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Prozess

22.01.2015

Brutale Schläge mit dem Handy gefilmt

Ein Mann verprügelt eine Frau – doch Täter und Opfer wollen nichts mehr davon wissen

Es ist eine Szene wie in einem Fernsehkrimi: Man sieht ein erleuchtetes Fenster in stockdunkler Umgebung. Ein Mann und eine blonde Frau gehen in einem Raum erregt auf und ab. Plötzlich schlägt der Mann der Frau die Faust ins Gesicht, die Frau fällt um wie ein nasser Sack, verschwindet aus dem Blickfeld des Betrachters. Nach einigen Sekunden wiederholt sich die brutale Attacke. Der Mann schlägt erneut zu. Das eine Minute und 35 Sekunden dauernde Video, aufgenommen am 17. November um 20.45 Uhr mit einem Smartphone, das im Gerichtssaal abgespielt wird, sei eine „Sternstunde für jeden Strafrichter“, sagt Walter Hell später. Ein Beweismittel, das den Täter für den Richter zweifelsfrei überführt.

Gewaltsame Übergriffe unter Partnern oder in der Familie landen häufig auf dem Richtertisch. Und fast ebenso oft wollen es die Beteiligten hinterher am liebsten wieder ungeschehen machen, um den Täter zu schützen. Wie in diesem Fall. An jenem Abend hatte eine Frau, 28, zufällig in der Wohnung ihres Bekannten in Oberhausen aus dem Fenster geschaut – und wurde Zeuge brutaler Szenen, die sich genau gegenüber hinter einem Fenster im zweiten Stock eines Hauses abspielten. „Er hat sie gegen die Wand gehauen, ihr ins Gesicht geschlagen. Es war brutal. Ich wollte gar nicht mehr hinschauen“, erinnert sich die Zeugin jetzt im Prozess. Ihr Bekannter rief die Polizei und zückte sein Handy. „Das war heftig, krass, was ich sah. Ich hatte die Befürchtung, dass Schlimmeres passiert“. Der Nachbar, 30, filmte die Szenen und übergab das Video der Polizei.

Der nun Angeklagte, 48, der unter offener Bewährung steht und damals zwei Promille im Blut hatte, wiegelt ab. Er habe seiner Verlobten allenfalls eine Ohrfeige verpasst. „Aber nur als Hilfestellung, damit sie wieder zu sich kommt“. Das Opfer, 37, erzählt eine Version, die Richter Hell danach schlichtweg als Falschaussage bezeichnet. Sie habe damals dem Angeklagten einen Seitensprung gestanden. Sie neige dazu, sich selbst zu verletzen und habe sich deshalb eine Dose Hundefutter auf den Kopf geschlagen.

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„Er hat mich nur beruhigt, mich an den Haaren gezogen“, behauptet sie. Zugeschlagen habe ihr Verlobter nicht. „Das sieht vielleicht nur so aus“, meint die Zeugin. Die Verletzungen, von der Polizei dokumentiert, stammten von einem Sittich, einem Vogel, der zugepickt habe. Verteidiger Günter Rieger beantragt, das Verfahren einzustellen. Es bestehe kein öffentliches Interesse.

Sein Mandant habe lediglich „Handbewegungen ausgeführt“. Das Gericht ist anderer Meinung. Der Angeklagte muss, wenn das Urteil rechtskräftig wird, für ein Jahr in den Knast – zwei Monate länger als es Staatsanwalt Dr. Karl Pobuda gefordert hatte. Ausdrücklich dankt Richter Hell dem Paar, das das Video aufgenommen hatte. „Das sind Bilder, auf denen man erkennt, mit welcher Brutalität der Angeklagte zugeschlagen hat“. (utz)

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