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Geschichte

30.04.2015

Besiegt, besetzt oder befreit?

Im Unteren Fletz des Rathauses schaut sich Karl Augart eine Ausstellung zum Kriegsende in Augsburg an.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Stadt gedenkt des Einmarsches der Amerikaner im Jahr 1945, mit dem der Zweite Weltkrieg endete – und der Festredner schafft dabei auch Raum für einen kritischen Blick zurück

Die 3. US-Infanteriedivision hatte einen weiten Weg hinter sich, als sie am 28. April 1945 in Augsburg einmarschierte. Sie war an der alliierten Landung in Nordafrika beteiligt, kämpfte sich durch das faschistische Italien, über Südfrankreich, die Vogesen und Straßburg bis zum Rhein. Am 20. April 1945 befreiten die Soldaten nach einem zweitägigen Häuserkampf Nürnberg, konnten innerhalb einer Woche Augsburg, Dachau, München und schließlich den Berghof Hitlers bei Berchtesgaden einnehmen. „Es war eine große Leistung der Augsburger Bürger, ihre nationalsozialistische Führung zu isolieren und die Stadt zu übergeben“, erklärt Monika Stoy, Vorsitzende der Internationalen Sektion des Soldatenverbandes dieser Division. Etwa 400 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und der Augsburger Glaubensgemeinschaften verfolgten im Goldenen Saal die öffentliche Gedenkstunde zum Kriegsende vor 70 Jahren. Ihnen stellte Stoy die Veteranen Robert Dutil und John Miller vor, die als junge Männer unter jenen Soldaten waren, die von Oberhausen aus in Augsburg einrückten.

Auch Oberbürgermeister Kurt Gribl erinnerte zum Auftakt der Feier, die das Streichorchester des Gymnasiums bei St. Stephan stimmungsvoll begleitete, an die Augsburger, die den Einmarsch ermöglichten. Er benannte jedoch zudem die Schuld, die auch die Augsburger Gesellschaft auf sich geladen und mit der sie ihre „Gefangenschaft selbst gestaltet“ habe. William E. Moeller, Generalkonsul der USA, plädierte in seinem Grußwort für den Blick auf die politischen Erfolge Deutschlands: „Vom Völkermord an sechs Millionen Juden zur Demokratie – wir sind stolz darauf, ein Teil dieses Prozesses gewesen zu sein!“

Festredner Dietmar Süß, Geschichtsprofessor für Neuere Geschichte der Universität Augsburg, bremste die Stimmung. Er rollte die unrühmliche Geschichte der deutschen Erinnerungskultur selbst noch einmal auf. Der „Befreiung“ wurde bis zum Jahr 1985 als „Niederlage“ gedacht, wenn überhaupt. Für die etwa 15000 Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter und überlebenden KZ-Insassen in und um Augsburg waren die Soldaten zwar „Befreier“. Die anderen fühlten sich jedoch eher von Siegern „besetzt“. „Man wollte nicht über Täter und Profiteure reden. Erst 40 Jahre nach Kriegsende begannen die Deutschen, eine Schuldperspektive zu akzeptieren und auch die verschiedenen verfolgten Gruppen wie Homosexuelle und Kommunisten als Opfer des Nationalsozialismus anzuerkennen.“

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