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Augsburg

09.03.2015

Banken in Augsburg: Sonderbehandlung für Reiche?

In die Fürst Fugger Privatbank in der Maximilianstraße darf jeder rein. Wer eine Vermögensberatung möchte, sollte aber mindestens eine Viertelmillion Euro mitbringen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Viele Banken in der Region haben spezielle Abteilungen für reiche Menschen. Wie die Experten mit diesen Kunden umgehen und wie sie deren Millionen anlegen.

Die Tür zur Villa öffnet sich nicht für jedermann. Wer hier rein und seine Bankgeschäfte erledigen will, muss das nötige Kleingeld mitbringen. Genauer gesagt: rund eine halbe Million Euro an liquiden Mitteln, also Geld, das er zur freien Verfügung hat.

Für einen Immobilienkauf, eine üppige Anlage oder eine Firmenbeteiligung. Denn in dem repräsentativen Gebäude in der Halderstraße hat eine besondere Abteilung der HypoVereinsbank (HVB) ihren Sitz: Private Banking. Hier werden die wohlhabenden Kunden, meist ganze Familienverbünde, und ihre Millionen betreut.

Wie die HVB bieten auch viele andere Institute in Augsburg – von der Stadtsparkasse bis zur Commerzbank – den Reichen den besonderen Rundum-Service des Wealthmanagements (zu deutsch: Vermögensverwaltung). Private Banking galt bis zur Finanzkrise 2009 als florierender Geschäftszweig. Heute ist für viele Banken die Profitabilität ein Problem. Die Konkurrenz in der Branche sei groß, berichten Insider.

An Kunden scheint es den Instituten in der Region aber nicht zu mangeln. Im Geschäftsgebiet zwischen Donauwörth und Landsberg betreut allein die HVB nach eigenen Angaben etwa 500 bis 600 Familienverbünde, die zum Private-Banking-Kundenkreis gehören. Einige von ihnen haben Vermögen im zweistelligen Millionenbereich, berichtet Jochen Mayr, Leiter des Private Banking.

Die HVB wurde zuletzt ebenso wie die Fürst Fugger Privatbank vom Handelsblatt zur Elite der Vermögensverwalter gewählt. Auch die Privatbank Merck Finck & Co, die im Silbermannpark eine Dependance hat, erhielt die Auszeichnung. Sie wurden mit „summa cum laude“ bewertet – eine Empfehlung, die es deutschlandweit nur für 31 Häuser gibt. In der Fuggerbank in der Augsburger Maximilianstraße ist man stolz darauf, ist man als kleine Privatbank ein Exot in diesem elitären Kreis.

Private Banking: Bei der Fuggerbank geht es schon einmal um zweistellige Millionenbeträge

Prinzipiell darf bei der Fuggerbank jeder ein Konto eröffnen. Um in den Genuss einer Vermögensverwaltung zu kommen, muss man aber ein bisschen mehr auf der hohen Kante haben. „Wenn man in Aktien investieren will, sollte man schon eine Viertelmillion Euro haben“, sagt Vorstandsvorsitzender Hans-Jörg Schreiweis. Gerne auch mehr.

Es seien vor allem Erben, Mittelständler, ehemalige leitende Angestellte oder Vorstände, die der Fuggerbank ihr Geld anvertrauen. Die meisten über 50 Jahre alt. Genaue Zahlen will das Institut nicht nennen. Nur so viel: Es geht zum Teil um zweistellige Millionenbeträge.

Woher die Summen kommen, wird von Geldwäsche-Abteilungen überprüft. Das Geld wird vor allem in festverzinsliche Papiere, Aktien, Gold, Firmenbeteiligungen oder Immobilien investiert – je nach Risikobereitschaft der Kunden. Auch außergewöhnliche Anlagen wie Oldtimer sind möglich. Im Trend lägen Stiftungen. Kunden, die im Stile eines Uli Hoeneß mit ihren Millionen an den Aktienmärkten zocken, seien nicht dabei. „Das gab es früher aber schon“, sagt Mayr von der HVB.

Gefragt ist heute Weitblick: Die Hypo beschäftigt bundesweit rund 500 Mitarbeiter, die sich im Rahmen des Private Banking mit wirtschaftlichen Szenarien beschäftigen, damit bei der Millionenanlage nichts schief geht. Wie entwickeln sich die Märkte? Welche Risiken drohen? Was passiert, wenn der Dollar schwächelt? In Augsburg sind acht Berater und drei Spezialisten im Private Banking für die Hypo tätig.

Auch die Fuggerbank hat zu ihren rund 35 Vermögensverwaltern noch starke Partner im Rücken: die Nürnberger Versicherung als Anteilseigner mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 20 Milliarden Euro und deren Rechnerkapazitäten, die 1200 Kapitalmarkt-Szenarien durchspielen können. Vorstand Schreiweis, der ehemalige Chef-Aktienstratege der Deutschen Bank, managt zudem selbst einen Fonds.

Für Reiche sind Bankangestellte ganz anders erreichbar

Doch im Private Banking geht es um mehr als um die Geldanlage. Der Berater kümmert sich auch um andere Themen, die ihre Kunden beschäftigen: Mal ziehen sie einen Notar zurate, wenn es um ein Testament geht, mal einen Steuerberater, um Erbschaftsfragen zu klären. „Das ist ein Vertrauensgeschäft“, sagt Mayr.

Mit der Beratung, wie sie ein normaler Kunde gewohnt ist, hat das nicht immer etwas zu tun. Man kennt sich, spricht mit dem Banker über Persönliches, erreicht ihn abends auf dem Handy. Und man trifft sich auch mal privat. „Natürlich gibt es Einladungen zur Fuchsjagd oder einer Kutschengala, aber alles in Maßen“, sagt Schreiweis. „Die Kundenbeziehung ist nicht auf normale Banköffnungszeiten beschränkt“, bestätigt auch Mayr.

In der Bankenbranche gilt die Vermögensverwaltung als „Königsdisziplin“. Während im normalen Privatkundengeschäft meist standardisierte Produkte – vom Fonds bis zur Rentenversicherung – vertrieben werden, wird hier die Anlage auf jeden Kunden einzeln zugeschnitten. „Wir wollen nichts verkaufen“, sagt Schreiweis, „wir wollen Vermögen vermehren.“

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