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Vernissage

21.11.2019

Bilder aus junger und alter Hand

Anne-Rose Niederhammer und Ruth Wörner (vorne) leiteten den Workshop, in dem zusammen mit Mittelschülern diese Bilder entstanden.

Im Mehr-Generationen-Treffpunkt sind Seniorinnen mit Mittelschülern kreativ

Grau ist es, etwas frisch auch – ein trister Novembernachmittag in der Schillstraße. Im Mehr-Generationen-Treffpunkt (MGT) sieht es an diesem Donnerstag aber ganz anders aus. Schon die bunten Ballons an der Hofeinfahrt lassen vermuten, dass hier etwas Besonderes los ist. Drinnen macht sich gerade die Bläserband der Grund- und Mittelschule Firnhaberau für ihr Begrüßungsstück bereit.

Ein wenig zappelig stehen ihr rund zwanzig Mitschüler gegenüber. Auch Erwachsene sind da. Häppchen liegen auf Servierplatten aus. An den Flurwänden hängen mit Bedacht arrangiert viele Bilder, die mit kleinen Namensschildern versehen sind. Sieht aus wie bei einer Vernissage. Sieht nicht nur so aus, sondern es ist auch eine.

Die Bilder sind in einem gemeinsamen Projekt des Mehr-Generationen-Treffs und der Mittelschule Firnhaberau entstanden. Insgesamt acht Schüler haben sie zusammen mit vier Seniorinnen geschaffen. Und heute werden sie bei einer feierlichen Vernissage Klassenkameraden und Freunden des Treffpunkts präsentiert.

Initiiert hat das die ehemalige Leiterin des Treffs und Hobbykünstlerin Anne-Rose Niederhammer. Seit Jahren schon bietet sie einmal im Monat im Treffpunkt einen Kreativworkshop an. Nun sollte mal ein Workshop zusammen mit Schülern stattfinden. „Ich habe dann unsere langjährige ehrenamtliche Helferin und Künstlerin Ruth Wörner gefragt, ob sie Lust hätte, so einen Kurs mit mir zu leiten, und sie war gern dabei.“ Zwei weitere regelmäßige Teilnehmerinnen des Kreativworkshops schlossen sich dem Vorhaben an. „Am Ende waren wir dann vier ‚Alte‘ und acht Schüler.“ Der Altersunterschied sei während des Workshops gar kein Thema gewesen: „Am Anfang haben uns die Schüler gefragt, wie alt wir eigentlich sind, und damit hatte sich die Sache dann.“

Unterstützt wurde das Projekt von der Eva-König-Köberle Stiftung. „Wir unterstützen die künstlerische und musikalische Förderung von Grund- und Mittelschülern in Bayerisch-Schwaben. In den letzten zehn Jahren haben wir rund 100000 Euro für verschiedenste Projekte bereitgestellt“, sagt der Stiftungsvorsitzende Friedrich Geiger. Das Projekt des Mehrgenerationentreffs hätte der verstorbenen Künstlerin und Lehrerin Eva König-Köberle wohl besonders gefallen, denn sie war „selbst ein Kind der Firnhaberau“, wie Geiger erzählt. Die Stiftung kam für die benötigten Materialien wie Farben, Papier, Folien und Acrylplatten auf. Die jungen und alten Künstler wendeten nämlich ein besonderes Druckverfahren für die Erstellung ihrer Werke an. Erst seien alle mit Pinseln oder Walzen auf den Platten zu Werk gegangen; dann kamen Schaber und andere Gegenstände für diverse Muster zum Einsatz. „Am Ende haben wir dann das Papier drauf gedrückt“, erzählt die zwölfjährige Sude, „und das Bild war fertig.“ Sie war eine der acht Teilnehmer der Mittelschule. „Malen und Zeichnen seien ihre Hobbys, sagt sie noch, deshalb habe sie sich in der Klasse gleich gemeldet, beim Projekt mitwirken zu wollen.

Wie es ihr gefallen habe mit den älteren Damen?: „Gut“ sagt sie spontan. Alles sei super erklärt worden, bevor sich die Schüler kreativ und ohne Vorgaben ausleben durften. Sudes Inspiration waren „der Frühling“ einerseits, aber auch „dunkle Farben“ andererseits. So entstand ein Bild mit leuchtend weißen Pusteblumen auf schwarzem Grund. Die Projektteilnehmer hatten insgesamt eineinhalb Stunden Zeit, konnten währendessen Verschiedenes ausprobieren und auch mehrere Bilder drucken. Das Ergebnis ist eine vielseitige Sammlung mit unterschiedlichsten Werken. Anne-Rose Niederhammers Fazit: „Es war unser Ziel, dass sich Junge und Ältere gemeinsam kreativ austoben und einfach Spaß haben. Das haben wir auf jeden Fall geschafft.“

Dem Namen nach ist der Treffpunkt ein Ort, an dem verschiedene Generationen zusammenkommen, sich austauschen, voneinander lernen, Freude haben. Die Realität sieht anders aus – noch. „Es sind vor allem Senioren, die unsere verschiedenen Angebote besuchen“, sagt Gitti Kurz, die Leiterin des Treffs. Das könne einerseits daran liegen, dass die meisten Veranstaltungen vormittags oder am frühen Nachmittag stattfinden. Und andererseits daran, dass sie vor allem ältere Leute ansprechen. Auf dem Programm stehen Angebote wie ein Spielenachmittag oder ein Schlagersingkreis.

Das Kunstprojekt mit Schülern war ein erster Schritt hierfür. „Wir hatten neulich auch einen Töpferkurs, bei dem vom Studenten bis zum Rentner alles da war“, erzählt Kurz. Es gehe aber nicht ohne ehrenamtliche Helfer. Man brauche Menschen, die Freude daran haben, tolle Sachen anzubieten, die junge und alte Leute ansprechen. Aber die seien wirklich rar. „Wer sich bei uns einbringen will, ist herzlich willkommen.“

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