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Kreis Augsburg

04.07.2017

Aussage von Missbrauchsopfer: Zen-Priester verführte Jugendliche

Zen-Priester Genpo D. vor dem Landgericht.
Bild: Ulrich Wagner

Ein Opfer des Zen-Pristers aus Dinkelscherben berichtet vor Gericht vom gemeinsamen Duschen und von Berührungen: Genpo D. soll sieben Buben missbraucht haben.

Vinzenz (Name geändert) war 14 und auf der Suche. Wonach, wusste er nicht. „Ich war orientierungslos“, sagt der 34-Jährige heute. Sein leiblicher Vater interessierte sich nicht für ihn. Der Junge suchte schon früh Halt im Leben. Er traf auf den Buddhismus. Aber er traf auch auf den hohen Zen-Priester Genpo D. aus Dinkelscherben (Landkreis Augsburg). Und der verführte den Minderjährigen nach und nach gegen dessen Willen zu einer sexuellen Beziehung.

Zen-Priester soll sieben Buben missbraucht haben

Vinzenz war nicht der einzige, das belegen Zeugenaussagen im Prozess gegen D. Der 62-Jährige soll sieben Buben missbraucht haben. In einigen Fällen hat der Vize-Präsident des Buddhisten-Weltverbandes WFB gezielt seine Stellung als Zen-Meister ausgenutzt, um sexuelle Neigungen an den Schülern auszuleben. Vinzenz war einer von ihnen. Er berichtet am Dienstagvormittag, wie subtil Genpo D. vorgegangen ist: Mit viel Verständnis für die Jugendlichen, aber auch einer klaren Gehorsams-Beziehung zwischen Meister und Schüler, gelang es dem Angeklagten, die verwirrten Teenager in die Bredouille zu bringen. „Das fing klein an und wurde immer mehr“, sagt Vinzenz.

Irgendwann machte Genpo D. seinem Schüler bei einer Atemübung im Dinkelscherbener Tempel die Hose auf und berührte sein Glied. Später gestand er dem Heranwachsenden, dass er in ihn verliebt sei und am liebsten mit ihm „nach Burma abhauen würde“. Vinzenz verstand die Welt nicht mehr. „Besonders gemein war, dass er mir aufoktroyiert hat, dass ich schwul bin – obwohl ich sexuell noch gar nicht orientiert war“, sagt Vinzenz heute.

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Irgendwann wurde es dem jungen Mann zu viel

Er ließ alles geschehen, auch als Genpo D. ihn zum gemeinsamen Duschen aufforderte. Denn der Zen-Meister lockte ihn mit einem „Koan“, einem spirituellen Rätsel, das man nur erhält, wenn man auf seinem Zen-Weg vorangekommen ist. Doch irgendwann wurde es dem jungen Mann zu viel. In Gesprächen betonte er immer wieder, dass er das nicht will. Genpo D. wandte sich einem anderen Schüler zu.

Als Vinzenz in einem Brief von „sexueller Nötigung“ schreibt, erhält er einen Entschuldigungsbrief vom Zen-Meister. Heute ist Vinzenz Sozialpädagoge. Er ist in Therapie. Und er sagt mit fester Stimme: „Ich bin hetero.“

Der Prozess gegen Genpo D. geht am Freitag weiter. Das Urteil soll nächsten Dienstag fallen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

06.07.2017

Es ist immer wieder dasselbe, ehemalige Opfer von Missbrauch melden sich in den Kommentaren zu Wort, um ihr eigenes Leid zu verallgemeinern. Es stünde jedoch auch dem Gericht bei der Urteilsfindung gut an, wenn es sich stattdessen auf die Fachliteratur stützte. Die letzte große Metastudie zu diesem Themenbereich ist die "Rind-Studie" (siehe "Rind et al. controversy "bei Wikipedia) und kam zum Schluss, dass - nach Befragung Erwachsener - rückblickend ca. 70 % derjenigen, die als Kinder sexuelle Erfahrungen mit Erwachsenen machten, keine bleibenden Schäden sahen oder dem Geschehen sogar positiv gegenüber standen. Das gesellschaftliche Klima ist so, dass sich diese Mehrheit leider kaum zu melden traut, weshalb durch Beiträge wie die obigen eine verzerrte Wahrnehmung des Sachverhalts entsteht. Dazu gehört auch die Begriffsverwirrung (wer auf pubertierende 13-Jährige steht, ist kein "Pädophiler" mehr!) und die regelmäßige Mutmaßung organisierter Kriminalität und Netzwerke, wo tatsächlich bekannt ist, dass echte Pädophile zu den einsamsten Menschen gehören. Wichtig ist daher immer die Würdigung des Einzelfalles und dass man sich nicht erspart, den Kindern und Jugendlichen genau zuzuhören..

