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Augsburg

04.04.2021

Bischof Bertram an Ostern: "Im Garten Gottes ist nichts und niemand gering"

In der Osternacht wurde im Hohen Dom in Augsburg das Osterlicht verteilt.
Foto: Annette Zoepf, pba

Bischof Bertram Meier bezeichnet an Ostern die Kirche trotz Pandemie als Biotop der Hoffnung. Auch für Stadtdekan Michael Thoma hat "das Leben das letzte Wort".

Das Gartengrab Jesu als Bühne für das Osterfest: Bischof Bertram Meier hat am Ostersonntag von der Auferstehung als Freudenfest der Christenheit gepredigt. So sei das biblische Motiv des Gartens auch als Ermunterung an die Kirche zu verstehen: „Wo Leben ist, wirken wir einladend.“ Oster- und Oktoberfest lägen so weit nicht auseinander, sagte der Bischof im Augsburger Dom: „Beide Feste finden im Freien statt, mitten in der Natur: das Oktoberfest auf der Theresienwiese, das erste Osterfest in einem Garten vor den Toren Jerusalems. Ostern ist ein Gartenfest.“

Der Bischof bezeichnete Jesus als "Gärtner des Lebens", der den Menschen den Zugang zum Garten Eden neu eröffnen und damit den Sündenfall Adams rückgängig machen wolle: „Jesus ist der neue Adam, der Gärtner, dem es nicht um sich selbst geht, sondern nur um den Willen Gottes. Der Gottessohn schlage mit seiner Auferstehung nicht nur ein neues Kapitel auf, er wende das Blatt wie ein Stück Erde. „Sühne und Schuld werden umgegraben“, sagte Bischof Bertram und zitierte den frühneuzeitlichen Philosophen Blaise Pascal: „In einem Garten ging die Welt verloren, in einem Garten wurde sie erlöst.“

Doch gelte freilich auch: „Es gibt kein Paradies auf Erden.“ Dies gelte auch für die Kirche. „Ich finde, dass unser Bistum – trotz Pandemie - ein echtes Biotop der Hoffnung ist“, betonte der Bischof. Wie in einem blühenden Gartenbiotop sei auch die Kirche von Augsburg Heimat für den christlichen Glauben in seiner ganzen reichen Vielfalt.

Bischof Bertram: "Glaube kann sich unterschiedlich artikulieren"

„Biotop heißt Vielfalt der Arten und Charaktere. Monokulturen sind langweilig. Wer sich auf uns einlässt, dem wird es nicht langweilig, der kommt nie zur Ruhe“, so Bischof Bertram Meier. Alle Menschen sollten in der Kirche erleben, wie vielfältig und unterschiedlich sich Glauben, Hoffen und Lieben, artikulieren könnten. „Im Garten Gottes ist nichts und niemand gering. Vor ihm darf sich jeder und jede sehen lassen“, sagte der Bischof. Im Bistums-Biotop solle der Reichtum des Lebens blühen: „Wo Leben ist, wirken wir einladend.“

Der Gottesdienst wurde live aus dem Hohen Dom übertragen und konnte auch in den regionalen Sendern a.tv und Allgäu-TV verfolgt werden. Musikalisch wurde die Festmesse von den Domsingknaben und den Solistinnen und Solisten der Dommusik begleitet.

Auch die Osternacht zuvor war live auf der Bistumshomepage und in a.tv übertragen worden. In seiner Predigt dort deutete Bischof Bertram Meier Ostern als kollektives Hoffnungszeichen, dass es „trotzig und frech“ zu feiern gelte.

Die Protestanten feierten den zentralen Festgottesdienst am Ostersonntag in St. Anna als Präsenzveranstaltung oder holten ihn sich wegen der pandemiebedingten Einschränkungen als Online-Version nach Hause. Stadtdekan Michael Thoma thematisierte in seiner Predigt auch das Thema Corona. "Zurzeit habe ich den Eindruck: der Lockdown ist das Allheilmittel. Nur mit ihm ist dem Virus Herr zu werden. Mal auf, mal zu – dann wird es schon." Doch das mache mürbe, zehre an den Kräften, ermüde.

Stadtdekan Thoma: "Das Leben hat das letzte Wort"

Zunehmend werde die Frage nach der Verhältnismäßigkeit laut. Die Antwort darauf falle auch ihm nicht leicht, so Thoma. Da gelte es abzuwägen, alles Menschlich-Erdenkliche zur Bekämpfung der Pandemie zu veranlassen – und vor allem beide Gesichtspunkte nicht außer Acht lassen: Den Schutz vor Infektion und damit die physische Gesundheit. "Und darüber die Seele nicht vergessen. Einsamkeit ist ein nicht zu vernachlässigender Gesichtspunkt. Hier geht es auch um Gesundheit: psychische Gesundheit.

Die Protestanten feierten den zentralen Festgottesdienst am Ostersonntag in St. Anna.

Der Stadtdekan spannte in seiner Predigt den Bogen vom Auszug nach Ägypten über den Kreuzestod Jesu bis zur Gegenwart. "Meiner Beobachtung nach dominieren im Augenblick Reaktionen wie Flucht, Verleugnung, Verweigerung, Resignation, Rückzug, offene Aggression, bittere Vorwürfe an Verantwortliche. Es lädt sich Druck auf vielfältige Weise ab. Doch das hilft kaum weiter."

Ostern zeige uns, dass auch nach katastrophalen Ereignissen, nach dem Zerbrechen von Lebensentwürfen, Lebensträumen und Hoffnungen, nach dem Ende einer Geschichte, der Satz gelten könne: "Manche Geschichten fangen mit dem Tod erst an. Fürchtet euch nicht - auch wenn wir nicht wissen was kommt. Das Leben hat das letzte Wort - nicht das Leid, der Tod sind das Ende." Die Geschichte mit Gott zeigt laut Thoma: "Es gibt einen Weg, denn Gott selbst wird immer wieder handeln." (AZ,bau)

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