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Weltbild

20.08.2015

Betriebsrat von Weltbild greift Investor Droege an

Die Auseinandersetzung um die Perspektiven der Weltbild-Logistik wird immer schärfer. Gewerkschaft Verdi attackiert Droege. Vorwurf: Er bereichere sich an der Allgemeinheit.

Der Machtkampf um die Zukunft der Weltbild-Logistik , die jetzt unter dem Namen Also Logistics firmiert, tobt immer härter. Vertreter der Arbeitnehmer haben gestern die Aussagen der Unternehmensführung scharf kritisiert, wonach Betriebsrat und Gewerkschaft zu keinen Verhandlungen bereit seien. Es sei Unsinn, wenn die Führung der Also-Holding behaupte, Betriebsrat und Gewerkschaft würden die Zukunft der Logistik durch „irrationalen und destruktiven Widerstand verspielen“.

Der neue Mehrheitsgesellschafter Walter Droege habe bei seinem Einstieg um die wirtschaftliche Lage gewusst. Klaus Warbruck, Wirtschafts-Sachverständiger des Betriebsrats, sagt in einer Reaktion: „Es bestand Einigkeit mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft und dem Insolvenzverwalter Herrn Geiwitz darüber, dass die Logistik unterausgelastet ist. Aus dieser Unterlast resultiert das Kostenproblem und aus nichts anderem. Deshalb wurde das Personal in der Logistik vor der Übergabe an Droege um 50 Prozent reduziert.“ Dies sei für den Betriebsrat und die Gewerkschaft ein sehr schmerzhafter Schnitt gewesen. Hat Weltbild eine Zukunft?

Also Holding will nochmal 300 Stellen abbauen

Nach den aktuellen Aussagen der Also-Holding soll das Personal mit derzeit 450 Mitarbeitern nochmals um 300 Stellen abgebaut werden. Für Betriebsrat und Gewerkschaft ist dieser Schritt nicht gehbar. Peter Fitz, Vorsitzender des Betriebsrats, erinnert an zurückliegende Verhandlungen in den letzten Monaten: „In der Einigungsstelle haben die Vertreter von Droege konkrete Vorschläge schriftlich vorgelegt, darunter einen Interessenausgleich, in dem ein Stellenabbau von 150 Stellen in der Logistik detailliert beschrieben ist und einen Sozialplan, der dem Tarifsozialplan von 2014 entspricht. Das war der Verhandlungsstand nach der ersten Sitzung der E-Stelle Mitte Juli.“ Er hätte, so sagt Fitz, die Möglichkeit einer vernünftigen Einigung geboten. Stattdessen habe es die Arbeitgeberseite in der Einigungsstelle auf ein Scheitern der Verhandlungen angelegt.

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Wöchentlich kamen neue Forderungen

Ende Juli war für Also Logistics Insolvenz angemeldet worden. Verdi-Vertreter Timm Boßmann – er ist Betriebsgruppensprecher bei Weltbild/Also – erläutert: „Aus unserer Sicht lässt dieses destruktive Verhalten nur einen Schluss zu: Herr Droege will sich mit uns nicht einigen, darum chaotisiert er die Verhandlungen und wird immer dann aktiv, wenn Ergebnisse sichtbar werden. Bis heute kam kein einziger konstruktiver Vorschlag aus Düsseldorf, sondern ausschließlich Störfeuer.“

Alle Verträge, die man vor der Übernahme mit Droege geschlossen habe, um den Weg der Sanierung verbindlich zu beschreiben, habe der Mehrheitsgesellschafter gebrochen. Boßmann: „Nichts wurde eingehalten, aber im Wochenrhythmus kamen immer neue Forderungen aus Düsseldorf. So führt man keine Verhandlungen, wenn man ein Interesse an einer Einigung hat.“ Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck, kommentiert die aktuelle Entwicklung drastisch: „Der Milliardär Walter Droege bereichert sich auf Kosten der Allgemeinheit. Durch die Planinsolvenz wälzt er die Lohnkosten auf die Arbeitsagentur und die Sozialversicherungsträger ab. Die Beschäftigten und der Steuerzahler sollen Millionen-Gewinne in Düsseldorf finanzieren. Dagegen wird sich die Gewerkschaft Verdi weiterhin mit allen Mitteln stemmen.“

Dolores Sailer, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats von Weltbild, äußert sich ähnlich: „Die Krokodilstränen, die hier produziert werden, sind unverschämt angesichts der Erbarmungslosigkeit, mit der Herr Droege Hunderte Familien der schnellen Gewinnabschöpfung seiner Investition opfert. Wir, MitarbeiterInnen und Interessenvertretung, sind gleichermaßen fassungslos, mit welcher Kaltschnäuzigkeit ein milliardenschwerer Unternehmer Existenzvernichtung im großen Stil betreibt.“

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