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04.07.2017

Ich frage mich, wer denn innerhalb der buddhistischen Szene, in der Hans Rudolf D., alias Genpo D. eine hohe Position einnahm, von seinem Hang zur Missbrauchskriminalität gewusst hat. Auch im Hinblick auf die umfangreiche Sammlung an Missbrauchsabbildungen, die man bei ihm gefunden hat und von der er sagte, er habe sie nach dem Erstellen nie wieder angeguckt. Das mag sein. Denn üblich ist, dass Pädokriminelle ihre Filme und Photos untereinander tauschen. Oder sie im Netz verkaufen. Der Buddhismus hat ein sehr positives Image als friedliebende Religion. Kaum bekannt ist deshalb, dass es innerhalb des Führungszirekls dieser Glaubensrichtung eine Tradition der sexuellen Ausbeutung gibt, die darin mindestens ähnlich tief verwurzelt ist wie unter katholischen Priestern http://www.emma.de/artikel/schlingel-ihre-heiligkeit-der-sex-265043. Idealisierung des männlichen Prinzips und Abwertung des Weiblichen inklusive. Wo Sexualität spirituell gedeutet wird, kann sie viel leichter missbräuchlich genutzt werden als im weltlichen Kontext, insbesondere von denen, die den entsprechenden Kult anführen. Wo nichts dabei gefunden wird, Frauen sexuell auszubeuten, sinkt auch die Hemmschwelle das mit jungen Männern und Mädchen oder Kindern zu tun. Ich würde es begrüßen, wenn man in der Hinsicht die Kontakte, die Herr D. zu anderen religiösen Machthabern pflegte, genauer unter die Lupe nähme. Nicht nur was Buddhisten angeht, sondern auch die zu katholischen Priestern. Hans Rudolf D. wäre nicht das erste Opfer, das über seine Missbraucher sehr früh in schlechte Gesellschaft gerät und davon nie mehr wirklich los kommt. Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer von schwerem sexuellem Missbrauch wurden

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05.07.2017

Sehr geehrte Frau Oetken, Ihre Frage ist berechtigt, wer davon gewusst hat – oder auch wer duldend-ahnend weggesehen hat. Auch mit dem positiven Image des Buddhismus, das leider Fehlentwicklungen im Buddhismus förderlich ist, stimme ich Ihnen zu. In dem Sinne ist wirklich mehr kritischer Sachverstand wünschenswert. Journalisten und Medien, die nicht im Traum auf die Idee kommen würden Scientology via unkritischer Berichterstattung zu promoten, tun das aber mit ebenso schädigenden buddhistischen Gruppen ohne dabei über kritisches Hintergrundwissen oder Sachverstand zu verfügen und machen sich so zu deren verlängerter Werbeplattform.
Allerdings sollte Aufklärung im Sinne der Aufklärung erfolgen und nicht via Pseudo-Aufklärung a la Colin Goldner oder dem von Ihnen verlinkten Emma Artikel. Die richtigen Adressen dazu wären Uni-Professoren oder Asienwissenschaftler, Buddhologen etc. Aus meiner Sicht handelt es ich beim Emma-Artikel primär um Verklärung bis hin zu Verleumdung. Details dazu hier – siehe Fußnote 10: https://www.info-buddhismus.de/Colin_Goldner_Dalai_Lama_Gottkoenig_Wissenschaftsjournalist.html Zudem haben wir es hier mit dem Zen Buddhismus und nicht dem Tibetischen Buddhismus zu tun. Querverbindungen gibt es zwar in Bezug auf die starke Hierarchie und die Forderung/Tendenz den Meister/Guru als unfehlbar zu sehen – die leider Missbrauch förderlich ist – aber weniger auf inhaltlicher Ebene. Letztlich gilt im Buddhismus die Ethik schädigedes sexuelles Verhalten aufzugeben. Je nachdem auf welche Kommentare man sich stützt, bezwieht das Menschen "die unter dem Schutz der Eltern stehen" mit ein. Ansonsten gilt es sich den Gesetzen gemäß zu verhalten und jede Form schädigenden Verhaltens aufzugeben.

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