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Kommentar

13.01.2020

Bahnhofstunnel lohnt sich trotz Widrigkeiten

So sehen die Pläne für den neuen Hauptbahnhof aus.

Angesichts des sich abzeichnenden Wachstums im Westen der Stadt ist die Linie 5 ein verfolgenswertes Projekt.

Es handelt sich noch um eine Spekulation, dass der Bahnhofstunnel 2023 fertig sein könnte, ohne dass er von einer Straßenbahn durchfahren werden kann. Auch wenn es momentan noch zu schaffen ist, spielt die Zeit aber gegen die Stadtwerke. Das ändert nichts daran, dass der Bahnhofstunnel trotz der Mehrkosten und Verzögerungen für Augsburg ein wichtiges und richtiges Projekt ist. Eine Großstadt, die auch in ihrem Umland Wachstum provoziert, braucht gute Verbindungen dorthin. Der nahtlose Übergang zwischen dem Regional- und dem Stadtverkehr erhöht den Komfort und macht es für Pendler aus dem Umland einfacher, aufs Auto zu verzichten. Das wird nötig sein, wenn Augsburg nicht vom Verkehr überrollt werden möchte.

Stadt holen Fehler der Vergangenheit ein

Nichtsdestotrotz holen die Stadt und die Stadtwerke nun Fehler der Vergangenheit ein. Beim Bahnhofstunnel schrieb man im Genehmigungsverfahren pro forma eine Trasse für den westlichen Gleisanschluss in den Antrag, von der klar war, dass sie ohne den Bau einer großen Autostraße nicht funktionieren würde. Nun hat man eine neue Variante gefunden (die geflügelte Lösung über Rosenau- und Hörbrotstraße), die noch nicht genehmigt ist. Gleichzeitig haben Stadtwerke und Stadt mit ihrem Vorgehen beim Bürgerbeteiligungsprozess und ihrem Umschwenken bei den Trassenvarianten bei den Bürgern einen Eindruck der Beliebigkeit hervorgerufen.

Auch die Linie 5 bleibt ein lohnendes Projekt, aller Widrigkeiten zum Trotz. Es müssten Bäume gefällt, es müssten Kreuzungen umgebaut und die Bgm.-Ackermann-Straße abschnittsweise verbreitert werden. Es ist ein gigantischer Aufwand, der aber nicht nur darum nötig ist, um am Ende zwei Tramlinien durch den Bahnhofstunnel fahren lassen zu können.

Die Uniklinik wird einmal 1500 Studenten haben und braucht eine leistungsfähigere Anbindung als die durch die Frauentorstraße zuckelnde Linie 2. Mit etwa 17 Minuten Fahrzeit wäre die Tramlinie 5 nicht schneller als die heutige Buslinie 32, aber pünktlicher. Das ließe sich auch mit Busspuren, die in Augsburg noch Exoten sind, bewerkstelligen. Doch die Tram ist leistungsfähiger, und auch den Platz für die Busspuren in der Ackermannstraße können die Stadtwerke nicht herbeizaubern. Angesichts des sich abzeichnenden Wachstums im Westen der Stadt ist die Linie 5 ein verfolgenswertes Projekt.

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13.01.2020

Der Bahnhofstunnel lohnt sich nie. Zu einem Bruchteil der Kosten wäre es möglich gewesen, die Straßenbahngleise direkt vor das Bahnhofsgebäude zu legen. In der alten Unterführung hätte man genau so Aufzüge und Rolltreppen nachrüsten können, ohne den halben Bahnhof umwühlen zu müssen. Die Suppe, die damals eingebrockt wurde, muss zu Ende ausgelöffelt werden. Mahlzeit!

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13.01.2020

>> Nun hat man eine neue Variante gefunden (die geflügelte Lösung über Rosenau- und Hörbrotstraße), die noch nicht genehmigt ist. <<

Nach meiner Wahrnehmung wird diese Trasse nicht ernsthaft von den Stadtwerken verfolgt - wer seit vielen Jahren keine vernünftigen Bauanträge stellt, bekommt auch nichts genehmigt! Und diese Trasse ist auch nicht wirklich gut, wenn sich jede Tram im Westen des HBF erst mal in die Fahrspuren des Autoverkehrs und den dort üblichen Stau einreihen muss.

Die Linie 5 ist bislang nur eine Vision um den Bahnhofstunnel sinnvoll erscheinen zu lassen und die hohen Kosten und Zuschüsse zu rechtfertigen. Ein ernsthafter Realisierungswille ist weder bei Stadt noch bei den Stadtwerken erkennbar. Das Schattenboxen zur Linie 5 erleben wir ja inzwischen seit dem Bürgerentscheid 2007.

Tatsache ist, dass in Augsburg in Sachen ÖPNV nicht wirklich etwas voran geht und die Fahrgastzuwachs hsl. aus spottbilligen Studentenkarten und dem Bevölkerungswachstum resultiert. Eine Änderung des Modal-Split ist mit den vielen langsamen und unzuverlässigen Buslinien und dem Schikaneeinstieg überhaupt nicht erkennbar. Die Linie 32 steht exemplarisch für einen ÖPNV der einfach niemanden aus dem Auto holt.

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