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Augsburg

14.11.2017

Ausraster im Sozialamt: Wachleute geben jetzt auf die Mitarbeiter acht

In dem Sozialamt an der Stadtmetzg zeigen nun Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma Präsenz.
Bild: Annette Zoepf

Nach dem Ausraster eines Ehepaares patrouillieren jetzt Mitarbeiter einer Security-Firma im Augsburger Sozialamt. Zugangskontrollen gibt es noch nicht.

Es war möglicherweise ein abgelehnter Bescheid, der den Mann wütend machte. Der 33-jährige Nigerianer habe nicht die finanzielle Hilfe erhalten, von der er ausgegangen war, sagte Sozialreferent Stefan Kiefer (SPD) zuletzt. Viele Menschen, die zum Sozialamt kommen, verstünden manche Entscheidungen nicht. In den Fällen geht es oft um menschliches Leid und existenzielle Sorgen, das birgt eine gewisse Gefahr heftiger Reaktionen. Nur wenige Menschen allerdings reagieren so wie der 33-jährige Mann, der am Montag vor zwei Wochen in der Behörde an der Stadtmetzg ausrastete.

Wie berichtet, war ein nigerianisches Ehepaar an dem Tag mit seinem drei Monate alten Baby ins Sozialamt gekommen. Das Paar war über die Sozialleistungen offenbar unzufrieden und weigerte sich, das Gebäude zu verlassen, als eine Mitarbeiterin es dazu aufforderte. Die Mitarbeiterin rief die Polizei, die später berichtete, der 33-Jährige habe sich gegenüber den Beamten aggressiv verhalten und erheblichen Widerstand geleistet. Er verletzte drei der Einsatzkräfte. Die Ehefrau des Mannes wiederum stellte sich laut Polizei immer wieder mit dem Baby zwischen ihren Mann und die Beamten.

Mann sitzt in Untersuchungshaft

Der 33-Jährige sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft, gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Körperverletzung, Widerstand gegen Polizei und Bedrohung ermittelt, wie sein Verteidiger Ralf Schönauer vergangene Woche mitteilte. Die Stadt wiederum kündigte nach dem Vorfall an, die Sicherheitsvorkehrungen im Sozialamt erhöhen zu wollen. Man werde alles daran setzen, dass er so sich nicht wiederhole, sagte Stadtsprecher Richard Goerlich. In seiner Intensität sei der Zwischenfall bisher einmalig gewesen.

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Seit dem Montag nun sind die ersten Folgen dieser Ankündigung am Sozialamt zu sehen. Zwei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sind im Gebäude unterwegs, vor allem in den Bereichen, in denen die Behördenmitarbeiter persönlich in Kontakt mit Bürgern sind. Die beiden Sicherheits-Männer seien immer präsent und patrouillierten, wenn das Amt geöffnet habe, sagt Amtsleiter Peter Joanni. Das sei generell wichtig für das Sicherheitsgefühl, und im Falle von konkreten Gefährdungen könne der Sicherheitsdienst schnell reagieren.

Kommen nun Zugangskontrollen an den Ämtern?

In dem Amt an der Stadtmetzg arbeiten nach Auskunft von Joanni etwa 100 Frauen und Männer auf drei Etagen. Ein Teil der Angestellten im Amt ist durch eine Schalterwand von den Besuchern getrennt. Andere haben direkten Kontakt zu Besuchern und sprechen in Einzelbüros mit ihnen. Die Sicherheits-Maßnahmen sollen vorerst für drei Monate greifen, wie die Stadt mitteilte. Danach wird geprüft, wie effektiv sie war. Taschen- und Zugangskontrollen am Eingang gebe es aktuell noch nicht, sagt Amtsleiter Joanni. Dazu müsste man vermutlich auch den Eingangsbereich anders gestalten. Ausgeschlossen, dass diese Kontrollen in Zukunft eingeführt werden, ist es aber nicht. Die genaue Ausgestaltung des Konzeptes könne sich ändern, sagt Joanni, man werde eventuell nachjustieren.

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