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01.07.2010

Begegnung im schwierigen Land

Die Krippe aus Olivenholz sieht aus wie alle Schnitzereien aus dem Heiligen Land. Wenn da nur die Mauer nicht wäre, die sich als Sperrwall zwischen die Heilige Familie und die anbetenden Hirten einstecken lässt. Christian Artner-Schedler hat sie aus Bethlehem mitgebracht als Souvenir einer Begegnungs- und Solidaritätsreise der Augsburger Bistumsgruppe von Pax Christi.

Sie wollten die aktuelle Situation im Spannungsfeld zwischen Israel und Palästina kennenlernen und auf Menschen treffen, die sich mit Hass und Unversöhnlichkeit nicht abfinden, sondern Friedensarbeit leisten. "Wir hatten bereits Kontakte zu Partnern am Ort", berichtet Barbara Emrich, die Sprecherin der Bistumsgruppe. So kamen die 17 Teilnehmer auch sechs Tage in palästinensischen Familien unter, wo sie aus erster Hand einen Eindruck vom Leben unter erschwerten Bedingungen erhielten. Wasser ist dort ebenso knapp wie Arbeit, sodass frühmorgens viele Araber am Checkpoint nach Israel anstehen und ergeben eine Willkürbehandlung auf sich nehmen. "Man konnte schier nicht hinschauen", so Emrich.

Demonstration am Sperrwall

Wie schnell es zu Gewalttätigkeiten kommt, erlebte die Pax-Christi-Gruppe im Dorf Belin im Westjordanland. Es liegt nahe an den Sperranlagen, die Hälfte des Bauernlands wurde ausgegrenzt, der Ort kämpft um die Rückgabe. Jeden Freitag findet eine Demonstration mit pfiffigen Aktionen statt. Auch die Augsburger machten mit, mussten allerdings vor Tränengas von der anderen Seite fliehen. Im "Zelt der Nationen" von Daoud Naser erlebten sie ebenfalls die Willkür der Besatzung: Übers Wochenende sollte der arabische Friedensaktivist, der seine Landrechte seit 1917 schriftlich belegen kann, alle Gebäude abreißen. Pax Christi verständigte die Deutsche Vertretung in Ramallah, die allerdings schon Bescheid wusste.

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In Jerusalem springt in solchen Fällen das israelische Komitee gegen Häuserdemolierung ein. Es hilft Palästinenserfamilien, ihre Bleibe wieder herzustellen, die amtlich abgebrochen wurde, weil sie wegen ungünstiger Gesetze zwangsläufig ungenehmigt erweitert worden ist. Mit ihnen traf die Pax-Christi-Delegation ebenso zusammen wie mit Eltern aus Israel und Palästina, die sich in ihrer Trauer um ein Kind, das wegen des Konflikts starb, unterstützen und Friedensarbeit leisten.

Der Mathematik-Professor Jost Eschenburg, Sprecher der Bistumsgruppe, sondierte mit den Kollegen der Universität Birzeit, wo auch die Augsburger Friedenspreisträgerin Sumaya Farhat-Naser lehrt, Möglichkeiten der wissenschaftlichen Zusammenarbeit. "Uns ging es darum, die Friedenskräfte auf beiden Seiten zu stärken", so Eschenburg.

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