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Wirtschaft

22.03.2009

Böwe Systec kämpft gegen die Finanzklemme

Wie man Briefe schnell in einen Umschlag bekommt, weiß keiner so gut wie der Kuvertierhersteller Böwe Systec. 22 000 Briefe in einer Stunde sind kein Problem für den europäischen Marktführer.

Vor allem der Erwerb der US-Tochter, die größer ist als die Mutter, macht nach Informationen unserer Zeitung Sorgen. Angeblich gibt es eine Wertberichtigung von über 33 Millionen Euro. Das bringt Unruhe in das Mutterhaus in Augsburg. "Wir machen uns große Gedanken", sagt der IG-Metall-Chef Jürgen Kerner. Von einer dramatischen Situation ist die Rede.

Der neue starke Mann im Management von Böwe Systec ist der Vorstandschef Oliver Bialowons. Er spricht klare Worte. Transparenz ist sein Lieblingsbegriff. Er scheut sich nicht vor bitteren Wahrheiten, denn das schaffe Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern. Und seine Wahrheit lautet so: "Das Unternehmen ist stark verschuldet." Schuld sei eine ungesunde Finanzierung der starken Expansion des Unternehmens im amerikanischen Markt. Die Firma in Geldnot arbeite eng mit Banken wie Stadtsparkasse, Deutsche Bank und dem Unternehmensberater Roland Berger zusammen. Bialowons' wichtigste Botschaft lautet: "Es gibt keinen Grund zur ernsthaften Sorge. Das Unternehmen hat eine gute Zukunft."

Der 40-jährige Bialowons kam als Sanierer und ist gleichzeitig Vorstandschef im Mutterhaus der Wanderer-Werke, denen 51 Prozent von Böwe gehören. Er setzt - darauf legt er Wert - im Gegenteil zu seinem Vorgänger auf Klarheit und Kommunikation. Begriffe, die in der Firma bisher nicht so gegolten hätten. Das frühere Management sei eher patriarchalisch bestimmt gewesen.

Böwe Systec kämpft gegen die Finanzklemme

Doch die damaligen Hauptakteure gibt es nicht mehr. Vorstandsvorsitzender Claus Gerckens (der 58-Jährige ist nach wie vor noch einer der großen Aktionäre) und sein Stellvertreter Michael Meyer haben das Boot verlassen. Aus persönlichen Gründen, wie es heißt. Am Freitag folgte der Aufsichtsratschef Johannes Beelen. Auch aus persönlichen Gründen und mit sofortiger Wirkung. "Das alles bedeutet eine sehr prekäre Lage", heißt es dazu bei Insidern.

Das will Bialowons nicht abstreiten, doch sei die Prognose günstig: Man habe erstklassige Produkte, große Kunden und stehe kurz vor dem Abschluss weiterer Großaufträge. 2008 hätte Böwe Systec den besten Umsatz der Geschichte. Die aktuelle Auftragslage sei mit der 2008 vergleichbar.

Der neue starke Mann verspricht Arbeitsplatzsicherheit

Bialowons macht nicht den Eindruck, als würde er alles den Banken überlassen. Er versucht, die Mitarbeiter zu gewinnen und das Traditionsunternehmen wieder auf guten finanziellen Kurs zu bringen. Einschnitte in die Vergütung des Managements stehen genauso auf dem Programm wie ein massives Effizienzprogramm: Investitionen und Kosten würden genauestens überprüft, kündigte der Vorstandschef an.

Alles komme auf den Prüfstand - nicht jedoch die Zahl der Mitarbeiter. "Nach derzeitigem Stand kommen wir um betriebsbedingte Kündigungen herum", versichert Bialowons. Betriebsratschef Hans Bunk war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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