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Augsburg

13.12.2019

Baudenkmal: Einmaliges Experiment bei der Sanierung der „Alten Schmiede“ in Augsburg

Die Alte Schmiede am Milchberg ist ein außergewöhnliches, aber schwieriges Baudenkmal. Der Eigentümer legt die Sanierung in die Hände von Studenten. Mit im Team sind Carmen Herrmann, Amanda Natterer und Max Kling (von links).
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Die Alte Schmiede am Milchberg ist ein außergewöhnliches, aber schwieriges Baudenkmal. Der Eigentümer legt die Sanierung in die Hände von Studenten. Mit im Team sind Carmen Herrmann, Amanda Natterer und Max Kling (von links).
Bild: Bernd Hohlen

Plus Der private Hausbesitzer setzt auf eine ungewöhnliche Lösung. Wie Studenten der Hochschule Augsburg und ihr Professor das leer stehende historische Gebäude sanieren und neu beleben.

Die schweren eisernen Schmiedezangen hängen noch fein säuberlich aufgereiht über der riesigen Feuerstelle. So als ob gleich heute das nächste Pferd beschlagen werden soll. Der Hufschmied in der „Alten Schmiede“ am Milchberg ist aber schon lange nicht mehr am Werk. Das historische Anwesen unterhalb von St. Ulrich stand viele Jahre leer. Jetzt kommt neues Leben ins Haus. Der Eigentümer wagt ein Denkmal-Experiment, das in Augsburg und weit über Augsburg hinaus einmalig sein dürfte: Er legt die Sanierung in Hände von Studenten.

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Student Max Kling und seine Kommilitonen vom Sanierungsteam der Fakultät für Architektur und Bauwesen an der Hochschule Augsburg freuen sich sehr auf die ungewöhnliche Herausforderung. Denn die Alte Schmiede ist nicht irgendeines der vielen Augsburger Baudenkmäler. Sie steht an einer exponierten Stelle im Ulrichsviertel. Und sie ist ein geschichtsträchtiger Ort. Das Anwesen gehörte ursprünglich zum Kloster St. Ulrich und Afra. Schon 1184 soll die Hufschmiede in einer schwäbischen Chronik erwähnt worden sein.

Eigentümer will keine Bauträger-Lösung

Auch bei der Stadt hat man ein Auge auf das historische Gemäuer. Fachleute sagen, es gebe nur wenige andere Baudenkmäler, in denen heute noch so viel originale Substanz erhalten geblieben ist, ohne dass in neuerer Zeit mit Renovierungen eingegriffen wurde. In der Alten Schmiede gibt es allerdings auch ein großes Problem. Seit Langem steht sie leer, weil in den unsanierten Räumen niemand mehr dauerhaft wohnen oder arbeiten kann. Eigentümer Bernhard Heilmann hat das Gebäude von seinen Großeltern geerbt. Er kann es alleine aber nicht soweit instand setzen, dass er „normale“ neue Mieter finden würde. Zwar hatte er Angebote von Kaufinteressenten. Aber verkaufen will er nicht. Denn ein Bauträger würde das historische Gebäude so konsequent modernisieren, dass er es möglichst gewinnbringend vermarkten kann, aber von Denkmal nur noch die Hülle übrig bleibt.

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Heilmann sagt, sein Ziel sei, die Alte Schmiede in Familienbesitz zu halten und zu einer „kleinen Perle“ zu machen. Nun gehe es darum, eine finanziell überschaubare Lösung für eine neue, verträgliche Nutzung zu finden. Dafür arbeitet er mit Studenten der Hochschule und deren Professor Christian Bauriedel zusammen. Es ist ein außergewöhnliches Experiment. Gerade beginnt es, Gestalt anzunehmen.

Feuer lodert wieder in der großen Esse

Das große Ziel der Studenten aus dem Studiengang Energieeffizientes Planen und Bauen beschreibt deren Betreuer Bauriedel so: „Wir wollen das Gebäude mit wenig Geld Denkmal gerecht instand setzen und ganzjährig nutzbar machen.“ Angestrebt sei, dass man sich in den Räumen heute wohlfühlen kann und trotzdem die Geschichte des Gebäudes überall spürbar und sichtbar bleibt. Passanten am Milchberg konnten am Donnerstagabend zum offiziellen Auftakt des Projektes eine Premiere erleben: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten öffnete sich in der Alten Schmiede das Eingangstor. Es gab den Blick auf die historische Werkstatt mit der Esse frei, in der ein Feuer loderte.

Das Sanierungs-Experiment für das Augsburger Baujuwel hat viele ungewöhnliche Facetten. Der Plan sieht so aus, dass eine Gruppe von Studenten erst einmal einige Zimmer im Gebäude in Eigenregie provisorisch herrichtet, aber immer in enger Absprache mit der Denkmalpflege. Im Gegenzug überlässt der Eigentümer den Studierenden die Zimmer für einen begrenzten Zeitraum mietfrei als Arbeits- und Projekträume.

Die ersten Veränderungen im Gebäude sind bereits zu sehen. Student Max Kling und seine Mitstreiter haben es entrümpelt. Dann legten sie in früheren Wohnräumen im ersten Stock die historischen Dielen-Böden frei und strichen die Wände mit reversibler Kalkfarbe. Ein Originalfenster wurde innen mit Isolierglas ergänzt, um einen Wärmeschutz für die Räume zu testen.

Schöne bauliche Details im Bilderrahmen

An einigen Stellen zeigt der studentische Sanierungstrupp exemplarisch, welche architektonischen und gestalterischen Details in der Alten Schmiede zu finden sind: Malereien mit floralen Mustern, Wandkonstruktionen mit Holzbalken und Haselruten oder Schichten von Wandputz über die Jahrhunderte hinweg. Solche besonderen Stellen sollen in Bilderrahmen zum Hingucker werden, auch für Besucher im Haus. Das vorläufige Renovierungsergebnis beschreiben die Studenten als „Werkstätten-Look“. Die Materialkosten für die Räume lagen bisher bei 600 Euro.

Mit im Team ist auch Amanda Natterer. Sie ist freiberufliche Bauforscherin und schließt derzeit ein Denkmalpflege-Studium in Bamberg ab. Sie sagt, „wir haben die Räume denkmalpflegerisch untersucht und dokumentiert und dabei auch ein großes öffentliches Interesse bemerkt“. Viele Passanten seien im Zuge der Arbeiten vorbeigekommen und hätten mehr über das Gebäude und seine Geschichte wissen wollen.

Wird daraus ein offizielles Hochschulprojekt?

Professor Bauriedel und sein Team könnten sich eine neue Nutzung für die Alte Schmiede gut vorstellen, während die studentische Sanierung in Schritten voranschreitet: unten im Parterre öffentliche Räume für Ausstellungen, Vorträge und Schulungen und oben studentische Arbeitsräume für verschiedene Fakultäten der Hochschule sowie eine Gründer-Schmiede.

Ob aber aus dem „gelebten Studium“ im Bereich Bauwesen ein offizielles Projekt der Hochschule Augsburg werden könnte, ist noch offen. Eigentümer Heilmann hofft, dass es mit einer Zusammenarbeit klappt. Er meint, „das wäre für die Studenten und das Haus wohl die beste Lösung“.

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