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Nahverkehr

18.05.2018

Bleibt das Kurzstreckenticket ein Ärgernis?

Das mit der Tarifreform eingeführte Kurzstreckenticket bleibt umstritten. Die Zahl der Haltestellen, die damit erreicht werden können, wird nicht pauschal erhöht.
Bild: Bernd Hohlen

In Stadtteilen, die von der Tarifreform benachteiligt wurden, sollen Bürger von einer Korrektur profitieren. Warum das nicht für Gelegenheitsfahrer gelten soll.

Es war der größte Aufreger, als die Tarifreform im Nahverkehr zum 1. Januar 2018 in Kraft trat. Die Stadtwerke verärgerten vor allem Gelegenheitsfahrer, weil einzelne Streckenabschnitte verteuert wurden. Deshalb kostet derzeit manche Fahrt doppelt so viel wie vor dem Jahreswechsel. Günstig ist die Fahrt im Einzelticket (1,45 Euro) lediglich für fünf Haltestellen. Wobei hier so gerechnet wird: Einstieg plus vier Haltestellen. Wer mehr Haltestellen ansteuert, zahlt 2,90 Euro.

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Diese Regelung ärgert nach wie vor viele ÖPNV-Kunden. Die Augsburger Stadträte nahmen in ihrer Sitzung am Donnerstag deshalb zunächst das Stimmungsbild der Fahrgäste auf und forderten Nachbesserungen. Diskutiert wurde darüber, ob das Kurzstreckenticket künftig für sechs, sieben oder gar acht Haltestellen gelten könnte. Es wäre, so die allgemeine Einschätzung, die einfachste Form gewesen, um Gelegenheitsfahrern von Bus und Tram das Angebot problemlos verständlich zu machen.

Die Zahl der Haltestellen zu erhöhen, ist wohl vom Tisch

Die Idee, die Zahl der Haltestellen pauschal zu erhöhen, ist nach jetzigem Stand vom Tisch. Die Stadtwerke sehen keine Chance zu einer Umsetzung. Im Augsburger Verkehrsverbund (AVV) gebe es dafür keine Zustimmung der anderen Vertragspartner. Einstimmigkeit sei aber Voraussetzung, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza. Berücksichtigt werden muss zudem, dass die Ausdehnung des Kurzstreckentickets einen erheblichen Einnahmeausfall zur Folge hätte. Laut Berechnung der Stadtwerke wären es pro Jahr allein zwei Millionen Euro im Stadtgebiet. Dass die Stadt Augsburg diesen Ausfall finanziell kompensiert, ist gegenwärtig kein Thema. Allerdings wird der ab Mitte oder Ende 2019 geplante Gratis-Nahverkehr zum Teil längere Fahrstrecken möglich machen.

Eine Verbesserung beim Kurzstreckenticket gibt es für einige Stadtteile, in denen Bürger nachweisbar von der Tarifreform benachteiligt sind. Dies ist damit zu erklären, dass die Busse hier große Runden drehen, um die einzelnen Haltestellen anzufahren. Mit einem Kurzstreckenticket kommt man darum nicht weit. Hinzu kommt, dass die Versorgungslage in diesen Stadtteilen nicht ideal ist: Wer einen Supermarkt besuchen möchte, muss weit mehr als fünf Haltestellen zurücklegen. Dies betrifft die Stadtteile Bergheim, Inningen, Bärenkeller, Firnhaberau und Hochzoll-Süd. „Aus diesen Stadtteilen kamen die meisten Beschwerden“, sagt Wirtschaftsreferentin Eva Weber.

Im Zusammenspiel mit den Stadtwerken habe man sich jetzt auf eine Lösung verständigt: Für die genannten Stadtteile wird das Kurzstreckenticket aufgeweicht. Es werden Fahrten bis zum nächsten großen Supermarkt möglich sein, der im nächstgelegenen Stadtteilzentrum liegt. Dafür gilt als Tarif die Preisstufe 1 (1,45 Euro) oder ein Streifen auf der Streifenkarte.

Die künftige Regelung ist kompliziert und schwierig zu kommunizieren

Das überarbeitete Tarifsystem muss zum jetzigen Zeitpunkt deshalb diffus erscheinen, weil noch gar nicht genau geklärt ist, wie die künftige Regelung tatsächlich aussehen wird. Ärger ist deshalb programmiert, heißt es seitens der Stadträte, weil Bürger in anderen Stadtteilen sich übergangen fühlen könnten.

