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Augsburg

12.02.2020

Bahnhofstraßen-Sperrung nach Orkan "Sabine": Tunnel führt zu P&C

Durch diesen provisorischen Tunnel können Kunden seit Mittwochnachmittag Peek&Cloppenburg wieder erreichen.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Ein Teil der Bahnhofstraße bleibt nach dem Sturmschaden an einem Gebäude gesperrt. Verantwortliche bemühen sich, Läden zugänglich zu machen. Nicht jeder ist zufrieden.

Dieser Mann ging Mittwochmittag umsonst zu Peek&Cloppenburg in die Bahnhofstraße. Er wollte ein Jackett abholen, nun steht er vor einer Absperrung. Seit Orkan „Sabine“ Montagmittag ein Teil des Daches am Gebäude der Viktoriapassage angehoben hat, war das Modehaus unerreichbar. Zumindest bis Mittwochnachmittag. Bis dahin wurde eine Lösung gefunden. Doch Sturmtief „Sabine“ hat noch weitreichendere Konsequenzen.

Der westliche Teil der Bahnhofstraße bleibt aus Sicherheitsgründen bis voraussichtlich nächsten Mittwoch gesperrt (wir berichteten). Von der Sperrung betroffen sind mehrere Geschäfte. Die Hausverwaltung bemühte sich gemeinsam mit der Stadt darum, Kunden einen sicheren Weg zu Geschäften zu ermöglichen. Doch das ging nicht so schnell, wie anfangs gehofft.

Sperrung Bahnhofstraße: Zwei Geschäfte sind noch völlig abgeschnitten

Immer wieder muss der Mitarbeiter der Sicherheitsfirma an der Absperrung am Mittwoch Passanten erklären, wie sie zum Bahnhof oder zu bestimmten Geschäften gelangen. Das Salewahaus mit seinen Läden und Praxen ist zugänglich, die Drogerie Müller ist über die Halderstraße erreichbar. Völlig abgeschnitten allerdings sind noch eine Filiale der Bäckerei Knoll und das Reisebüro vor der Viktoriapassage.

Der westliche Teil der Bahnhofstraße ist voraussichtlich bis nächste Woche Mittwoch gesperrt.
Bild: Bernd Hohlen

Für Peek&Cloppenburg wurde eine Lösung gefunden. Zum Eingang des großen Modekaufhauses baute am Mittwoch eine Gerüstfirma einen Fußgängertunnel auf. Am Nachmittag um 15.15 Uhr konnten Kunden wieder das Modehaus betreten. „Alle Beteiligten sind bemüht, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten“, sagt Wirtschaftsreferentin Eva Weber (CSU). Doch nicht alle Einzelhändler sind zufrieden.

Julius Molnar betreibt im Salewahaus, das sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet, einen Lotto-Laden. Er sagt, zu ihm und in die anderen Geschäfte im Haus kämen seit der Sperrung der Bahnhofstraße keine Kunden mehr. „Wir gehen jeden Tag mit leeren Kassen heim“, klagt Molnar. Zwar sei das Salewahaus über die Rückseite zugänglich, aber Kundenverkehr bliebe dennoch aus. Er versteht nicht, warum auf seiner Straßenseite nicht auch ein Tunnel errichtet wurde.

Fußgängertunnel für Bäckerei Knoll in Augsburger Bahnhofstraße

Die Dachteile wurden vorläufig befestigt.
Bild: Bernd Hohlen

Für die Bäckerei Knoll wird am Donnerstag auch ein kleiner Fußgängertunnel aufgebaut. „Wir öffnen am Freitag wieder die Knoll-Station“, sagt Inhaber Johannes Knoll. Es ist aber für alle eine Übergangslösung. Bis voraussichtlich nächsten Mittwoch eben. Verantwortlich, die Schäden am Haus zu beseitigen, ist laut Bürgermeisterin Weber der Hauseigentümer. Die Stadt sei aber unterstützend tätig und kümmere sich um die Sicherung des öffentlichen Raums.

„Als das Ausmaß bekannt wurde, fand ein Abstimmungsgespräch mit dem Hauseigentümer statt. Dabei wurde die Idee mit dem Tunnel erarbeitet und beauftragt“, so die Bürgermeisterin. Die Verantwortung lastet derzeit auf Karl Schmid von der gleichnamigen Hausverwaltung. Er ist als Verwalter für das riesige Gebäude mit dem Dachschaden zuständig. Das Objekt gehört einer großen Eigentümergemeinschaft mit 85 Mitgliedern. Trotz allem Ärger und aller Unannehmlichkeiten spricht Schmid von Glück.

„Gott sei Dank wurden Blechteile des Daches in den Innenbereich auf eine Glaskuppe geweht und nicht auf Fußgänger oder Verkehr in der Bahnhofstraße.“ Er sei sehr froh, dass niemand verletzt wurde. „Alles andere lässt sich beheben.“ Allerdings nicht von heute auf morgen, wie sich gezeigt hat.

Dem ursprünglichen Vorhaben, das aufgeworfene Dach am Montag oder Dienstag noch abzutragen, machten weitere Sturmböen einen Strich durch die Rechnung. Für die Arbeiter seien da gefährliche Situationen entstanden, erzählt Schmid. Deshalb wurde das rund 15 Quadratmeter große Blechteil provisorisch mit Seilen gesichert. Die Hälfte des betroffenen Gebäudes sind Wohnungen, der andere Teil werde gewerblich genutzt.

Hier ist zu sehen, wie Blechteile auf der Glaskuppel im Innenbereich liegen.
Bild: Bernd Hohlen

Orkan "Sabine" richtet hohen Schaden in der Bahnhofstraße an

Über einen Eingang in der Viktoriastraße, einen noch frei zugänglichen in der Bahnhofstraße und über die Tiefgarage kommen die Menschen aktuell in Wohnungen, Büros und Praxen. Das Zinkblechdach habe bis zu dem Orkan keine Sicherheitsmängel aufgewiesen, betont der Sprecher der Eigentümergemeinschaft. Das habe unlängst erst ein Gutachten ergeben. Dennoch war geplant, es demnächst aus Dichtigkeitsgründen Stück für Stück zu sanieren. Orkan „Sabine“ war dann schneller.

Sturmtief "Sabine" hat auch in Augsburg für viel Wirbel gesorgt, wie die Bilder zeigen. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.
35 Bilder
Bilder: So wütete Orkantief "Sabine" in Augsburg
Bild: Silvio Wyszengrad, Ina Marks, Berufsfeuerwehr Augsburg, Bernd Hohlen

Karl Schmid rechnet nun mit einem Schaden im höheren sechsstelligen Bereich. Am Donnerstag wird der Hausverwalter wohl erfahren, welche Folgekosten außerdem anfallen. Da steht nämlich ein Termin mit einem Großschadensgutachter an. „Dabei geht es auch um Dinge wie den Verdienstausfall bei Peek&Cloppenburg oder die Kosten, die wegen der Umleitungen des Nahverkehrs entstehen“, sagt er. Für das Objekt existiere eine Wohngebäudeversicherung und eine Mietausfallversicherung. Erstere greift auch bei Sturmschäden. Zweitere für den Fall, dass ein Objekt nicht genutzt werden kann.

Es ist nicht der erste Sturmschaden, um den sich Karl Schmid kümmern muss. Die Hausverwaltung Schmid verwaltet 30 größere Wohnanlagen in der Stadt, unter anderem auch das Schwabencenter. „Aber so ein heftiger Einzelschaden ist selten.“

Lesen Sie dazu den Kommentar: Dachschaden in der Bahnhofstraße in Augsburg: Die Sicherheit ging vor

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