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Konzert

18.08.2014

Barockmusik neu entdecken

Das Ensemble Juilliard415 überzeugt durch seine historische Aufführungspraxis

Die großen Vier der Barockzeit – Händel, Telemann, Vivaldi, Bach – erklangen im ersten von drei Konzerten des Ensembles Juilliard415. Doch in ev. Hl. Kreuz hörte sie das zahlreiche Publikum wie neue Entdeckungen. Auch wenn historische Praxis Standard geworden ist: Die New Yorker wussten dem scheinbar Vertrauten weitere Seiten abzugewinnen, sie anders zu beleuchten. In minimalistischer Streichquartett-Formation traten sie auf: die führenden Juilliard-Geiger Robert Mealy und Cynthia Roberts, Anna Lester (Viola), Michael Unterman (Cello), dazu Traversflöte und ein durch Fagott verstärkter Basso continuo mit Christoph Hammer, dem Initiator der Gastspiele, am Cembalo – alle mit historischem Instrumentarium.

Getuschte Klang-Effekte und heruntergefahrene Lautstärke

Schon in Händels Concerto grosso op. 3/3 wurde durch die sanft flatternde Beweglichkeit der Flöte von Melanie Williams in ihren Solo-Passagen ein im wahrsten Sinn des Wortes frischer Wind gebracht. Die grundsätzlich fast auf piano heruntergefahrene Lautstärke ließ Akzente, die getuschten Klang-Affekte, umso intensiver werden; die langsamen Sätze kamen in gehauchter Noblesse. Die Choreografie des Schluss-Allegros erinnerte an die bizarren, prall-bunten Figurenbilder mittelalterlicher Moriskentänzer. Es folgte, eine Musik-Ära früher komponiert, der Zauber einer Sonate für drei Violinen von Giovanni Battista Buonamente – stimmungsvolles Canzonen-Flair aus der Spätrenaissance.

Barockmusik neu entdecken

Auch zwei Quartette von Georg Philipp Telemann kamen ohne jegliche bürgerlich-biedere Hausmusik-Haltung über die Bühne. Die führende Traversflöte im Quatuor c-Moll schien ihre Melodielinien fast nur anzudeuten, wenn sie durch die hurtigen Skalen huschte, ebenso Violine und das Cello, wenn es die Metrik mit markanter Zärtlichkeit betonte. Ein zweites Quatuor Telemanns mit Fagott und zwei Violinen spielte Allen Hamricks Fagott mit seinen sonoren Klangfärbungen in den Vordergrund: ein Panorama aus tänzerischer Vitalität und – im sich wiegenden Siciliano-Rhythmus – arkadisch träumender Ruhe. Den großen Auftritt absolvierte Bläser Allen Hamrick allerdings in Antonio Vivaldis Concerto F-Dur für Fagott und Streicher. Was sein historisch gebautes Instrument an fast erdig schnarrender, archaisch bebender Tiefe in den wunderbar und wundersam tappenden schnellen Sätzen, im melos-gesättigten Andante wiederum an bernsteinfarbenem Schmelz zauberte, brachte Vivaldis Fantasie zum Blühen. Diese Musik, auch bei Telemann und Händel, ließ Juilliard415 in fast schon beiläufiger Virtuosität geschehen.

Der eloquente Quasi-Flüsterton des Ensembles birgt phasenweise eine gewisse Gefahr der Manieriertheit. So konnte man die Einleitung von Bachs abschließend gespielter h-Moll-Suite BWV 1067 mit den verwirrend verschlungenen Punktierungen etwas atemlos empfinden. Was hingegen mit der brillant entfesselten und lockeren Präzision in den Presto-Intermezzi, den Tanzfigurationen der Bourrées und Polonaisen, und natürlich in der berühmten finalen „Badinerie“ von Flötistin Williams und ihren Kollegen geboten war, begeisterte.

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