februar 1940 an seinen Vater gerichtet und die Grabstätte der Sybilla von Leonrod, geborene Meilhaus, auf dem Friedhof an der Hermanstraße betreffend. Dies ist insofern ein wichtiges Dokument, als entsprechende Friedhofsunterlagen 1944 beim Bombenangriff auf Augsburg vernichtet wurden (wie übrigens im selben Jahr die Personalakten der Meilhaus im geheimen Hausarchiv beim Bombenangriff auf München).

Die Augsburger Auskunft besagt: „Im Jahre 1904 wurden die Überreste und das von König Ludwig II. gestiftete Denkmal auf dem Platz Feld XIII HW 23 transferiert.“ Dort, nahe dem ersten Grab, ist noch heute auf neugotisch gefasstem Carrara-Marmor zu lesen:

„König Ludwig II. der treuen Pflegerin seiner Kinderjahre Sybilla von Leonrod, geb. Meilhaus“

Die Pflege trägt der „Verein der Augsburger Königstreuen und Freunde Ludwig II. in Bayern“. Bei Nachfrage ergab sich dort, dass gerade ein „Freundeskreis der Monarchie“ gegründet werde, der ein Bürgerbegehren zur Wiedereinführung der Monarchie in Bayern anstrebe.

Das ist das Gegenteil von Resignation, wie sie Ludwig II. auch in Briefen an seine frühere Kinderfrau äußerte. Er fühle sich und Bayern eingezwängt „in die eisernen Klammern des verdammten deutschen Reiches mit seiner preußischen Färbung“ (Brief vom 2. September 1871). Vergeblich hatte sich sein Wunsch eines Bundes der „Mittelstaaten“ Bayern, Württemberg, Baden als Gegengewicht zu Preußen erwiesen (Briefe vom Dezember 1864 und Januar 1869). Ergreifend liest sich die Selbstcharakteristik des Enttäuschten im Brief vom 16. September 1869: „... deßhalb fühle ich mich wie einsam u. verlassen auf dieser Erde, wie übrig geblieben aus einer besseren Zeit, hinein gepflanzt in die jetzige, die ich hasse u. der ich immer mich fremd fühlen werde.“

Kondolenz und Grabrede in der Allgemeinen Zeitung

Nach dem Tod seiner mütterlichen Brieffreundin versicherte er dem hinterbliebenen August Freiherrn von Leonrod, den Sybilla Meilhaus 1860 geheiratet hatte: „daß diese Erinnerung stets in Mir fortleben wird“. Die Augsburger Allgemeine Zeitung veröffentlichte diese Kondolenz am 3. Mai 1881. Auch aus der Grabrede wurde zitiert: Noch Sybillas letzter Laut sei „ein Segenswunsch für Allerhöchstdenselben (König) gewesen“.

Das 125. Todesjahr Ludwigs verbindet sich mit dem 130. Todesjahr der Meilhaus. Deren Ehe mit dem königlichen Adjutanten August von Leonrod blieb kinderlos. Ihr Mann, der 1878 als Generallieutenant und Divisionscommandeur nach Augsburg kam und 1904 in Wiesbaden starb, hatte fünf Brüder. Entsprechend verzweigt sich der Stamm dieses fränkischen Uradels – auch bis hin zu Ludwig Freiherr von Leonrod, dem 1944 als Widerständler des 20. Juli hingerichteten Majors aus Schmiechen (bei Merching).

Sybilla Meilhaus oder „Billa“, wie sie später signierte, war die 1814 geborene Tochter eines Weinhändlers aus Hanau. Sie muss eine gute Ausbildung genossen haben, anders wäre ihre Vertrauensstellung bei Hofe nicht denkbar. Zahlreich waren die Geschenke, die ihr Ludwig zueignete. Sie selbst schenkte zurück. So auch eine Schreibmappe, für Ludwig „lieb u. theuer“. Welche „aus tiefster Seele“ verfassten Briefe mag er damit an seine Vertraute geschrieben haben?

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