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Augsburg

14.04.2019

Baupfusch in Augsburg? Eine Anklage bricht in sich zusammen

Am Augsburger Amtsgericht wurde nun ein Fall um vermeintlichen Baupfusch verhandelt.

Eine Seniorin aus Augsburg beklagt sich über aufdringliche Handwerker. Sie erstattet Anzeige, es kommt zu einem Prozess. Doch am Ende stehen drei Freisprüche.

Einen „Riesenpfusch“ und „verheerend“ nannte die Geschädigte die Renovierungsarbeiten an ihrem Haus. Weil sie aber selbst die Arbeiter beauftragt hatte und ein Strafgericht nicht über die Qualität von Bauarbeiten urteilt, wurden jetzt drei Angeklagte vor dem Augsburger Amtsgericht vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen.

Ja, sie habe Anzeige bei der Polizei erstattet, weil sie mit der Qualität der Arbeiten nicht zufrieden gewesen sei. In gewisser Weise habe sie sich überrollt gefühlt, schilderte die heute 72-jährige Augsburgerin der Richterin. Sie räumte aber ein, die Arbeiten selbst beauftragt zu haben. Auch als man ihr eröffnete, dass es mit anfänglich genannten 2600 Euro nicht getan sei, sondern dass 4600 Euro fällig würden, habe sie das hingenommen: „Dann kostet es halt so viel“, habe sie sich gedacht und die Rechnung bezahlt. Als sie aber die Qualität der Arbeiten gesehen habe, sei sie entsetzt gewesen.

Die Handwerker boten der Augsburgerin Ausbesserungsarbeiten an

Es war im April 2017, da klingelte es bei der Seniorin an der Tür. Eine damals 60-jährige Frau bot der Geschädigten Ausbesserungsarbeiten an der Garagenwand und einem Mäuerchen an. Mit dabei: ein jetzt mitangeklagter 53-jähriger gelernter Artist und ein dritter Mann, inzwischen verstorben. Nicht dabei: ein jetzt mitangeklagter 26-jähriger Messerschleifer, der mit den beiden anderen Angeklagten in Dillingen wohnt. Man wurde handelseinig, die Auftraggeberin war mit den ersten Reparaturen zufrieden.

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Bald schon tauchte die Firma wieder bei der Frau in Lechhausen auf. Das Hofpflaster bedürfe doch dringend einer Reinigung. Das sah die 72-Jährige nicht so. Sie bat aber, doch einmal einen Blick auf die Keller-Außentreppe zu werfen, von der aus es nach Regenfällen manchmal im Keller feucht werde. Nein, genauer habe sie die nötigen Arbeiten mit den Bauarbeitern – voran der Mitangeklagten – nicht abgesprochen. Mit ihrer Aussage jetzt vor Gericht zog die Geschädigte der Anklage quasi den Boden unter den Füßen weg.

Bei ihren früheren Einvernahmen durch die Polizei hatte sich das Ganze für die Beamten schlimmer angehört. Es war der Verdacht entstanden, der Seniorin sei von der Firma zumindest die Sanierung an der Außentreppe aufgedrängt, sie sei überrumpelt, betrogen worden. Da passte es für Richterin Ulrike Ebel-Scheufele ins Bild, dass der 26-jährige Angeklagte überhaupt nicht mit der Angelegenheit zu tun hatte, lediglich die Wohnanschrift mit den beiden anderen Angeklagten teilte.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg plädierte auf Freispruch

Auf Anregung der Richterin und nach kurzer Beratung hielt die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe nicht weiter aufrecht und plädierte für dreimal Freispruch. Keine Frage, dass das voll und ganz dem Ansinnen von Verteidiger Florian Engert entsprach, der die heute 61-jährige Angeklagte vertrat. Weil seine Mandantin niemanden zu etwas gedrängt habe, die Auftragserteilung es gegenüber ihren Mitstreitern in der Firma hingegen an Konturschärfe habe mangeln lassen, forderte auch er Freispruch.

Das sah dann auch die Richterin in ihrem Urteilsspruch so. Die Geschädigte habe laut ihrer aktuellen Aussage vor Gericht die Arbeiten selbst beauftragt. Auch wenn sie jetzt mit der Erledigung unzufrieden sei, sei strafrechtlich aber weder den beiden an den Arbeiten Beteiligten noch dem dritten, unbeteiligten Angeklagten, etwas vorzuwerfen. Also: Freispruch.

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