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Augsburg

26.09.2015

Behinderte beraten Behinderte

Roland Vogl, der seit einer Viruserkrankung querschnittgelähmt ist, berät Menschen, wie sie mit ihrer Behinderung umgehen können.
Bild: Foto: Andreas Schwarzbauer

Menschen mit Handicap bekommen Unterstützung von Beratern, die im Rollstuhl sitzen. Einer von ihnen erzählt aus dem Alltag

Sich aufzugeben stand für Roland Vogl nie zur Debatte. Der 55-Jährige ist seit 20 Jahren querschnittgelähmt und 24 Stunden am Tag auf seinen Behinderten-Assistenten angewiesen. „Ich hätte auch einfach die Rente kassieren können, doch das wollte ich nicht“, sagt der Rollstuhlfahrer.

Roland Vogl hat mit 37 Jahren ein Studium zum Sozialarbeiter angefangen. Heute berät er Menschen, wie sie lernen können, mit ihrer Behinderung umzugehen. Er ist einer von drei Mitarbeitern des neuen „Peer Counseling“ des Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), das letzte Woche gestartet hat. „Peer Counseling“ meint übersetzt die Beratung durch den gegenseitigen Austausch von Personen, die in einer ähnlichen Lebenssituation sind. Es handelt sich um Berater, die als Sozialpädagogen oder Sozialarbeiter selbst ein Handicap haben und andere körperbehinderte Menschen kostenlos beraten.

55-Jährige hat einen Schicksalsschlag durchlebt

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Vogl sieht in dem Konzept klare Vorteile: „Wenn ein Fußgänger im Beratungszimmer sitzt, was will der mir sagen? Der weiß gar nicht, wie das ist.“ Der 55-Jährige hat einen Schicksalsschlag durchlebt, wie ihn auch viele seiner Klienten erfahren mussten. Der ehemalige Masseur und Bademeister ist mit 35 Jahren nach einer Viruserkrankung im Rückenmark über Nacht querschnittgelähmt. Er habe das Glück, einen tollen Reha-Mitarbeiter gehabt zu haben, erzählt Roland Vogl. Dieser habe ihn motiviert, Soziale Arbeit zu studieren, um dann im Rollstuhl anderen Menschen helfen zu können, die Ähnliches erlebt haben. Es sei sehr wichtig, die richtigen Menschen um sich herum zu haben, die einen begleiten, motivieren und nicht nur bemitleiden. Das ist auch sein Ziel beim „Peer Counseling“.

„Ich möchte Menschen mit Behinderung die Möglichkeiten zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft aufzeigen, die ihnen vielleicht noch gar nicht bewusst waren.“ Dabei dient der 55-Jährige selbst als Vorbild. Er arbeitet 20 Stunden die Woche im Bereich der Behindertenhilfe.

Somit ist er nicht auf Sozialhilfe oder Rente angewiesen. Vogl beschönigt nichts: Er habe auch mal schlechte Tage, an denen er mit seinem Handicap nicht so gut umgehen kann. Dann vermisse er Kleinigkeiten, wie barfuß auf einem Rasen zu laufen, sagt er. „Man weiß erst, was man hat, wenn man es nicht mehr hat.“ Um diese Probleme soll es auch beim „Peer Counseling“ gehen. Ziel ist ein Netzwerk aus „Persönlichen Unterstützern“, in dem sich die Menschen trotz ihrer Handicaps gegenseitig motivieren.

Kontakt Die Gespräche finden momentan in den barrierefreien Räumen des ASB in der Schillstraße 208 statt, und zwar mittwochs von 16 bis 18 Uhr sowie freitags von 11 bis 13.30 Uhr. Ab 14. Oktober ist die Behindertenhilfe des ASB in der Werner-Haas-Straße 2. Interessierte können sich unter Tel. 0821/74907970 oder per Mail (peercounseling@behindertenhilfe-augsburg.de) informieren.

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