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Premiere

07.02.2014

Bei der Uraufführung ein Skandal

Johanna Schall inszeniert Brechts sehr selten gespieltes „Lehrstück“ im Barbarasaal

Entspannt Zurücklehnen geht bei diesem Stück nicht. „Das Publikum ist als handelnde Person an der Aufführung beteiligt“, schrieb Paul Hindemith im Vorwort seiner Komposition zu Brechts „Lehrstück“, das 1929 beim Baden-Badener Musikfest uraufgeführt worden ist. Auf die Fragen des Chores haben die Zuschauer immer wieder eine Antwort zu singen. Auch im Barbarasaal, wo am Sonntag (18 Uhr) und Montag (11 Uhr) das „Lehrstück“ im Rahmen des Brechtfestivals unter der Regie von Johanna Schall aufgeführt wird.

„Wir hoffen auf reges Mitsingen“, sagt der musikalische Leiter Geoffrey Abbott. Über ein halbes Jahr hat sich der Dozent am Leopold-Mozart-Zentrum (LMZ) der Universität mit dem sehr selten gespielten „Lehrstück“ beschäftigt. Brecht hatte es als Gegenposition zu seinem Radiolehrstück „Lindberghflug“ geschrieben. Mit dessen Schlusschor „Bericht vom Fliegen“ steigt es ein. Statt um einen Helden der Luftfahrt geht es jedoch um einen abgestürzten Piloten. Das „Lehrstück“ untersucht, ob der Fortschritt der Technik der Menschheit genützt hat. Der Flieger muss sterben, letztlich ist der Einzelne ein Niemand. Das Stück blieb Fragment, was Abbott gerade „unheimlich reizvoll“ findet. Bis zuletzt sei der Text ihm rätselhaft. „Es gibt überhaupt keine Lösungen, sondern nur Fragen.“

Zu sehen ist im Barbarasaal die Urfassung, die 1929 heftigste Proteste in Baden-Baden ausgelöst hatte und nie mehr aufgeführt werden sollte. Den Text schrieb Abbott aus der Partitur heraus, es gibt keine Edition und ebenso wenig eine Plattenaufnahme. Getragen wird das „Lehrstück“ von Hindemiths Musik. Spröde sei sie und gar nicht expressiv. „Wie bei Bach laufen Text und Musik eigenständig parallel“, so Abbott.

Er hat Benedikt Bader (Tenor) und Wolfgang Wirsching (Bariton) als Solisten engagiert, dazu das Junge Vokalensemble Schwaben unter Leitung von Andrea Huber, das sich schon 2011 bei der Augsburger Aufführung von Brechts „Maßnahme“ hervorragend bewährt hatte. Das Streichensemble, verstärkt um Flöte, Klarinette, Horn und Fagott, formierte Abbott im LMZ, als Fernorchester auf der Empore spielt das Jugendblasorchester Neusäß. Die derb-drastische Clownsszene, deretwegen bei der Uraufführung Tumult aufkam, spielen die Schauspielerinnen Sonja Hilberger und Marlen Ulonska. Herrn Schmitt, dem dritten Clown, dem nacheinander Füße, Arm und Kopf abgesägt werden, stellt eine Puppe dar. Zur Verdeutlichung werden sie auch „ein paar schöne Details“ spielen und die komplexen Chortexte nachsprechen.

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