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Augsburger Geschichte

29.03.2021

Ausstellung: Antike Münzen zeugen von der Römerherrschaft

Schatzfund mit 52 römischen Goldmünzen. Sie wurden am 6. September 1978 an der Stephansgasse entdeckt.
Foto: Römisches Museum

Plus 10.000 antike Münzen sind im Besitz des Römischen Museums in Augsburg. Sein Ersatz, das „Römerlager“ im Zeughaus, ist wieder auf Voranmeldung zugänglich.

Augsburgs Römer-Museum-Ersatz im Zeughaus, das „Römerlager“, ist seit Dienstag, 16. März, wieder eingeschränkt zugänglich. Für einen Besuch muss digital ein Zeitfenster gebucht werden. Darüberhinaus ist römische Stadtgeschichte außerhalb des Museums präsent: An Augusta Vindelicum erinnern Grabdenkmale, Pinienzapfen und Inschriftsteine an der „Römermauer“ auf dem Fronhof beim Dom. Am Äußeren Pfaffengäßchen lädt der „Archäologische Garten“ zu einem Freiluft-Rundgang in römischer Umgebung auf dem Areal der einstigen Römerstadt ein.

Alle Facetten des römischen Augsburg

Die umfassende Rückblende in die Antike bietet das „Römerlager“. In der Toskanischen Säulenhalle des Zeughauses werden alle Facetten des römischen Augsburg dargestellt. Ein Bereich widmet sich dem Geldwesen. Originale „Römermünzen“ liegen in Vitrinen. Es ist ein kleiner Teil der mehr als 10.000 antiken Münzen im Besitz des Römischen Museums. Der berühmte Schatzfund von 52 Goldmünzen zieht natürlich die Blicke auf sich.

Römermünzen mit Kaiser-Porträts, entdeckt in Augsburg.
Foto: Römisches Museum

Zu den ausgestellten Münzen wird die Fundsituation geschildert. Allein vor dem Umbau des Hauptkrankenhauses zum Gesundheitszentrum wurden rund 3000 Münzen geborgen. Archäologen vermuten, dass sie als Opfergaben an die „Wegegötter“ beim Passieren eines Lecharms über eine Brücke oder durch eine Furt ins Wasser geworfen wurden.

Münzen erzählen Geschichte. Zeigt die jüngste Prägung eines Fundes kaum Gebrauchsspuren, ist anzunehmen, dass sie bald nach der Prägung versteckt wurde, verloren ging oder geopfert wurde. Die Prägezeit und oftmals der Prägeort können nach der Restaurierung bestimmt werden. Bereits vom ersten römischen Militärlager beim Zusammenfluss von Lech und Wertach zeugen rund 380 Münzen. Sie waren im Kies eingeschwemmt.

Siedlung entwickelte sich zu Augusta Vindelicum

Die römischen Eroberer legten danach auf der hochwassersicheren Hochterrasse über Lech und Wertach ein dauerhaftes Kastell an. Drumherum wuchs eine Siedlung. Sie entwickelte sich zur Stadt Augusta Vindelicum. In kriegerischen Zeiten verbargen deren Bewohner Münzen und Wertgegenstände. Nicht alle konnten von ihren Besitzern wieder aus den Verstecken geholt werden. Sie kamen als „Hortfunde“ wieder zum Vorschein, wie 51 Kupfermünzen an der Karmelitengasse. Sie wurden in der Regierungszeit von Kaiser Augustus (27 vor Christus bis 14 nach Christus) geprägt.

Kaiser Octavianus im Goldenen Saal des Rathauses
Foto: Franz Häußler

Nur wenige Münzfunde sind so spektakulär wie die 52 „Aurei“ (Goldstücke), die am 6. September 1978 an der Stephansgasse entdeckt wurden. Das Normgewicht eines „Aureus“ war 8,19 Gramm. Das war unter Kaiser Augustus der Monatssold eines Legionärs. Acht Kaiser sind auf diesen 52 Goldmünzen porträtiert. Die Prägezeit beginnt unter Kaiser Nero (65 nach Chr.), Vitellus (69) und Vespasianus (70) und endet mit Marcus Aurelius (164) und Lucius Verus (163/164 nach Christus). Nach dem Jahr 164 wurde der Münzschatz versteckt und erst über 1800 Jahre später wiederentdeckt.

Überwiegend bergen Archäologen Bronze-, Kupfer- und Messingmünzen. Silbermünzen sind selten, Goldmünzen Raritäten. Egal, welche Wertstufe eine „Römermünze“ hatte: Sie war nicht nur Zahlungsmittel, sondern diente auch der Propaganda. Münzen machten einen Kaiser mit Namen und Porträt im römischen Weltreich bekannt. Die ersten Prägungen nach einem Regierungswechsel kamen aus Rom. Augustus, Hadrian, Antoninus Pius, Caracalla, Publius Licinus Valerianus und Marcus Aurelius Probus, Diokletian und Maximian sind durch Fundmünzen überliefert.

Römischer Kaiser im städtischen Verwaltungsgebäude am Rathausplatz.
Foto: Franz Häußler

Nachgeprägt wurden Aurei (Gold), Denare (Silber) sowie Sesterzen, Dupondien und andere Wertstufen in vielen Prägeorten im Römerreich. Alle Münzen, egal, wo sie hergestellt wurden, waren im gesamten Römischen Reich gültig. Auch außerhalb des römischen Herrschaftsgebiets war Römergeld die „harte Währung“. In Augsburg kamen Münzen zuhauf ans Tageslicht: in Brunnen und Zisternen, in Überresten von Befestigungen und Häusern, im Römermarkt, an Straßen und in Friedhöfen.

Nach dem Jahr 400 versteckte Münzen deuten das nahende Ende von Augusta Vindelicum und der Römerherrschaft an. 1981 wurden am Springergäßchen 260 Bronzemünzen geborgen, die um 400 verborgen worden waren. Sie wurden unter zehn Kaisern geprägt. Die jüngsten Prägungen waren unter Valentinian II. (Regentschaft von 375–382), Theodosius I. (379–395) sowie seinen Söhnen Arcadius (383–408) und Honorius (393–423) entstanden.

Römische Kaiser sind in Augsburg auf Büsten und Fresken präsent

Miniaturporträts auf Münzen dienten 1000 und mehr Jahre nach dem Tod der Abgebildeten als Vorlagen für Büsten und Reliefs. In Augsburg sind römische Kaiser im Rathaus durch Bronzebüsten und Fresken präsent, im städtischen Verwaltungsgebäude am Rathausplatz sind auf Glas gemalte Kaiserporträts in Fenster eingefügt. Auf dem Rathausplatz steht Augustus, im „Antoniushof“ und im „Höhmannhaus“ an der Maximilianstraße sowie im „Köpfhaus“ am Fuggerplatz schmücken Porträts römischer Kaiser als Reliefs Wände.

Weitere stadthistorische Exkursionen finden Sie hier.

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