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Augsburg

13.05.2020

Bau von fast 400 Wohnungen beim Hauptbahnhof gestoppt

Knapp 400 Eigentumswohnungen hätten auf diesem Areal der ehemaligen Ladehöfe nahe dem Hauptbahnhof entstehen sollen. Nun hat die Immobilienfirma das Projekt vorerst auf Eis gelegt.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Das Projekt „Augusta“ beim Hauptbahnhof wird auf Eis gelegt und neu geplant. Die Corona-Krise ist wohl nicht der einzige Grund für den Baustopp.

Ein großes Immobilienprojekt in Augsburg wird auf Eis gelegt. Die Firma Instone plante, in der Nähe des Hauptbahnhofs in den kommenden Jahren fast 400 neue Eigentumswohnungen zu bauen. Der Verkauf war angelaufen, das Baufeld vorbereitet. Nun bestätigt das Unternehmen Informationen unserer Redaktion, wonach es den Vertrieb für das Projekt „Augusta“ vorerst gestoppt hat und die Bauarbeiten ruhen.

Instone hat Grundstücke mit einer Gesamtfläche von rund 14.000 Quadratmetern auf den früheren Ladehöfen erworben. Das börsennotierte und bundesweit tätige Unternehmen will in der Nachbarschaft zum Augsburger Hauptbahnhof 395 Wohnungen vor allem für Singles und Kleinhaushalte bauen. Das Großvorhaben mit einem geplanten Veräußerungsvolumen von 130 Millionen Euro wurde im Herbst vergangenen Jahres in den Medien offensiv angekündigt. Baubeginn sollte noch 2019 sein. Die Fertigstellung der ersten Wohnungen war in der ersten Jahreshälfte 2022 vorgesehen. Nun ist alles anders. Auf der Baustelle bewegt sich nichts mehr. Nach Informationen unserer Redaktion wurden erste Kaufverträge mit Kunden sogar rückabgewickelt. Der Investor nennt dafür Gründe.

Projekt "Augusta": Kaufverträge rückabgewickelt

„Aufgrund der aktuell unsteten Marktsituation verschiebt Instone Real Estate das Wohnbauprojekt Augusta in Augsburg bis auf Weiteres“, sagt der Niederlassungsleiter Bayern, Joachim Häsler. Der Vertrieb für das Neubauvorhaben sei ausgesetzt. Kaufverträge könnten aktuell nicht fortgesetzt werden. Um den Kunden verlässliche Termine der Fertigstellung und Übergabe der Wohnungen zusichern zu können, seien Rückabwicklungen notwendig gewesen.

Häsler erklärt diesen ungewöhnlichen Schritt mit den Folgen der Corona-Krise. Bis zum Beginn der Pandemie sei der Verkauf gut gelaufen. Doch dann sei das Interesse an den kleinen Wohnungen im Westteil des Quartiers deutlich zurückgegangen. „Die Auswirkungen der Krise konnten auch wir nicht komplett ignorieren“, so der Niederlassungsleiter.

Wie es mit dem Projekt "Augusta" in Augsburg weitergeht

Nach seiner Einschätzung gibt es weiterhin eine Nachfrage von Kunden insbesondere für den Ostteil des Quartiers. Dort sollen rund 120 größere Wohnungen entstehen, etwa für Familien. Diese Planung werde nun vorgezogen.

Das Unternehmen wolle sich dafür die nötige Zeit nehmen und das Wohnquartier „Augusta“ dann in Gänze auf dem Markt vorstellen. Häsler sagt, Instone sei weiterhin von der hohen Qualität des Projekts und des Standorts überzeugt. An der Planung, auf den ehemaligen Ladehöfen nahe dem Augsburger Hauptbahnhof mehr als 300 Wohnungen zu errichten, ändere sich nichts. Bei Instone gehe man auch davon aus, dass Augsburg weiterhin ein attraktiver Wohn- und Investitionsstandort sei.

Was Experten zur Entwicklung des Immobilienmarkts sagen

In der heimischen Immobilienbranche sorgte die überraschende Entscheidung des Investors für Aufsehen. Immerhin geht es um die Frage, wie sich die Geschäfte mit Wohneigentum in Augsburg in Zeiten von Corona weiter entwickeln. Immobilienspezialist Andreas Klein von der Stadtsparkasse beobachtet aktuell eine gewisse Verunsicherung auf dem Markt für Wohneigentum: „Keiner weiß, was mit den Preisen und mit der Konjunktur passiert.“ Gefühlt stellt er einen Rückgang der Nachfrage von rund 30 Prozent bei Eigentumswohnungen fest.

