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Augsburg

21.08.2019

Blue Star Train im Augsburger Bahnpark: Ist dieser Zug noch zu retten?

Der Blue Star Train stand mehrere Jahre lang im Bahnpark und wurde dort als Gastro-Zug genutzt. Weil das Gleis, auf dem er steht, vermietet wird, muss eine Lösung für den Zug her.
Bild: Silvio Wyszengrad

Dem historischen Zug, mehr als ein beliebtes Fotomotiv am Augsburger Bahnpark, droht die Verschrottung – sollte eine letzte Rettungsaktion nicht noch Erfolg haben.

Der blaue Zug am Eingang zum Augsburger Bahnpark war ein beliebtes Fotomotiv. Sehr gefragt waren auch die Dampflok-Dinner, die Erlebnisgastronom Jürgen Drexler im Blue Star Train auf dem Eisenbahnschaugelände im Hochfeld anbot. Doch nun droht dem historischen Zug die Verschrottung – sollte eine letzte Rettungsaktion nicht doch noch Erfolg haben.

Der Blue Star Train ist derzeit geschlossen und darf nur noch bis Jahresende im Augsburger Bahnpark stehen. Danach wird das Gleis, auf dem er abgestellt ist, anderweitig vermietet. Drexler wollte den historischen Zug eigentlich an einen Investor verkaufen und als rollendes Restaurant wieder in Betrieb nehmen. Doch der weit fortgeschrittene Verkauf ist im Frühjahr überraschend gescheitert. Seither habe er kein konkretes Übernahmeangebot mehr bekommen, sagt er. Und nun drängt die Zeit. „Bis 1. Dezember muss eine Entscheidung getroffen werden“, sagt Drexler. Sollte er bis dahin keine andere Lösung finden, müsse er den Zug verschrotten.

Blue Star Train im Tessin entdeckt

Jürgen Drexler hatte den historischen Zug vor Jahren im Tessin entdeckt und 2005 erworben. Er ist eine Rarität: Der Trans-Europa-Express (TEE) war in den 1950er-Jahren das Aushängeschild der Deutschen Bundesbahn und eines der Symbole des deutschen Wirtschaftswunders. Drexler baute den blauen Zug mit Mitstreitern zu einem Gastrozug um. Aus dem TEE wurde der Blue Star Train. Ab 2006 war er zehn Jahre lang ein ungewöhnliches und gut gebuchtes Speiserestaurant im Augsburger Bahnpark. Er hatte immer in der Wintersaison geöffnet.

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Dass Drexler mit seiner Attraktion aus Augsburg wegmuss, hat Gründe. Für den Museumsbetrieb im Bahnpark gab es neue Auflagen. Der Event-Gastronom zog Konsequenzen, denn viele der üblichen Firmenveranstaltungen und Geburtstagsfeiern konnten nicht mehr stattfinden. „Bei Öffnungszeiten bis 22 Uhr mussten wir den Deckel zumachen“, sagte er. Auch für sein Team von bis zu 20 Mitarbeitern sei das Ganze eine Katastrophe gewesen. Denn die Gastronomie war so angelegt, dass den Sommer über im Bahnpark bewirtet wurde und im Winter im blauen Zug. Das ist aktuell nicht mehr möglich.

Drexler bemühte sich, sein Restaurant-Projekt neu auf die Schiene zu bringen. Er suchte einen Investor, der den Blue Star Train kauft und so herrichtet, dass er wieder selbst fahren kann. Anschließend wollte Drexler den Zug wieder als rollendes Speiselokal in Betrieb nehmen. Diese Pläne sind jedoch gescheitert. „Es muss ein Ende haben, egal wie“, sagt er frustriert. Doch nun soll es noch einen allerletzten Rettungsversuch für den Blue Star Train geben. Eisenbahnfan Marcus Dettenberg aus Hagen in Nordrhein-Westfalen hat ihn initiiert.

Eisenbahnfan aus Hagen will den Augsburger Zug retten

Dettenberg veranstaltet normalerweise Fotoreisen für Eisenbahnfans. Nun ruft er im Internet zu einer Aktion auf, an der sich möglichst viele Leute finanziell beteiligen sollen. Im ersten Schritt will Dettenberg den rund 200 Meter langen und mehr als 360 Tonnen schweren TEE kaufen und an einen neuen Standort überführen. Dafür rechnet er mit Kosten von 500.000 Euro. Weil er diese Summe mit seinem Reiseunternehmen nicht aufbringen kann, bietet er Ticket-Gutscheine für jeweils 50 Euro an. Der Gutschein soll dann bei einer Fahrt mit dem TEE eingelöst werden, so der Plan. „Es ist ein Versuch, ob es klappt, weiß ich nicht“, sagt er.

Um das erste Ziel zu erreichen, müssten 10.000 Gutscheine in rund drei Monaten verkauft werden. Wenn die erforderliche Summe nicht erreicht wird, will Dettenberg nach eigenen Angaben die Bestellungen stornieren. Sollte der letzte Rettungsversuch aber doch Erfolg haben, will er im zweiten Schritt eine Stiftung gründen mit dem Ziel, den Zug langfristig zu erhalten, die einzelnen Einheiten auf ihre Wiederinbetriebnahme zu prüfen und die genauen Kosten zu ermitteln. Als Endziel sei angestrebt, den TEE wieder in den Reisezugdienst zurückzubringen. „Der elegante Zug fasziniert mich, und er steht für Europa“, begründet Dettenberg seine Initiative. Auch Jürgen Drexler unterstützt die Aktion. Er frage sich nur, ob die Zeit reichen werde, um eine derartig große Summe aufzubringen, sagt er.

Die Aktion läuft online unter www.md-reisen24.de/rettet-den-tee/

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21.08.2019

Den TEE hab ich in den Siebziegern oft zwischen Ulm und Augsburg gesehen. Der war damals schon schnittig .....

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