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Ausstellung

08.06.2017

Bilder voller Stimmungen und Rätsel

Ruprecht von Kaufmann posiert vor dem größten Bild in der Galerie Noah: „In der Nacht“ verbindet sich mit dem Bildtitel „Zwei“ von Uta Reinhardt zur Namensgebung dieser Ausstellung.
Bild: hks

„Zwei in der Nacht“ verbindet Ruprecht von Kaufmann und Uta Reinhardt in der Galerie Noah

Noch gar nicht so lange zurück liegt die Zeit, da der Gegenstand, die Figur von der Bildfläche verschwunden, um nicht zu sagen verbannt war. Erinnerlich wird sie durch Antworten wie diese, die jetzt Ruprecht von Kaufmann (Münchner Jahrgang 1974) in der Augsburger Galerie Noah auf die Frage gab, warum er nach dem Abitur zum Kunststudium nach Los Angeles in die USA gegangen sei: Weil damals an deutschen Hochschule kaum figürlich gemalt werden konnte und durfte.

Leipzig bildete die mittlerweile gerühmte Ausnahme (Leipziger Schule, Neue Leipziger Schule). Und es wirkt sinnfällig, dass Ruprecht von Kaufmann an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) von 2012 bis 2014 eine Professur für anatomisches Zeichnen ausübte.

HGB-Protagonist Neo Rauch ist in der Galerie Noah geläufig: Sein Lehrer Arno Rink stellte hier aus, ebenso seine Frau Rosa Loy, ebenso seine letzte Meisterklasse. Aus deren Kreis kehrt nun Kathrin Thiele mit einer Serie autonomer Landschaften in die Galerie zurück. Diese gibt sich also gerne als Leipziger Schaubühne. Und auf ihr kann Ruprecht von Kaufmann mit seinen geheimnisvollen Szenarien, zumal seinen Nachtstücken, sehr gut mithalten.

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„Zwei in der Nacht“ heißt die Ausstellung, wobei diese Namensgebung zwei Bildtitel zusammenführt: den Titel „In der Nacht“ von Ruprecht von Kaufmann – hier das mit 2,30 auf 4,20 Meter größte Gemälde – und den auf ein Menschenpaar bezogenen Titel „Zwei“ von Uta Reinhardt. Diese 1966 in Bielefeld geborene Künstlerin war schon 2008 und 2010 bei Gruppenausstellungen der Galerie Noah zu sehen. Nun tritt sie mit ihren pastosen und lavierenden Ölbildern deutlicher in Erscheinung. Und wieder gibt es ein übergreifendes Seherlebnis, denn Uta Reinhardt lernte an der Braunschweiger Kunsthochschule bei Hermann Albert, dem die Galerie Noah schon vor etlichen Jahren eine umfassende Einzelschau gewidmet hatte. Seine massive Form- und Farbgebung hat Uta Reinhardt ins Blasse und Zarte ausgefiltert. Mit Ruprecht von Kaufmann verbindet sie das Erzählerische ihrer Malerei, die reduzierte Farbpalette, das Rätsel der Bilder, ein gewisses Unbehagen bei deren Betrachtung. „Das Unheimliche“ hieß 2009 eine Gruppenausstellung in Kaufmanns Wohnort Berlin mit seiner Beteiligung. Unheimliches stellt sich jetzt auch in Augsburg ein – sei es beim „Trapezakt“ durch den Blick in die Tiefe, sei es bei „In der Nacht“ durch das breite Panorama eines gruseligen Schiffsdecks. Was passiert dort mit der irrlichternden Gestalt im Steuerhaus? Was mit dem toten Hai in der Ladeluke? Was mit dem in der Nachgeburt verfangenen Fohlen? Was mit dem seltsamen Reiter, der vom Pferderücken in den Nachthimmel mit dem einzigen (gelben) Farbflecken des Bildes starrt? Er möchte dessen Zauber nicht zerreden, meint Kaufmann. Es sei besser, der Betrachter erobere sich das Bild selbst. Eine „Wagnersche Stimmung“ sei unverkennbar. Und er verhehle nicht, dass er die Melancholie der deutschen Romantik im Blut habe.

Uta Reinhardt konnte bei der Vernissage nicht zu ihren Bildern befragt werden. (Sie hält sich als Stipendiatin in den USA auf.) Dabei gelten ihre Arbeiten als eine fragende Malerei und deren Figuren als Teil einer symbolischen Sprache, die sich schwer erschließt. Zum Beispiel „Flamingo“: Auf diesem großformatigen Gemälde schauen zwei Menschen von der Höhe eines Balkons angestrengt hinab, der eine auf die Brüstung gestützt, der andere mit dem Fernrohr auf einer Leiter stehend. Was sie sehen, bleibt dem Bildbetrachter verborgen. Nach Meinung eines Interpreten grenzen solche Mal-Akte Uta Reinhardts an „unterlassene Hilfeleistung“.

Es ist schon seltsam: Der so lange dominanten abstrakten Malerei wurden solche „Sanitärdienste“ nie abverlangt. Warum dann solchen Stimmungsbildern, die real erscheinen und das Reale traumhaft, magisch, imaginär in Zweifel ziehen, wie das bei Uta Reinhardt und Ruprecht von Kaufmann der Fall ist? Wie Letzterer sagte: Der Ausstellungsbesucher muss selbst die Antwort finden – sie muss ja nicht so unmissverständlich sein wie die Slogans auf aktuellen T-Shirts.

von Ruprecht von Kaufmann und Uta Reinhardt zeigt die Galerie Noah (Glaspalast) bis 23. Juli (Di-Do 11-15 Uhr, Fr-So 11-18 Uhr). Begleitend sind Landschaften von Kathrin Thiele im Studio der Galerie zu sehen.

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