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Augsburg

22.12.2015

Bestatter streiten mit Stadt wegen neuer Sarg-Kontrolle

Die Bestatter streiten mit der Stadt Augsburg.
Bild: Anne Wall

Eine neue Kontrolle von Särgen, die nach auswärts überführt werden sollen, sorgt für Ärger. Kommen auf die Hinterbliebenen zusätzliche Kosten zu?

Wenn es um Verstorbene geht, stehen normalerweise Pietät und Würde im Vordergrund. Doch nun sorgt eine neue Vorschrift der Stadt Augsburg für Ärger. Ab 1. Januar müssen Bestatter, die Leichen nach auswärts überführen wollen, die sogenannte „Vorfahrtspflicht“ erfüllen. Das bedeutet, dass ein städtischer Mitarbeiter im Westfriedhof vorher überprüfen muss, ob alle Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Überführung erfüllt sind.

Bei Bestattern stößt die neue Vorschrift der Stadt auf erbitterten Widerstand. „Wir werden sie in dieser Form nicht akzeptieren“, kündigt die Sprecherin heimischer Bestattungsunternehmen, Anita Ponzio, an. Über den Bayerischen Bestatterverband wurde eine Rechtsanwältin eingeschaltet. Diese hat die Stadt schriftlich aufgefordert, die Anordnung vorläufig auszusetzen. „Um langwierige Konfrontationen und die Häufung von Problemfällen zu vermeiden“, solle die neue Vorschrift anders ausgestaltet werden, heißt es in dem Schreiben.

Kritik an den Details

Laut Ponzio wehren sich die Bestatter nicht generell gegen die Vorfahrtspflicht. Das wäre auch nicht möglich, denn sie ist eine gesetzliche Regelung. Ponzio kritisiert jedoch zahlreiche Details, die von der Stadt festgelegt wurden. Unzumutbar seinen beispielsweise die eingeschränkten Zeiten, an denen die Bestatter am Westfriedhof vorfahren können. Dies könne zu regelrechten „Staus“ führen. Weiter beanstanden die Bestatter, dass im Westfriedhof keine ausreichenden Räumlichkeiten und Kühlkapazitäten vorhanden seien, um Särge dort vorübergehend unterzubringen. Die gesamte Abwicklung könne nicht pietätvoll funktionieren.

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Insbesondere bei Todesfällen kurz vor dem Wochenende oder an Feiertagen könnten auf Angehörige außerdem hohen Zusatzkosten bis zu 300 Euro zukommen, warnt Ponzio. Denn dann müssten Verstorbene für mehrere Tage im Friedhof untergebracht und gekühlt werden, bevor am Montag die vorgeschriebene Kontrolle stattfinden kann.

Die Bestatter hegen auch den Verdacht, dass die Stadt durch die hohen Zusatzkosten das eigene Krematorium besser ins Geschäft bringen will. Dort seien Einäscherungen teurer als beispielsweise im Krematorium in Kissing.

Stadt: Wir beharren darauf

Umweltreferent Erben kündigt an, dass die Stadt auf der Vorfahrtspflicht bestehen wird. Diese sei nicht nur gesetzlich vorgeschrieben. Eine entsprechende Satzung sei auch vom Stadtrat beschlossen worden. Erben, der fürs Friedhofswesen zuständig ist, kann den Ärger der Bestatter nicht ganz nachvollziehen. Bei rechnerisch voraussichtlich sieben Überführungen pro Woche seien wohl keine Staus am Westfriedhof zu erwarten. Das Kühlungsproblem betreffe vor allem die Sommermonate. Es seien aber ausreichende Kapazitäten an Augsburger Friedhöfen vorhanden. Erben zufolge kann es in Augsburg auch keinen 24-Stunden-Service bei der Vorfahrtspflicht wie in München geben. Dort würden Defizite im Friedhofswesen vom Allgemeinen Haushalt übernommen. Die Augsburger Friedhofsverwaltung müsse kostendeckend arbeiten.

Erben räumt jedoch ein, dass das Augsburger Krematorium „gerade so wirtschaftlich arbeitet“. Eine Folge der neuen Vorfahrtspflicht könne sein, dass es besser ausgelastet werde. Voraussichtlich ist eine Einäscherung in Augsburg dann der einfachere Weg.

Der Referent verweist jedoch darauf, dass Hinterbliebene schon jetzt im Kissinger Krematorium „ähnlich hohe Gebühren“ zahlen würden wie in Augsburg.

Im schlimmsten Fall drohen Bußgelder

Mit Blick auf die Bestatter sagt Erben, man sei im Gespräch. Wenn es Schwierigkeiten am Westfriedhof geben sollte, werde die Stadt reagieren. Er betont aber auch: Sollten die Bestatter die Vorfahrtsplicht boykottieren, werde es Bußgelder geben.

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