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Prozess in Augsburg

07.11.2019

Brutale Überfälle auf Frauen: Jetzt sagen die Opfer aus

Seit Mitte Oktober läuft der Prozess gegen Momodou J., 30, vor der dritten Strafkammer des Landgerichts. Er hat zugegeben, dass er im Herbst 2018 in Augsburg sechs Frauen überfallen hat.
Bild: Silvio Wyzsengrad

Plus Ein Mann aus Gambia soll für eine ganze Reihe von Übergriffen in Augsburg verantwortlich sein. Die Vorwürfe hat er gestanden. Einige der Betroffenen leiden bis heute.

Sie traut sich bis heute nachts nicht mehr alleine auf die Straße. Zu späterer Uhrzeit ist sie seither nur noch in Begleitung unterwegs, sagt die junge Frau, eine Schülerin, 18 Jahre alt. Was ihr damals passiert sei, habe psychisch keine größeren Spuren hinterlassen, sagt sie. Aber es sei ihr auch bewusst geworden, was alles hätte passieren können. Jessica B. (Name geändert) war im November 2018 zu Fuß auf dem Heimweg von einer Party, als sich ihr ein Mann im Stadtjägerviertel in den Weg stellte.

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Sie wollte nicht mit ihm reden, aber er ließ nicht locker. Und sie kam nicht an ihm vorbei. Er bedrängte sie, quatschte auf Englisch auf sie ein. Zwei Mal griff er ihr im Laufe der Situation an den Arm, ehe die verängstigte junge Frau ihr Handy nehmen und einen Freund anrufen konnte. „You call the police“ rief er ihr hinterher, du rufst die Polizei, dann war er verschwunden.

Prozess in Augsburg: Flüchtling gesteht brutale Überfälle auf Frauen

Eine äußerst unangenehme Situation, die nun Teil der Anklage gegen Momdou J. ist, ein 30-jähriger Asylbewerber aus dem afrikanischen Land Gambia, der seit Oktober vor der 3. Strafkammer des Augsburger Landgerichtes steht. Er hat über seinen Verteidiger Helmut Linck bereits zugegeben, dass er vor einem Jahr in nur wenigen Wochen sechs Frauen in Augsburg überfallen hat, immer junge Frauen, zumeist im Bereich der Innenstadt.

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Zu einer Vergewaltigung kam es nicht. Nach Ansicht der Ermittler aber nur, weil sich die Opfer teils heftig wehrten. Vorgeworfen werden dem Angeklagten unter anderem versuchte Vergewaltigung, zudem versuchte sexuelle Nötigung, Körperverletzung, Raub und Bedrohung. Seit Momodou J. im November vergangenen Jahres nahe dem Klinikum eine Frau überfallen hat und noch am selben Tag festgenommen wurde, sitzt er in Untersuchungshaft.

Im Prozess gegen ihn haben nun mehrere seiner mutmaßlichen Opfer ausgesagt. Eine 25-jährige Frau, die im Oktober vergangenen Jahres frühmorgens mit dem Zug aus München in Augsburg angekommen war, wurde noch am Bahnhofsvorplatz von ihm bedrängt. Dass sie ihm sagte, er solle sie alleine lassen, ignorierte er. Er habe ihr gesagt, dass er Sex mit ihr haben werde, berichtet die Frau vor Gericht. „Nicht wolle, werde.“ Als sie mit dem Fahrrad wegfahren wollte, habe er das Hinterrad festgehalten und sie daran gehindert. „Ich hatte Angst, dass er mich vergewaltigen wird“, sagt die Frau. Im Gerichtssaal wirkt sie bis heute verstört und verängstigt von dem, was ihr damals zugestoßen ist, sie spricht mit belegter Stimme, muss sich immer wieder fassen. Als ein Taxi an ihr vorbeifuhr, hob sie die Hand. Und das Taxi hielt an. So entkam sie der Situation. Ein paar Tage später ging sie zur Polizei – auch im Hinblick auf mögliche andere Opfer.

Überfälle in Augsburg: Sechs Taten innerhalb weniger Wochen

In anderen Fällen gingen die Taten noch darüber hinaus. Momodou J. agierte brutal. Er würgte seine Opfer, er schlug sie, küsste sie gegen ihren Willen und biss ihnen ins Gesicht. Bereits am vorherigen Verhandlungstag schilderte Tina W. (Name geändert), ein weiteres Opfer, wie sie vom Angeklagten beinahe vergewaltigt worden war. Auch sie war auf dem Nachhauseweg, auch in ihrem Fall sprach sie der dunkelhäutige Mann auf der Straße an und wurde aufdringlich. Sie erzählte, wie der Täter sie gegen eine Wand drückte, sie würgte, sie begrapschte. Als ein Anwohner aus einem Fenster blickte und fragte, ob sie Hilfe brauche, ließ Momodou J. kurz von ihr ab. Das nutzte Tina W. zur Flucht. Ihr Freund schilderte am zweiten Verhandlungstag, sie könne heute intime Nähe nur noch schwer zulassen und sei in gewisser Hinsicht ein anderer Mensch.

Der Prozess gegen den 30-Jährigen aus Gambia wird in eineinhalb Wochen fortgesetzt.

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