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Augsburg

15.10.2019

Bald gilt nur noch Tempo 50 auf der Haunstetter Straße

In der Haunstetter Straße muss man bald langsamer fahren – dafür sollen die Ampeln intelligent werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die Stadt senkt das Tempo auf der wichtigen Verkehrsachse in Augsburg aus Lärmschutzgründen. Damit der Verkehr besser fließt, werden die Ampeln umgerüstet.

Autofahrer werden sich in wenigen Wochen auf Tempo 50 statt Tempo 60 auf der Achse Haunstetter Straße, Landsberger Straße und Königsbrunner Straße einstellen müssen. Die Geschwindigkeit soll auf der gut drei Kilometer langen Strecke zwischen dem Berufsschulzentrum auf Höhe Hochfeld und der Stadtgrenze zu Königsbrunn dauerhaft gesenkt werden. Der Stadtrat hatte dies bereits 2016 beschlossen, weil die vierspurige Hauptverkehrsstraße als Lärmschwerpunkt gilt. Jetzt ist auch klar, ab wann es losgeht.

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Ende Oktober wird die Stadt die bisherigen Tempo-60-Schilder abmontieren. Ab dann gilt dort automatisch, wie auf allen innerörtlichen Straßen ohne Beschilderung, Tempo 50. Ob man die Autofahrer in der Anfangsphase noch gesondert auf die neue Regelung hinweisen wird, sei noch nicht geklärt, so Tiefbauamtsleiter Gunther Höhnberg.

Ab Dezember sollen die 18 Ampeln "intelligent" geschaltet werden

Parallel zur neuen Geschwindigkeitsregelung wird die Stadt die Ampeln umrüsten. Sie müssen ab November angepasst an das neue Tempo auf der Straße schalten. Ab Dezember sollen die 18 Ampeln auf der Strecke dann „intelligent“ geschaltet werden.

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Während herkömmliche Ampeln zwischen Schaltprogrammen starr nach Tageszeit wechseln, messen die intelligenten Ampeln die Menge des aktuell fließenden Verkehrs und passen ihr Programm daran an. „Wenn es einen Unfall auf der B17 gibt, dann gibt es mehr Verkehr in Haunstetten. Darauf können die Ampeln reagieren“, so Thomas Gastl, der das Projekt im Tiefbauamt betreut.

Die Stadt hat derartige Ampeln schon in der Innenstadt, an der Friedberger Straße und der Bürgermeister-Ackermann-Straße installiert. Das Ziel: Der Verkehr soll flüssiger laufen. Technisch ebenfalls schon vorbereitet sind die Ampeln auf der Achse Grottenau, Leonhardsberg, Lechhauser- und Neuburger Straße. Auch sie sollen parallel zur Haunstetter Straße im Dezember in den intelligenten Betrieb gehen.

Augsburger Tiefbauamt: Keine grüne Welle

Auf durchgängig „grüne Wellen“ können sich Autofahrer aber nicht freuen, so das Tiefbauamt. Die seien in der Praxis nicht so leicht umzusetzen, wenn etwa Hauptverkehrsstraßen und kreuzende Querstraßen gleichermaßen eine grüne Welle haben. „Zudem hat der öffentliche Nahverkehr Vorrang“, sagt Markus Furnier, der die Abteilung Verkehrstechnik im Tiefbauamt leitet. Man rechne damit, die Kapazitäten einer Straße durch intelligente Ampeln im einstelligen Prozentbereich erhöhen zu können. „Wir können den Stau, der durch viel Verkehr entsteht, nicht verhindern, nur minimieren“, so Furnier. Anfang des Jahres führte die Stadt Probefahrten auf den beiden Strecken durch, um die Fahrzeit zu messen. Das soll im kommenden Januar wiederholt werden, um Fahrzeiten vergleichen zu können. Langfristig, so das Tiefbauamt, strebe man den Umbau aller Haupteinfallstraßen, etwa auch der stauträchtigen Donauwörther Straße, mit „intelligenten“ Ampeln an.

Für die Umrüstung der Haunstetter Straße wird eine knappe Million Euro fällig, wovon Bund und Land den Löwenanteil übernehmen. Ein Teil des Geldes kommt aus dem Diesel-Topf von Bundesregierung und Autoindustrie, der nach dem Bekanntwerden der Grenzwert-Tricksereien eingerichtet worden war.

Die Stadt verabschiedete vor einem Jahr auch einen sogenannten Mobilitätsmasterplan. Das Papier beinhaltet diverse Maßnahmen, mit denen der Verkehr in Augsburg umweltverträglicher gestaltet werden soll. Hier eine Übersicht:

