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Natur

25.09.2013

Biotope unter der Stromleitung

Bild: Nicolas Liebig

Der Landschaftspflegeverband entwickelt Flächen unter den Leitungen im Auftrag der Augsburger Lechwerke. Der Dienstleister empfiehlt das Projekt zur Nachahmung

 Wie man wertvolle Heiden wieder zum Leben erweckt, damit hat Nicolas Liebig, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg (LPV), große Erfahrung. Am Landesamt für Umwelt beispielsweise wurde auf den neuen Außenanlagen Mähgut der Lechheiden ausgebracht – und siehe da, in kürzester Zeit flatterten über den Magerrasen Idas-Bläulinge, eine typische Wildflussart, und Himmelblaue Bläulinge.

In den „Lechauen Nord“, einem Landschaftsschutzgebiet im Norden der Großstadt, läuft seit zehn Jahren ein vergleichbares Projekt. Das stellte Liebig gestern bei der Tagung „Ökologisches Trassen-Management“ der Akademie für Natur und Landschaftspflege und des Landschaftspflegeverbands in Augsburg vor: Unter der Stromleitungstrasse der Lechwerke (LEW) konnte ein Biotopverbund hergestellt werden.

Die ökologisch wertvollen Brennen, das sind Extremlebensräume für Spezialisten, waren in den letzten 60 bis 70 Jahren stark zugewachsen. Büsche und Sträucher hatten sich auf dem kiesigen Untergrund angesiedelt und die für den Flussschotter typischen Arten verdrängt. „90 Prozent der Brennen waren fast verloren“, sagt Liebig. Der Landschaftspflegeverband ging deshalb 2001 auf die LEW zu und bot an, die Flächen durch Mahd und Beweidung dauerhaft offenzuhalten. Der Stromversorger war einverstanden.

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2011 sanierten die Lechwerke dann die Masten. Für die Baumaßnahme musste der Stromversorger einen ökologischen Ausgleich leisten. So wurden weitere Bereiche entbuscht und Sträucher mit den Wurzeln entfernt. Zutage kamen kiesige Flächen, eine Art Kiesbänke, wie sie der wilde Lech hinterlassen hat. Die Lechwerke übergaben sie dem Landschaftspflegeverband, der dort Magerrasen entwickelte. Die Brennen in dem Landschaftsschutzgebiet „Lechauen Nord“ sind wieder gewachsen: von zwei Hektar im Jahr 2001 auf heute zehn Hektar.

Mähgut der Lechheiden auf dem Fluss-Schotter ausgebracht

Wie schon beim Landesamt für Umwelt wurde auf dem freigelegten Fluss-Schotter Mähgut verschiedener Lechheiden ausgebracht. „In zwei Jahren hat sich eine tolle Vegetation entwickelt“, sagt Liebig. Es blühen Sonnenröschen, Kreuzenzian und das Tausendgüldenkraut. Schnell flog der Kreuzenzian-Ameisenbläuling ein. Die Leitungstrasse ist zu einem Lebensraum für Lechheiden-Bewohner geworden. Liebig zeigt dieses Beispiel, dass man für den Artenschutz viel erreichen kann, „wenn alle an einem Strang ziehen“. In diesem Fall der Trassenbetreiber LEW, der ein innovatives Planungsbüro engagiert hatte.

Der Augsburger Landschaftspflegeverband sieht sich als Dienstleister. Er ist seit 15 Jahren vor Ort und bietet seine fachliche Kompetenz. Liebig hofft, dass auch andere Trassenbetreiber solche Kooperationen eingehen wie die LEW. Landschaftspflegeverbände gibt es in Schwaben überall und Stromleitungen auch. „Ziel ist es, beide zusammenzubringen.“ Denn die Leitungstrassen bergen landauf landab ein riesiges Potenzial für den Artenschutz und den Biotopverbund.

Die Lechwerke sind vom ökologischen Trassen-Management, das sie bereits an mehreren Standorten zwischen Iller und Lech praktizieren, überzeugt. Die Nutzung der Flächen unter den Stromleitungen sei eine Win-Win-Situation für Grundeigentümer, Leitungsbetreiber und den Naturschutz, sagt Stefan Huggenberger. Durch ein naturschutzfachliches Konzept könnte die Pflege einfacher werden.

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