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29.07.2010

Bastler, Doktor und Freak

Innenstadt Burkhard Fritsche sitzt im Hinterzimmer seines Ladens. Es riecht nach Klebstoff und Farben. In der Ecke surrt eine Airbrush-Pistole. Der 36-jährige ist konzentriert. Er blickt auf ein schmales, graues Plastikteil auf dem Tisch. "Eine Sitzgarnitur für einen Modell-LKW", erklärt er. Ein Kunde habe das Teil bestellt. Der Modellbauer greift zu einem Spachtel, presst ihn fest gegen das Ersatzteil. Kaum etwas, was Burkhard Fritsche nicht schon einmal in Auftrag hatte. "Sogar ein russisches Flugzeugmodell aus den 50er Jahren sollte ich mal reparieren", sagt er stolz.

Der Traum vom eigenen Laden

Fritsche arbeitet seit sieben Jahren als Modellbauer. Den Laden am Milchberg hat er vor einem Jahr eröffnet. "Eine Art Modellbauersatzteillager", sagt der Ladenbesitzer.

Eigentlich kommt er aus Leipzig. 1995 ist er nach Augsburg gezogen. "Ich hab hier als Signaltechniker angefangen", erzählt er. Erfüllt habe ihn das nicht. Immer zu blieb der Traum vom eigenen Modellbaugeschäft. Heute hat er sich auf gerade einmal 40 Quadratmetern diesen Traum erfüllt. Links und rechts in den Regalen stehen hunderte kleiner Kisten mit Schrauben, Aufklebern und Modellbaukästen. "Ich kenne jedes einzelne Teil", sagt er. Das wissen auch die Kunden zu schätzen. "Ich mag Burkhards Leidenschaft" , sagt der 54-jährige Karl-Heinz Müller. Und Christian Reiter ergänzt: "Er macht einfach jede Spezialanfertigung!"

Bastler, Doktor und Freak

Abwechslung fasziniert den Geschäftsmann

Der 43-jährige hält ein großes, weißes Wikingerschiff in der Hand. "Die Ersatzruder passen nicht", erklärt er dem Verkäufer. Burkhard Fritsche nickt bestimmt, greift sich das Modell und verschwindet im Hinterzimmer. Ein paar Minuten später kommt er wieder. "Die sind verbogen. Ich mach dir neue Ruder", sagt er. Bis morgen früh seien sie fertig. "Die Abwechslung ist es, die mich so fasziniert", erklärt Fritsche. Jeden Tag habe er ein anderes Modell auf dem Tisch. "Ein bisschen fühl ich mich wie der Modellbaudoktor", erzählt Fritsche. Denn er macht wirklich alles mit der Hand. Er formt die Teile, schraubt an neuen Plastikmotoren, entwirft die Aufkleber. "Einmal wollte jemand auf einem VW-Bus den Namen seiner Frau stehen haben - eingearbeitet in eine Palme", erzählt der Modellbauer. Das sei dann natürlich schon aufwendig, aber mache auch jede Menge Spaß. Die außergewöhnlichen Wünsche seien die spannendesten. "Ich habe eben eine kleine Enklave für Modellbauverrückte", sagt Fritsche. Sechs Tage Woche steht er in seinem Laden, tüftelt und bastelt in seiner Werkstatt, mischt neue Farben und liebt seinen Beruf: "Ich bereue keinen Tag hier zu sein", sagt er. Nur ein Wermutstropfen bleibt: seine persönlichen Lieblingsmodelle baut er kaum noch. "Dafür habe ich einfach keine Zeit."

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