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Verkehr

01.03.2019

Bahn-Ausbau zwischen Augsburg und Ulm: Die Fronten bleiben hart

Wo fahren künftig die ICE von Augsburg nach Ulm? Im Gespräch ist ein Ausbau der Bestandsstrecke (hier die Strecke auf Höhe Freihalden im Landkreis Günzburg) oder ein Neubau entlang der A8. Die Bahn sagt, der Verlauf ist momentan noch komplett offen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Plus Der große Krach zwischen Politikern aus Stadt und Land fällt beim Projektstart für die Strecke Augsburg-Ulm aus. Doch Meinungsunterschiede gibt es weiter.

Die Bahn hat am Donnerstag offiziell den Startschuss für die Planungen zum Aus- oder Neubau der Bahnstrecke Augsburg–Ulm gegeben. Ziel des etwa zwei Milliarden Euro teuren Projekts ist es, Augsburg besser an den Fernverkehr anzuschließen und das Umland besser mit dem S-Bahn-ähnlichen Verkehr zu erschließen. Momentan, so Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Bayern, sei aber noch offen, wo die Strecke verlaufen soll. „Sowohl ein Ausbau der Bestandsstrecke als auch der Bau einer neuen Strecke in bestimmten Abschnitten wäre denkbar.“

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Die Bahn werde nun in einem ersten Schritt untersuchen, welche Trasse die vom Bund vorgegebenen Ziele erreichen könne. Neben einer Verkürzung der Fahrzeit zwischen Augsburg und Ulm von 40 auf 30 Minuten ist eine Vorgabe des Bundes, dass mit der neuen Strecke auch die Kapazitäten erhöht werden sollen. Absehbar ist, dass es mehr Fernverkehrszüge geben soll. Wann man mit ersten Planungsergebnissen aufwarten könne, sei heute nicht vorhersagbar, so Josel – geschweige denn wann der erste Zug rollt.

Wie berichtet gab es in den Wochen vor dem Auftakt, der am Donnerstag vor etwa 60 Abgeordneten, Landräten und Bürgermeistern aus Schwaben stattfand, Streit über die beste Trassenvariante. Innerhalb der CSU wurden klare Meinungsunterschiede zwischen Politikern aus Augsburg und dem Umland deutlich. Zu einem offenen Schlagabtausch ließ sich die Partei bei der Auftaktveranstaltung im Rokoko-Saal der Regierung von Schwaben zwar nicht hinreißen, doch auch so wurde deutlich, wer wo steht – Politiker aus Augsburg und dem Umland saßen in unterschiedlichen Hälften des Saals.

Sollen neue Gleise entlang der bestehenden Strecke gebaut werden?

Im Kern geht es um die Frage, ob für die Ertüchtigung der heute schon stark ausgelasteten Strecke Augsburg-Ulm zusätzliche Gleise entlang der 85 Kilometer langen kurvenreichen Bestandsstrecke gebaut werden sollen oder ob ein Neubau nur für den Fernverkehr – etwa entlang der A8 – in Frage kommt. Letzteres lehnen Politiker aus dem Umland ab. Eine Neubaustrecke würde zwar den Fernverkehr von der Bestandsstrecke bringen und somit dafür sorgen, dass der Fugger-Express ungestört im Takt fahren kann – doch die Befürchtung ist, dass die Realisierung der Neubaustrecke viel zu lange dauert, so sie denn überhaupt kommt.

Zu Wort meldeten sich Landrat Martin Sailer (CSU) und mehrere Bürgermeister aus dem westlichen Umland. Der Ausbau für den Fernverkehr sei ja schön und gut, aber ihm gehe es um Pendler und Schüler aus seinem Ort, sagte etwa der Dinkelscherber Bürgermeister Edgar Kalb. Dafür sei der Ausbau der Bestandsstrecke mit einem dritten Gleis nötig, wie es schon seit Jahrzehnten gefordert wird. Wie berichtet hat sich auch die schwäbische CSU für einen Ausbau der Bestandsstrecke positioniert und lehnt einen Neubau ab.

