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Prozess in Augsburg

06.04.2016

Autofahrer bedrängt Skater

Ein Schüler fiel von seinem Longboard, weil ein Autofahrer zu nah auffuhr.
Bild: Stratenschulte/dpa

Ein 72-jähriger Autofahrer war mit seinem Auto zu dicht auf einen 14-jährigen Skater aufgefahren. Als der Rentner hupte, fiel der Jugendliche hin und erstattete Anzeige.

Da stießen quasi zwei Welten aufeinander an jenem Novembertag 2015 in Haunstetten: Hier der Rentner, 72, am Steuer seiner schwarzen Limousine, da der cool-lässige 14-Jährige, der mit seinem Longboard, einem langen Skateboard, statt auf dem Gehweg verbotenerweise auf der Fahrbahn dahin surfte. Eine Konfrontation schien unvermeidbar. Der Rentner sah sich im Recht, fuhr angeblich bis auf 1,5 Meter von hinten an den Skater auf und hupte. Vor lauter Schreck verlor der Schüler das Gleichgewicht und fiel auf die Nase. Was dem Rentner nun einen Strafbefehl wegen Nötigung und Beleidigung (er soll den Buben hinterher noch beschimpft haben) einbrachte, den er vor Richterin Manuela Müller anfocht.

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Der Schüler verletzte sich bei dem Unfall nicht

Der Angeklagte überließ im Prozess nichts dem Zufall. Penibel genau hatte er selbst die Unfallstelle mit dem Maßband abgeschritten, den Abstand eines Gullideckels zum Fahrbahnrand, die Straßenbreite abzüglich geparkter Autos ausgemessen. Er sei, so beteuerte er, ganz langsam hinter dem Longboarder hergefahren. „Ich dachte mir, jetzt muss er es doch mal merken, dass ein Auto hinter ihm her ist.“ Weil der Bub einfach weitergefahren sei, habe er halt gehupt. „Er schaute sich um, erschrak und fiel um“, schilderte der Angeklagte die Situation. Der Schüler sagte als Zeuge, er sei vom Fußweg auf die Fahrbahn gewechselt, um einer Fußgängerin auszuweichen. „Auf einmal war ein Auto da. Ich war schon ein wenig instabil wegen eines Gullideckels, da hupt er mich an und ich fall um.“ Zum Glück ging der Vorfall ohne Verletzungen ab.

Der Bub hat jetzt ein Longboard-Verbot

Eigentlich, so äußerte sich die Mutter des Buben im Gerichtssaal, habe man die Sache auf sich beruhen lassen wollen und erst dann Anzeige erstattet, als sich der Autofahrer nicht entschuldigt habe. Auch ihr Sohn habe sein Fett wegbekommen. „Er hat jetzt Longboard-Verbot.“ Die Richterin Manuela Müller schlug, auch weil der Angeklagte über eine reinweiße Weste verfügt, eine salomonische Lösung vor, mit der alle Beteiligten einverstanden waren. Sie stellte das Verfahren wegen geringer Schuld gegen eine Geldauflage von 1000 Euro, zu zahlen an die „Klinik-Clowns“, ein. Das hat für den Angeklagten den unschätzbaren Vorteil, dass er nicht nur um einen Eintrag im Strafregister herumkommt, sondern auch um Punkte in Flensburg und um ein Fahrverbot.

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