Newsticker
RKI warnt vor Überschätzung von Selbsttests in der Pandemie-Bekämpfung
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Brandanschlag auf Tankstelle: Dieser Mitarbeiter verhinderte Schlimmeres

Augsburg

19.02.2021

Brandanschlag auf Tankstelle: Dieser Mitarbeiter verhinderte Schlimmeres

Als ein Betrunkener eine Zapfsäule an der Lechhauser Jet-Tankstelle anzünden wollte, reagierte Angestellter Patrick Marrack geistesgegenwärtig.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Patrick Marrack arbeitet seit Jahren an der Jet-Tankstelle in Augsburg-Lechhausen. Unlängst wurde der 27-Jährige dort zum Helden - ein Betrunkener hatte versucht, eine Zapfsäule anzuzünden.

Die Situation eskalierte an Zapfsäule Nummer sieben. Weil Patrick Marrack so schnell reagierte, ist an jenem Abend an der Tankstelle in der Schillstraße im Augsburger Stadtteil Lechhausen nichts Schlimmeres passiert. "Er hat perfekt gehandelt. Das muss man in so einem Moment des Schocks erst mal können", sagt Ralph Wiesenmayer, Betreiber der Jet-Tankstelle. Er ist stolz auf seinen Mitarbeiter. Es war am Mittwochabend vergangener Woche, als Marrack zum Helden der Tankstelle wurde.

In Augsburgs Stadtteil Lechhausen wollte ein Betrunkener die Zapfsäule einer Tankstelle anzünden. Die schnelle Reaktion eines Mitarbeiters verhinderte Schlimmeres.
Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolfoto)

Ein Betrunkener hatte, wie bereits von der Polizei berichtet, versucht, Zapfsäulen in Brand zu stecken. Bis dahin war der Abend normal verlaufen. Patrick Marrack, der seit mehreren Jahren bei der Jet arbeitet, hatte in der Woche Spätschicht. Normalerweise ist an der Tankstelle, die in der Nähe der Lechbrücke inmitten eines Lechauser Wohngebietes liegt, viel los. Anwohner holen sich hier gerne was zu essen, Getränke oder Zigaretten. Drei Stammgäste waren nach der Arbeit mit ihren Autos gekommen, um, wie so oft, noch ein gemeinsames Feierabendgetränk im Freien einzunehmen. Marrack kennt sie. "Sie treffen sich kurz und fahren dann wieder", erzählt der 27-Jährige. Diesmal aber tauchte plötzlich noch ein Mann auf, der aggressiv wurde.

Vorfall an Augsburger Tankstelle: Mann ging mit Feuerlöscher auf Kunden los

Aus dem Verkaufsraum heraus beobachtete Marrack, wie der Mann von einer Zapfsäule einen Feuerlöscher entwendete und die drei Männer damit besprühen wollte. "Er schaffte es aber nicht, den Sicherungsstift zu ziehen. Ich bekam mit, wie die Kunden ihm den Feuerlöscher entrissen." Dann floh der Mann. Marrack ging nach draußen zu den Kunden. Während diese ihm von dem Vorfall berichteten, kehrte der Mann zurück, entnahm die Zapfpistole an Säule Nummer sieben und fingerte mit einem Feuerzeug herum. Laut Polizei hatte er versucht, weitere Zapfsäulen anzuzünden. Ob schon Benzin floss, kann Marrack im Nachhinein nicht sagen. Er weiß nur noch, dass er sofort zurück in den Laden lief und den Notschalter neben der Kasse betätigte, um die Pumpensteuerung abzustellen. Damit ist die Kraftstoffzufuhr abgeriegelt. Dann sperrte er den Laden von innen ab und rief die Polizei.

Der Angestellte habe vorbildlich gehandelt, sagt Jet-Bezirksleiter Hans-Peter Walter anerkennend. Die Mitarbeiter würden regelmäßig geschult, wie sie sich in brenzligen Situationen zu verhalten haben. Es könne schließlich auch mal sein, dass ein Autofahrer mit einem brennenden Fahrzeug eine Tankstelle ansteuere. Auch Überfallsituationen würden bei Schulungen durchgespielt. Schnell waren an jenem Abend die Streifenfahrzeuge der Polizei vor Ort. Der 26-jährige Täter, der deutlich unter Alkoholeinfluss stand, ließ sich widerstandslos festnehmen. Er sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Augsburger Tankstellenmitarbeiter musste medizinisch versorgt werden

Zu einer Explosion hätte es nicht kommen können, meint Jet-Bezirksleiter Walter. "Aber er hätte Benzin entflammen können. Je nachdem, wie stark er mit der Zapfpistole rumgefuchtelt und vielleicht noch auf Menschen gezielt hätte, hätte viel passieren können." Das wurde Patrick Marrack erst nach dem Polizeieinsatz so richtig bewusst. Zunächst arbeitete der 27-Jährige noch weiter, doch dann klappte er quasi zusammen. "Der Rettungswagen kam, ich musste medizinisch versorgt werden. Ich stand unter Schock." Die Nacht verbrachte er dann bei einem Freund, um nicht alleine zu sein. "Auch jetzt ist mir manchmal noch etwas mulmig zumute. So etwas Extremes habe ich noch nie erlebt. Und das will ich auch nicht mehr."

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren