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Freizeit

21.12.2017

Bridge – ein Spiel ohne Grenzen

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In Augsburg gibt es zwei Vereine, die sich dem Kartenspiel verschrieben haben. Beide würden sich über jüngere Mitglieder freuen. Wir haben einigen Akteuren über die Schulter geschaut

Schafkopf ist das Kartenspiel der Bayern, und Skat eine Art Volkssport der Deutschen. Aber weltweit am beliebtesten ist Bridge. Vielleicht liegt es an den einheitlichen Regeln, die der Amerikaner Ely Culbertson in den 30er-Jahren entwickelte und die weltweit gelten. Sozusagen ein Spiel ohne Grenzen. Spurensuche in Augsburg. Bridgezentrum Augsburg, Gögginger Straße 41a. Hier befinden sich die Räume der zwei Augsburger Vereine. „Bridgeclub I.“, gegründet 1954 und „Augusta 2000“. Er ging im Jahr 1985 an den Start. In beiden Klubs sind insgesamt 350 Mitglieder eingeschrieben. Der Jahresbeitrag beträgt 45 Euro.

„Ja, Bridge ist weltweit sehr beliebt“, sagt Franz Seibert, Vorsitzender vom Augsburger Bridgeclub I. In Deutschland sind 26000 Mitglieder im Bridge-Verband organisiert. Das klingt ordentlich. Im Vergleich zu anderen, kleineren Ländern wie den Niederlanden mit über 100000 Mitgliedern ist Deutschland aber kein großer Verband. Franz Seibert führt es zurück auf die Zeit zwischen 1933 und 1945. „Bridge war als ,nichtarisches‘ Spiel so gut wie verboten, auch weil es von den jüdischen Mitbürgern sehr gern gespielt wurde.“

An diesem Turnierabend sind 28 Mitglieder gekommen, um ein typisches Klubturnier zu spielen. Das ergibt sieben Spieltische, mit je vier Spielern. Nach dem ersten Spiel sieht es aus wie beim Tanztee. Die vielen quadratischen Tische, im Raum verteilt, bezogen mit grünen Decken; auf den ersten, flüchtigen Blick mit nummerierten Tischkarten versehen. Dazu ein eifriges Durcheinander von nicht mehr ganz jungen Damen und Herren, die sich zwar zielstrebig bewegen, aber nicht in die Mitte des Raumes zum Cha-Cha-Cha oder Rumba drängen. Es ist aber nur ein kurzes Intermezzo. Nach jeder gespielten Partie werden die Tische gewechselt. Alle Spieler gehen im Raum herum und suchen Tisch und Partner. Die Bridgeregeln haben dafür einen coolen Ausdruck: „Movement“. Franz Seibert schaut sich um und sagt: „Unsere Altersstruktur ist eines der größten Probleme.“ Denkt die mittlere Generation bei Bridge noch an den Agatha-Christie-Film „Mit offenen Karten“, so ist das Spiel bei den Jüngeren fast unbekannt. Nicht so in Berlin. Natürlich. Hier hat die „Generation Hipster“ das Bridgespiel vor Jahren neu entdeckt und daraus einen hippen Gegenentwurf zum besinnungslosen Online-Gebrauch gemacht. Für Gerhard Stampfer, Zweitem Vorsitzenden von Augusta ist „Bridge das spannendste, aufregendste und komplexeste Kartenspiel, das es gibt“. Und Rita Tarlosy, Mitglied im Bridgeclub, sagt: „Es ist mit das Individuellste, was mit Karten gespielt werden kann.“ Sie spielt seit 25 Jahren und muss es wissen.

Im Jahr 2016 waren beide Klubs offiziell in Augsburgs Partnerstadt Bourges eingeladen. In Frankreich ist Bridge sehr beliebt, und der französische Verband ist deutlich größer als der deutsche. „Man sah es leider am Spiel-Ergebnis“, sagt Franz Seibert zähneknirschend. Schwamm drüber. Ehrenpräsident Neklan Chmelik ist heute Abend da. In den 80er-Jahren war er ein bundesweit gefürchteter Bundesliga-Bridgespieler. Verstecken muss sich hier niemand. „Mehr junge Leute würden wir uns hier schon wünschen“, sagen alle am Tisch. Dabei dürfte in einer Zeit, in der die Menschen nach dem Individuellen suchen, Bridge die ultimative Herausforderung sein. Gefragt sind neben logischem Denken psychologisches Gespür für den Partner und die Kontrahenten. Vor allem für den Partner, weil in jedem Spiel, das zwischen fünf und zehn Minuten dauert, abwechselnd nur einer der Partner spielt und der andere als „Dummy“ dabei sitzt und „auf einer geistigen Ebene kommuniziert“.

Natürlich ist Bridge ein einfaches Spiel. Zunächst einmal... Vier Personen teilen sich 52 Karten. Jeder hat also 13 Karten, die in einem „Board“ stecken. Die zwei Paare am Tisch, die gegeneinander spielen, sind in Nord-Süd und Ost-West Paare eingeteilt, N-S und O-W. Die Karten in der Reihenfolge ihrer Wertigkeit sind das Ass, König, Dame, Bube. Bei den Farben sind es Pik, Cœur (Herz), Karo und Treff (Kreuz). Die Reihenfolge der Karten ist wichtig für das Reizen (Lizit). Jedes Paar bekommt eine „Laufkarte“, auf denen die nacheinander zu bespielenden Tische und die Nummern der Boards mit den Kartendecks aufgeschrieben sind. Nun kommt das Reizen. Durch Reizen versuchen die Parteien, das Spiel in die Hand zu bekommen und die Trumpffarbe zu bestimmen. Das gibt dem Partner („Dummy“) Hinweise über die Kartenlage. Aus den Bidding Boxen (Bietboxen) werden die Gebote per entsprechender Karte angezeigt. Beispiel: 1 Treff (Kreuz) sind sieben Stiche (Minimum), 2 Treff acht Stiche, bis 7 Treff, also 13 Stiche (Maximum).

Hauptziel ist es, die angesagte Stichzahl (Kontrakt) zu erreichen. Die andere Seite versucht es zu verhindern. Bei diesem kurzen Anriss der Regeln soll es bleiben. Einen Bridgekurs zu Weihnachten verschenken könnte dieses Jahr eine ungewöhnliche Geschenke-Lösung sein. Oder den Geheimnissen gleich selbst auf die Spur kommen? Übrigens: In einer Biet Box fielen sechs Karten besonders auf: 1 NT bis 6 NT stand darauf. NT heißt – No Trump (Kein Trumpf). Ein Bridge-Spiel lässt sich auch ohne Trump(f) gewinnen.

 Nähere Informationen im Internet unter www.bridgezentrum-augsburg.de

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