  • Parkleitsystem: Vorgesehen ist ein Parkleitsystem für die Innenstadt, um Parksuchverkehr zu vermindern. Es zeigt freie Parkhauskapazitäten an und soll bis Ende 2020 in Betrieb gehen.
  • Verkehrsmodell: Die Stadt arbeitet an einem detaillierten Verkehrsmodell, das neben privatem Autoverkehr auch Wirtschafts- und Radverkehr ermittelt. Auch ein Modell zur Innenstadtlogistik ist in Arbeit – Ziel soll sein, dass weniger Lieferwagen herumfahren, beispielsweise durch den Einsatz von Lastenrädern.
  • Park-and-Ride: Noch keine konkreten Ansätze gibt es zur Erweiterung der Park-and-ride-Plätze.Die Stadt will im Zuge des Baus der Linie 5 den Platz in Augsburg-West vergrößern. Ein Baustart für die Tram ist aber noch nicht absehbar. Denkbar sei auch, im Zuge der Verlängerung der Linie 3 nach Königsbrunn den Platz in Haunstetten-West zu vergrößern, etwa durch ein Parkdeck.
  • Radverleih: Auch die Stadtwerke sind beim Masterplan mit mehreren Projekten dabei. Fürs Fahrradverleihsystem sollen demnächst zehn neue Standorte errichtet werden, unter anderem an der Friedrich-Ebert-Straße und am Hochablass. Ziel sind vorerst 40 Standorte mit 200 Rädern.
  • "Ridesharing": Anfang kommenden Jahres soll die Idee, dass interessierte Carsharing-Nutzer Mitfahrgäste via App vermittelt bekommen, mit einer Testgruppe erprobt werden. Das Ziel ist, speziell abends, wenn das Taktangebot dünner wird, Mobilität bereitzustellen.
  • Handy als Ticket: Anfang 2021 soll es einen Test mit interessierten Stadtwerke-Kunden geben. Dabei wird das klassische E-Ticket weiterentwickelt: Geplant ist eine App, die automatisch erkennt, wenn ein Fahrgast ein Stadtwerke-Fahrzeug betritt und verlässt. Aus den Daten wird am Ende der günstigste Preis berechnet. Wann das Modell für alle Kunden freigegeben wird, ist noch offen.
  • Selbstfahrender Bus: Die Idee der Stadtwerke, einen automatisch fahrenden Bus zur Erschließung des Innovationsparks fahren zu lassen, liegt auf Eis. Die Kosten von drei Millionen Euro bei geringer Förderung sind den Stadtwerken zu hoch. In dem Bereich des autonomen Fahrens tue sich momentan so viel, dass das durch das Pilotprojekt erworbene Wissen in fünf Jahren schon wieder veraltet sein werde, so Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg. Die Stadtwerke würden dann ins Thema einsteigen, wenn es alltagstaugliche Konzepte gebe.

Wie unser Autor Stefan Krog das Thema einschätzt: Tempo 50: Für Autofahrer ist das keine Katastrophe

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15.10.2019

Toll, dadurch fahren die Autos langsamer vorbei, der Lärm ist ein wenig weniger, aber länger hörbar..ich komme mir vor, als lebe ich in Schilda. Warum leeren solche Experten nicht lieber Tonnen??

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15.10.2019

Dann dürfte es ja an einer Autobahn auch nicht lauter sein?

Da ist aber wesentlich lauter, obwohl die Autos ganz schnell wieder weg sind!

Erklären Sie uns doch mal ihre Sichtweise!

Sie können jeden Tag aufstehen und Leistung bringen - war heute leider wieder nichts ;-)

https://www.lfu.bayern.de/buerger/doc/uw_36_laerm_strasse_schiene.pdf

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15.10.2019

Für eine deutlich Verschlechterung eine halbe Million Euro ausgeben? Respekt.
Vielleicht haben die Anwohner weniger Lärm aber dafür mehr Abgase. Das nennt sich eine win- win- Situation (Sakasmus).

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15.10.2019

Wenn die selbe Menge an Verkehr durchfließt ist es rein rechnerisch schon gar nicht möglich, dass die Abgasbelastung steigt.

Außerdem ist es (sowohl aus Modellen, als auch aus empirischen Beobachtungen) bestens bekannt, dass sich der Verkehrsfluss bei geringeren Geschwindigkeiten verbessert. Dies wirkt sich dann wiederum positiv auf Abgas und Lärmemissionen aus, da weniger Beschleunigung nötig ist.
Da der Verkehr auf der Haunstetterstr. oft sehr dicht ist, ist das also eine sinnvolle Maßnahme.

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15.10.2019

Hallo Michael.Da bin ich ja gespannt wie die Realität aussehen wird. Normalerweise sinkt die Kapazität einer Straße, wenn man die Geschwindigkeit drosselt. Ich rechne damit, dass es bei Tempo 50 mehr Staus und damit mehr Abgase geben wird. Der Verkehrsfluss verbessert sich nur dann bei geringeren Geschwindigkeiten, wenn man damit verhindert, dass alle am Ende des Staus bremsen müssen.

Ok, auf eine verkehrspolitische Fehlplanung mehr in Augsburg kommt es jetzt auch nicht mehr darauf an.

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16.10.2019

Nein! Die Kapazität einer Straße sinkt nicht, bei Geschwindigkeitsreduktion, das Gegenteil ist der Fall.

Auch hier wieder eine kurze Überlegung: höhere Geschwindigkeit bedeutet höherer Abstand erforderlich. Der Flächenverbrauch pro Auto inkl. Abstand nimmt also zu.

Zur Referenz einfach mal in das Paper der Hochschule Ulm hineinschauen, da wird ein proportionaler Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Kapazität hergestellt (Seite 17)
Die arbeite heißt: „Ermittlung der Kapazität von Straßen durch Fahrzeugmessungen im Verkehrsfluss“, leicht über Google zu finden.

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