Das sei zum jetzigen Zeitpunkt voreilig, sagte der Augsburger Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich (CSU). Es müsse allen klar sein, dass die Vorgabe des Bundes, die Fahrtzeit auf 30 Minuten zu reduzieren, zwingend erfüllt werden müsse, weil es sonst kein Geld für den Streckenbau gebe. Andernfalls drohe, dass die Bahn Fernverkehrszüge abzieht. „Augsburg darf sich nicht abhängen lassen nach der bitteren Erfahrung mit der Ingolstadt-Trasse“, so Ullrich. Augsburg sei als Wirtschaftsstandort auf gute Fernverkehrsverbindungen angewiesen, betonte auch Wirtschaftsbürgermeisterin Eva Weber (CSU).

Verkehrsminister Reichhart schlägt sanftere Töne an

Der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU; Jettingen-Scheppach), der am Vortag in einer Presseerklärung der schwäbischen CSU noch „Wunschträumen und Phantomen“ eine Absage erteilt und deutlich gemacht hatte, dass „wir keine Neubautrasse entlang der Autobahn brauchen“, schlug sanftere Töne an. Dass man die Zielvorgabe von 30 Minuten Fahrtzeit einhalten müsse, sei Konsens bei allen, ebenso wie dass es Verbesserungen für den Nahverkehr geben müsse. „Das Projekt ist eminent wichtig für Schwaben“, so Reichhart. Man dürfe keinesfalls zulassen, dass Streitereien dafür sorgen, dass das Projekt in die zweite Reihe fällt.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte am Donnerstag die regionale Politik dazu auf, sich spätestens zum Jahresende auf eine Variante zu einigen. „Falls dies nicht gelingen sollte, befürchten wir, dass keine der Varianten realisiert wird“, heißt es in einer Stellungnahme. Um alle geplanten Schienenprojekte in Deutschland umsetzen zu können, sei viel zu wenig Geld da. Regionen, in denen es noch politischen Streit gebe, gerieten schnell ins Hintertreffen. Pro Bahn würde eher einen Neubau an der A8 bevorzugen, wobei eine entscheidende Größe die Realisierungszeit der beiden Varianten ist – und die sei völlig unklar.

Klar ist, dass ein kompletter Neubau mit hohem Planungsaufwand verbunden ist. Dafür kann unter Umständen schneller gebaut werden als neben einer Bestandsstrecke. Bis Züge rollen werden, wird es in jedem Fall Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern. Zur Orientierung: Der 2011 abgeschlossene viergleisige Ausbau der Strecke Augsburg – München entlang der Bestandsstrecke nahm 13 Jahre in Anspruch, die Vorplanungen begannen schon Anfang der 1990er Jahre. Die Bahn will nun im ersten Schritt das Projekt analysieren, bevor sie in die Vorplanung geht und erste Variantenvorschläge erarbeitet. Vorgesehen sind ab dem Frühjahr Gespräche mit den Kommunen an der Strecke, später soll die Öffentlichkeit beteiligt werden.

Lesen Sie auch den Kommentar: Bahn: Jetzt sind die Planer am Zug

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Die Diskussion ist geschlossen.

02.03.2019

Ein Neubau geht einfach schneller, als ein Ausbau.

Jetzt hätte man die Chance eine perfekte Schnellbahnstrecke zu bauen, die sogar unter 30 Minuten machbar wäre, wenn man diese auf Höhe Neu-Ulm Burlafingen direkt Richtung Westen bis A8 bei Günzburg führen würde und dann immer endlang der Autobahn bis nach Gersthofen. Ein Ausbau der Bestandsstrecke wäre nicht erforderlich, nur die Bahnhöfe müssten alle auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Eigentlich müsste die Bestandsstrecke 4-Spurig ausgebaut und begradigt werden, aber da gibt es doch gar kein Platz!

Günzburg könnte über die Bestandsstrecke weiter an die Neubaustrecke angebunden werden und in Höhe Burgau gibt es eine Anbindung an die Schnellfahrtstrecke. IC/EC und wenige ICEs können Günzburg also weiterhin anfahren.

Es Ulm/Augsburg ist es entscheidend dass jetzt die langfristig beste und schnellste Strecke gebaut wird. Die bleibt dann locker die nächsten 100 Jahre unangetastet.

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01.03.2019

>> Zur Orientierung: Der 2011 abgeschlossene viergleisige Ausbau der Strecke Augsburg – München entlang der Bestandsstrecke nahm 13 Jahre in Anspruch <<

Und jetzt zum Vergleich bitte die Bauzeit der Neubaustrecke (Stuttgart)-Wendlingen-Ulm, die spätestens 2023 den Betrieb aufnimmt. Und das einige Jahre vor dem Tunnelbahnhof S21 in Stuttgart.

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