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Augsburg

08.05.2015

Bremst in Augsburg bald ein Mietspiegel Preiserhöhungen?

Wohnen wird in Augsburg immer teurer. Viele Menschen suchen vergeblich nach Wohnungen, deren Mieten sie noch bezahlen können.
Bild: Anne Wall

Bald tritt die gesetzliche Mietpreisbremse in Kraft - doch in Augsburg fehlt die Grundlage. Wie stehen also die Chancen, dass es bald auch hier einen Mietspiegel gibt?

Die 283.000 Augsburger leben in 148.500 Wohnungen, davon 100.000 Mietverhältnisse. Und dafür müssen sie immer mehr zahlen. Bei Wiedervermietungen liegt der Schnitt schon über neun Euro kalt pro Quadratmeter, beim Erstbezug können es sogar elf Euro sein. Mitte des Jahres soll bundesweit die gesetzliche Mietpreisbremse in Kraft treten, Experten gehen davon aus, dass Augsburg als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt aufgenommen wird. Allerdings fehlt ein Mietspiegel als Grundlage für das Instrument. Das könnte sich nun ändern.

Befürworter eines Mietspiegels sind unter anderem der Vorsitzende des Mietervereins, Thomas Weiand, Sozialreferent Stefan Kiefer ( SPD) und Mark Dominik Hoppe, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WBG. Er erläuterte in der Sitzung des Sozial- und Wohnungsausschusses des Stadtrats die Problematik: Aus Angst vor der Preisbremse hätten Vermieter in den vergangenen Jahren die Mieten erhöht, was zu dem rasanten Anstieg in Augsburg führte. Hoppes Überzeugung: „Der Mietspiegel kann die Situation retten.“

Durchschnittspreis liegt bei 8,60 Euro pro Quadratmeter

Die WBG wertet die Wohnungsanzeigen in der Augsburger Allgemeinen sowie beim Onlineportal Immoscout aus und geht davon aus, dass der Mietspiegel eine Augsburger Durchschnittsmiete von 8,60 pro Quadratmeter ergibt. Das Instrument gibt die ortsübliche Vergleichsmiete an, einbezogen sind unter anderem Lage, Alter und Ausstattung sowie energetische Aspekte.

Laut Sozialreferent Kiefer ergaben Recherchen der Stadtverwaltung, dass der Mietspiegel andernorts weder zur Explosion noch zur Dämpfung der Mieten geführt hat. Kiefer: „Es ist ein Instrument, das Klarheit schafft und das nötig ist in einer Stadt, in der sich die Situation zuspitzt.“ Denn er bilde die Grundlage, extreme Ausreißer zu verhindern.

Anzahl von Ein-Personen-Haushalten wächst

Und die gibt es, da in der wachsenden Stadt mit einer zunehmenden Zahl von Ein-Personen-Haushalten immer mehr Mieter auf den Markt drängen. Schon für Verdiener mit mittlerem Einkommen, gerade Familien, ist es mittlerweile schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Noch mehr Probleme haben Menschen mit wenig Geld, wie Zahlen belegen. Die WBG, die 10 000 Wohnungen verwaltet, hatte 2014 laut Hoppe 4400 Anfragen – nur 700 Wohnungen konnte sie vergeben.

Bei immer mehr Sozialwohnungen fällt die Preisbindung weg: Einst waren dies 20 000, jetzt nur noch 6000. Dazu kommen als Garanten für günstigen Wohnraum die WBG mit 10 000 Einheiten, die WBL und Genossenschaften mit weiteren 10 000.

Um in diesem Segment dauerhaft ausreichend Wohnraum zu gewährleisten, braucht es laut Hoppe neben dem Mietspiegel jedoch auch Subventionen. Denn bei Neubauten liegt allein die Kostenmiete bei zehn Euro. Die Ansichten der Stadträte über den Mietspiegel gingen auseinander. Während das linke Lager ihn befürwortete, äußerten Vertreter der bürgerlichen Seite Bedenken. Markus Bayerbach (AfD) meinte zum Beispiel, der Mietspiegel erzeuge keinen Wohnraum. Außerdem drohten gerade niedrige Mieten dadurch zu steigen. Benjamin Lika (CSU) sorgt sich wegen der Kosten. Diese schätzt die Verwaltung auf rund 200000 Euro für die Erstellung – und für jede Aktualisierung, die im mehrjährigen Takt nötig würde. Letztlich entschied das Gremium, dass die Verwaltung in eine „offene Diskussion“ über die Erstellung eines qualifizierten Mietspiegels eintreten soll. Qualifiziert bedeutet, dass preisgebundene Wohnungen nicht einbezogen werden.

Keine andere mit Augsburg vergleichbare Stadt hat noch keinen Mietspiegel

Die 200.000 Euro, die nötig sind, wollte jedoch die bürgerliche Mehrheit nicht bereitstellen. CSU-Politiker Max Weinkamm: „Dafür ist kein Geld da.“ Kiefer war deswegen verärgert: „Wenn wir dann beschließen, wir wollen den Mietspiegel, können wir ihn nicht einführen.“ Thomas Weiand vom Mieterverein meint im Hinblick auf die Mietbremse: „Wie soll dann geprüft werden, ob eine bei Vertragsabschluss vereinbarte Miete um mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Miete liegt?“ Er kenne keine Stadt der Größe Augsburgs, die keinen Mietspiegel hat.

Gabriele Seidenspinner, Geschäftsführerin von Haus und Grund, meint dagegen: „Der Mietspiegel ändert nichts an der Wohnungsknappheit in Augsburg. Durch eine Regulierung der Miethöhe entstehen nicht mehr Wohnung. Vielmehr werden Vermieter und Immobilieneigentümer dadurch nur verunsichert und notwendige Investitionen gebremst.“

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