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Augsburg

25.04.2015

Bleibt Juliane Votteler Intendantin beim Augsburger Theater?

Bleibt Juliane Votteler Theater-Intendantin in Augsburg?
Bild: Fred Schöllhorn

2017 endet der Vertrag der Theater-Intendantin in Augsburg. Vieles spricht für die weitere Zusammenarbeit mit Juliane Votteler. Doch es gibt auch Gegenargumente.

Nach außen hin herrscht wieder normaler Betrieb: Vergangenes Wochenende gab es zwei Premieren am Theater, am 30. April steht mit „Playboy“ eine Uraufführung auf dem Spielplan. Hinter den Kulissen jedoch geht das Ringen um die Sanierung weiter. Eine Lösung, wie das 235-Millionen-Projekt finanziert werden könnte, zeichnet sich laut Kulturreferent Thomas Weitzel nach wie vor nicht ab.

Die Stadtregierung würde die Frage des Umbaus gerne losgelöst von einem anderen wichtigen Thema diskutieren: Wer wird das Theater künftig leiten? Der Vertrag mit Intendantin Juliane Votteler läuft noch bis Juli 2017. Ein Signal, wie es danach weitergehen soll, müssen beide Seiten aber bereits diesen Sommer aussenden. Die Zeit also drängt – die zwei Themen werden sich damit wohl nicht ewig voneinander trennen lassen.

Einige Stadträte halten dies auch nicht für sinnvoll: Die inhaltliche Ausrichtung des Hauses hänge nun einmal von dessen Leitung ab, sagt Volker Schafitel ( Freie Wähler). Auch andere halten es für den richtigen Weg, Personalie und Sanierung bald und gemeinsam zu besprechen. Bislang, heißt es quer durch alle Fraktionen, sei die Intendanz jedoch kaum Thema gewesen. Und wenn, werde eine Vertragsverlängerung innerhalb der Parteien und Gruppierungen durchaus unterschiedlich gesehen.

Juliane Votteler hält sich selbst bedeckt

Juliane Votteler selbst hält sich bedeckt, was ihren Wunsch nach einem weiteren Fünfjahres-Vertrag betrifft. Seit 2007 ist sie Intendantin, sie hat bereits einmal verlängert. Als vor einigen Wochen auf der Brechtbühne die Sanierungspläne vorgestellt wurden, fragte ein Besucher, ob man während der Umbauphase mit ihr rechnen dürfe. Votteler reagierte zurückhaltend: Wichtig sei, dass die Sanierung vorankommt. Alles weitere werde sich zeigen.

Aus Insiderkreisen jedoch ist zu hören, dass die 54-Jährige ihre Position in Augsburg sehr wohl behalten möchte. Auch nach außen vermittelt Votteler diesen Eindruck: Bei der Vorstellung des neuen Spielplans sprach sie auch Pläne an, die die Zeit nach 2017 betreffen. Bei Politikern und den eigenen Mitarbeitern wirbt sie unermüdlich für die anstehende Sanierung. Wer sich so intensiv in ein Thema einbringt, heißt es, wolle nicht dann aufhören, wenn die heiße Phase beginnt.

Tatsächlich soll das Große Haus ab Januar 2017 umgebaut werden. Käme im September ein neuer Intendant, wäre seine Augsburger Zeit geprägt von Baustellen, Interimsspielstätten und künstlerischen Kompromissen: Der Umbau des Theaters wird sich über mindestens fünf Jahre ziehen – so lange wie die Laufzeit eines Intendantenvertrags.

Gefragt dürfte in dieser Phase eher das organisatorische Talent eines Theaterleiters sein – inhaltlich bliebe wenig Spielraum. „Damit stellt sich die Frage, wen wir überhaupt finden würden“, heißt es aus Reihen des Stadtrats. Ein Name fällt: der des ehemaligen Schauspieldirektors Markus Trabusch, der inzwischen freiberuflich arbeitet. Allerdings war auch er am Theater umstritten.

Ein weiteres Argument spricht für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Juliane Votteler: Kaum jemand stellt ihre künstlerischen Fähigkeiten in Abrede. Das Theater habe sich gut entwickelt – sowohl was die Inszenierungen betrifft, als auch seine Zusammenarbeit mit der freien Szene. Anfangs gab es hier noch viele Neiddebatten. Seit Votteler regelmäßig Gespräche mit der Kreativszene führt und gemeinsame Projekte unterstützt, haben sich die Wogen geglättet.

Zeitweilig kritisiert wird dagegen der Führungsstil Vottelers. Erinnert sei an eine Phase vor zwei Jahren, in der mehrere Führungskräfte das Theater auf eigenen Wunsch verließen. Hinter vorgehaltener Hand wurde als Ursache nicht nur einmal das gestörte Verhältnis zur Intendantin genannt. Inzwischen hat Votteler ein neues Team zusammengestellt, das von außen betrachtet harmonisch zusammenarbeitet: Das Schauspiel liegt in den Händen von Maria Viktoria Linke und Oliver Brunner, das Musiktheater haben Georg Heckel und Votteler selbst übernommen. Heckel ist zudem stellvertretender Intendant.

Theater-Umbau könnte vieles ins Ungleichgewicht bringen

Doch es gibt Befürchtungen, dass in einer so anstrengenden Phase wie der des Umbaus wieder vieles ins Ungleichgewicht geraten könnte. „Ob sanieren, bauen, Staub und Dreck Juliane Votteler liegen, möchte man bezweifeln“, sagen Stadträte – allerdings nicht, ohne ein Gegenargument hinterher zu schieben: Dafür habe man dem Theater ja einen Baufachmann zur Seite gestellt.

So mancher Politiker bezweifelt jedoch, dass die Theatersanierung überhaupt 2017 beginnt. „Am Ende verlängern wir den Vertrag mit Frau Votteler mit der Begründung, sie sei in die Thematik eingearbeitet und beginnen dann nicht mit dem Umbau.“

Es gibt also viele offene Fragen. Sicher ist in der Debatte bislang nur, dass sie noch vor der Sommerpause beginnt. Bei dieser Gelegenheit dürfte auch eine weitere Personalie Thema sein: Steffen Rohr, der kaufmännische Direktor, geht im Sommer 2016 in Ruhestand.

Sein Vertrag wird – wie der der Intendantin und der des Generalmusikdirektors – direkt mit der Stadt geschlossen. Die möchte sich damit Einflussmöglichkeiten auf ihre größte kommunale Einrichtung bewahren. Sollte die Intendanz neu besetzt werden, könnte – wie in anderen Städten auch geschehen – gleichzeitig die Stelle des kaufmännischen Leiters ausgeschrieben werden. Damit wären Teambewerbungen denkbar.

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