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Bluespots Productions
01.08.2017

Marschieren in Todesangst

Halle 116 – ehemals Außenstelle des KZ Dachau. Von hier aus mussten die Zwangsarbeiter täglich zu den Messerschmitt-Werken laufen. Das Publikum macht sich mit dem Audio-Walk von Bluespots Productions auf den Weg.
Foto: Wolfgang Diekamp

Täglich durchquerten 1945 Zwangsarbeiter Pfersee und das südliche Augsburg bis zur Messerschmitt-Fabrik in Haunstetten. Ein Audio-Walk erinnert an den Marsch. Eine Uraufführung, die an Grenzen ging

Halle 116, Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau. Die Sonne brennt. Verblichene Holztüren an der Längsseite des Gebäudes – etwa 50 Zuschauer stehen in der Hitze. Selten, vielleicht noch nie, gab es wohl eine anstrengendere Aufführung in Augsburg als diese. Ihre Qualität, erklärt eine freundliche weibliche Stimme durch den Kopfhörer, hängt von der Qualität der Gedanken ab. Sie fährt fort: „Konzentrationslager“ hießen erst KL. Doch die Nationalsozialisten wollten es zackiger, militärischer. Also KZ. Kazett, Kazett, Kazett, flüstert es im Ohr. Tatsächlich beginnen sich dort Bilder zu formen – von den 1500 osteuropäischen Zwangsarbeitern, die hier 1944 und 1945 gefangen gehalten wurden. Drahtzäune unterteilten die Halle in acht Schlafblöcke. Je 200 Männer schliefen hier im Rhythmus ihrer 12-Stunden-Schichten in den Augsburger Fabriken. Die Strohsäcke waren 24 Stunden belegt. Flugzeugbauer Messerschmitt mietete die Häftlinge für vier bis acht Reichsmark pro Tag von der SS. Ab dem letzten Kriegswinter mussten sie dorthin laufen. In Holzpantinen, wer Glück hatte. Elf Kilometer bis zum heutigen Standort von Premium Aerotec. Zwölf Stunden später dasselbe zurück. Bewacht von Schäferhunden und den Schlagstöcken der SS.

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