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08.02.2015

Bärenkeller will seine Flüchtlinge unterstützen

Am Amselweg im Stadtteil Bärenkeller leben seit kurzem Flüchtlinge.
Bild: Silvio Wyszengrad

 19 Personen Asylbewerber sind in einer Unterkunft am Amselweg untergebracht. Infoabend zeigt, dass die Bevölkerung gegenüber den Neuankömmlingen positiv eingestellt ist. Doch es gibt auch Fragen und Unsicherheiten

Die erste dezentrale Unterkunft in Augsburg für Asylbewerber befindet sich im Bärenkeller im Amselweg. Sie ist bereits mit 19 Flüchtlingen aus Mali, dem Senegal, Pakistan, dem Kosovo und der Ukraine belegt. Von ihrer Ankunft hatte auch die Stadt erst unmittelbar vorher erfahren, lud dann aber bereits wenige Tage später zu einer Informationsveranstaltung in den Pfarrsaal St. Konrad ein. Pfarrer Karl Mair hatte ihn zur Verfügung gestellt. Etwa 50 Bürger kamen und hatten etliche Fragen, waren aber gegenüber den neu Zugezogenen überwiegend offen eingestellt und wollten ihnen, wo möglich, ihren Aufenthalt erleichtern.

Die Stadt vertrat Sozialreferent Stefan Kiefer (SPD). Als Fachleute unterstützten ihn Asylberater Matthias Schopf-Emrich vom Diakonischen Werk und die Sprach-Koordinatorin Margot Laun vom Verein Tür an Tür.

Unter den 19 Asylbewerbern befinden sich laut Kiefer eine vierköpfige Familie aus der Ukraine. Alle anderen seien alleinstehende Männer. Schopf-Emrich betonte, es sei gut, dass die Flüchtlinge nach den Aufnahmelagern nun in kleinen Unterkünften seien. Er verdeutlichte, dass sie sich hier zunächst orientieren müssen: Welche Behörden sind aufzusuchen, wo können sie einkaufen, wo gibt es einen Arzt, einen Kindergarten? Die Afrikaner können sich auf Französisch, die Pakistani auf Englisch verständigen. Von den Kosovaren kann nur einer etwas Englisch. Die Ukrainer können möglicherweise nur Russisch.

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Sie müssen laut Schopf-Emrich teilweise zu ihrem Asylwunsch noch angehört werden und warten dann unterschiedlich lange, im Durchschnitt sieben bis acht Monate, auf die Entscheidung. Erfahrungsgemäß wird nur ein Drittel anerkannt. 50 bis 60 Prozent der Asylbewerber bleiben dennoch längerfristig in Deutschland, weil es Abschiebe-Hindernisse gibt. Die Übrigen kehren in ihre Heimat zurück oder werden in andere europäische Länder zurückgeschickt.

Der Asylberater rief die Bewohner des Bärenkellers zu Nachbarschaftshilfe auf: etwa Tipps, wo sie was bekommen können, ein gebrauchtes Fahrrad, um leichter ins Stadtzentrum zu kommen, oder Übersetzungshilfe.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass dafür ein neutraler Treffpunkt geschaffen werden muss. Vorgeschlagen wurden Räume der Siedlergemeinschaften; Pfarrer Bernd Fischer (Erlöserkirche) wies darauf hin, dass es in seiner Gemeinde samstags ein gemeinsames Frühstück unter dem Titel „Brot-Zeit“ gibt.

Von zentraler Bedeutung sei es Deutsch zu lernen, wie Birgit Ritter von der Landesarbeitsgemeinschaft bayerischer Freiwilligenagenturen sagte. Kurse geben zum großen Teil pensionierte Lehrer oder Studenten gegen eine Aufwandsentschädigung. Die Bärenkellerer, so wurde deutlich, können aber auch helfen, indem sie mit den Asylbewerbern sprechen und so die Alltagssituationen einüben. Auch bei den Hausaufgaben könne man die Kinder unterstützen. Schopf-Emrich verdeutlichte, dass es sehr wichtig ist, ihnen beim Lesen von Briefen Hilfestellung zu geben.

Etwas Unsicherheit war den Besuchern angesichts ihrer neuen Nachbarn anzumerken. „Was erwarten die von mir“?, fragte einer. Und es wurde auch gefragt. „Bleibt es bei maximal 25?“ Dazu sagte Kiefer: „Vielleicht werden es auch mal 40 Asylbewerber sein. Aber wir suchen im ganzen Stadtgebiet nach Unterkünften. Hier im Bärenkeller waren die Räume schon möbliert; darin haben früher ausländische Montagearbeiter gelebt.“

Kiefer berichtete, dass die Asylbewerber schon kurz nach ihrer Ankunft einen Behördentermin pünktlich wahrgenommen hätten. Sie seien dazu vom Bus in die Straßenbahn umgestiegen und seien richtig bei dem Amt angekommen. „Die sind ziemlich fit“, sagte er, „sie brauchen keine Betreuung, sondern eine Starthilfe.“

Nur eine Frau, die sich selbst als Migrantin bezeichnete, sagte, sie habe Angst vor den alleinstehenden Männern, die ein anderes Frauenbild hätten, als in Deutschland vorherrsche. Sie verlangte, sie müssten baldmöglich Arbeit bekommen. Schopf-Emrich sagte, wenn es bei Asylbewerbern zu Konflikten komme, gingen die meist „nach innen“. Es müsse daher Mediatoren geben. Auch eine Alltagsstruktur sei wichtig, anfangs durch regelmäßigen Sprachunterricht. Es dürfe keine Langeweile entstehen.

Stadtrat Günter Göttling (CSU) kündigte an, die Polizei werde im Bärenkeller verstärkt Streife fahren, auch stünden Beamte vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch die Stadtratskollegen Uli Wagner (SPD) und Peter Schwab (CSU) forderten die Besucher auf, sich bei Bedarf an sie zu wenden.

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