Vor allem institutionelle Anleger und Kapitalanleger seien vorsichtiger. Für sie sei derzeit nicht klar, ob sie hohe Kaufpreise durch entsprechende Mieten refinanzieren können, wenn sich die Wirtschaftslage in Deutschland durch die Corona-Krise verschlechtert. Klein sagt, neue Höchstpreise seien auf dem Augsburger Markt derzeit nicht zu erzielen, kleinere und preisgünstigere Vorhaben würden dagegen weiterhin gut laufen.

Wohnen: Projekt „Augusta“ hätte in Augsburg Höchstniveau erreicht

Das Projekt „Augusta“ hätte aus Sicht von Branchenkennern in Augsburg ein Höchstniveau beim Preis erreicht. Laut Immobilienportal Immoscout hätten Käufer mehr als 8000 Euro pro Quadratmeter bezahlen müssen. Instone wollte auf Anfrage zunächst keinen Preis nennen und spricht nun von einer Größenordnung von 7000 Euro pro Quadratmeter. „Wir bieten hochwertig ausgestattete, kompakte Wohnungen mit Teilmöblierung dem Markt an“, so ein Sprecher. Üblich sind bei Augsburger Neubauprojekten derzeit 6000 bis 6500 Euro.

Mark Dominik Hoppe, Geschäftsführer der städtischen Wohnbaugruppe, sagt zur aktuellen Lage: „Augsburg ist ein sehr interessanter Immobilienmarkt. Daher rechnen wir hier weiter mit konstant hoher Bautätigkeit.“ Alle Baustellen würden derzeit weiter betrieben. Die Nachfrage am Kauf- und Mietmarkt sei weiterhin hoch. Aber auch er meint: „Eine Bereinigung wird es möglicherweise in dem Bereich geben, der wirtschaftlich als riskant zu bewerten ist, also wenn es um Spitzen-Quadratmeterpreise geht.“ Hier dürften sich auch die Banken zurückhaltender in der Finanzierung zeigen, so Hoppe.

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14.05.2020

In Augsburg wurde schon immer viel verpennt. Der freigewordene Ladehof würde die einmalige Chance bieten, die Tram aus Göggingen über den Hauptbahnhof zu führen, (Natürlich nicht durch den Tunnel :-). Die Kaiserhof- Kreuzung am Königsplatz könnte durch eine Spange zwischen Gögginger Brücke und Hauptbahnhof entlastet werden. Beinahe wäre dieser wertvolle Verkehrskorridor durch überteuerte Eigentumswohnungen zugenagelt geworden. Vielleicht werden ja jetzt die Karten neu gemischt und irgendeiner, der etwas bewegen könnte, liest diese Idee.

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14.05.2020

Nun gibt es also in Augsburg eine zentrumsnahe Wüste.
Beim Darüberfegen wird der Wind dort wahrscheinlich mehr Feinstaub aufwirbeln, als der Straßenverkehr in 10 Jahren erzeugt. Aber Feinstaub ist ja der Panikmacher von Vorgestern.

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13.05.2020

Das ist der "Vorteil" (wenn man das so nennen darf) von Corona, dass der überhitze Immobilienmarkt etwas abgekühlt wird.
Es ist ja nicht mehr nachvollziehbar, wenn in einer Stadt wie Augsburg Preise von € 7.000 - 8.000 pro qm verlangt werden, die Mietrendite ist da für Anleger uninteressant, da sie sich durch Mieten nicht mehr finanzieren lassen. Wer kann und will schon für eine kleine Wohnung von 50-60 qm kalt ca. € 800 - 1.000 / Monat Miete bezahlen.

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13.05.2020

War's das jetzt mit Preisen aus Wolken-Kuckucksheim? 7000 Euro/ Quadratmeter waren auch schon zuvor durch Mieten nicht wirtschaftlich zu refinanzieren. Die großen Immobilienunternehmen werden sich wohl wieder auf München, Frankfurt, London konzentrieren - das sollte unserer schönen kleinen Stadt nicht schaden.

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