Ab wann die neue Regelung gilt, ist offen. Selbst Stadtwerke-Geschäftsführer Casazza verhehlt nicht, dass die neue Regelung „durchaus kompliziert ist“. Man werde sich intern Gedanken machen müssen, wie man dies kommuniziere. Es soll lediglich Aushänge in den Stadtteilen geben. Oberbürgermeister Kurt Gribl hat keine Bedenken: „Ich denke, das wird sich schnell rumsprechen, wenn künftig nur noch ein Streifen für bestimmte Fahrten nötig ist.“ Mit einem Betrag im niedrigen sechsstelligen Bereich ist wohl zu rechnen. Wer dafür aufkommt, ist Verhandlungssache zwischen Stadtwerken und Stadtregierung.

Zum Finanzpaket gehört ferner die Wiedereinführung der Wochenkarte. Zudem wird das Zustempeln vergünstigt: Wer ein Abo der Zonen 10 oder 20 hat und über die Grenze seiner Zone im Stadtgebiet hinausfährt, musste bisher zwei Preisstufen zustempeln. Künftig wird als Aufpreis zum Abo nur eine Preisstufe fällig.

Casazza: "Aus unserer Sicht läuft sie sehr erfolgreich"

Casazza ist mit dem Zwischenergebnis der Tarifreform sehr zufrieden: „Aus unserer Sicht läuft sie sehr erfolgreich.“ Es sei gelungen, wie die Zahlen der ersten vier Monate belegen, dass deutlich mehr Fahrgäste mit Bus und Tram in Augsburg unterwegs sind. Dies erkläre sich damit, dass mehr Abonnements verkauft wurden. Fast 62 Millionen Fahrgäste nutzten im Vorjahr Bus und Straßenbahn in Augsburg. Gegenwärtig seien im Vergleich insgesamt 3800 Abonnenten mehr gewonnen worden.

Die Tarifreform war am Donnerstagnachmittag Thema im Stadtrat. Letztlich wurden vom Stadtrat diejenigen Vorschläge abgesegnet, die von der Verwaltung vorgeschlagen wurden. Die Wiedereinführung des Seniorenabos, die von der SPD gefordert wurde, bekam ebenso keine Mehrheit wie ein Vorschlag, das 9-Uhr-Abo auf 8.30 Uhr vorzuziehen. Max Weinkamm (CSU) nahm das bisherige Ergebnis der Tarifreform sehr kritisch zur Kenntnis: „Wir haben reformiert, aber der Groll unter den Fahrgästen ist nach wie vorhanden.“

In der Aussprache sagte Wirtschaftsreferentin Eva Weber, dass erst im Jahr 2019 Fahrgastzählungen stattfinden, die dann auch belastbare Ergebnisse für weitergehende Korrekturen geben könnten. Die jetzigen Aussagen der Stadtwerke beziehen sich auf Hochrechnungen der Verkaufszahlen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

18.05.2018

>> Die Wiedereinführung des Seniorenabos, die von der SPD gefordert wurde, bekam ebenso keine Mehrheit wie ein Vorschlag, das 9-Uhr-Abo auf 8.30 Uhr vorzuziehen. <<

Die AZ sollte mal eine Berichterstattung über die Auslastung im Augsburger ÖPNV zwischen 8 und 9 Uhr starten. Die immer wieder behauptete starke Auslastung gibt es m.E. mit Ausnahme der Linie 3 zur Uni nicht. Die Busse haben sowieso immer viele freie Sitzplätze und auf der Tram würde vielfach auch ein 21 Meter langer GT5 Oldtimer reichen.

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18.05.2018

>> Im Zusammenspiel mit den Stadtwerken habe man sich jetzt auf eine Lösung verständigt: Für die genannten Stadtteile wird das Kurzstreckenticket aufgeweicht. Es werden Fahrten bis zum nächsten großen Supermarkt möglich sein, der im nächstgelegenen Stadtteilzentrum liegt. <<

Warum nicht zum nächsten Arzt aller Fachrichtungen oder zum nächsten Postamt oder zum Arbeitsamt oder …..

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