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Prozess

19.04.2019

Brutaler Überfall auf eine alte Frau

Im Krankenbett wurde das Opfer in den Gerichtssaal geschoben. Die heute 75-Jährige wurde Opfer eines brutalen Raubüberfalls.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Zwei Männer stehen vor Gericht. Sie haben eine heute 75-jährige Augsburgerin überfallen.

Ihre Aussage ist für den Prozess von großer Bedeutung. Deshalb wird Brigitte G. im Krankenbett liegend an diesem Donnerstag als erste Zeugin von Sanitätern in den Gerichtssaal geschoben. Die 75-Jährige ist Nebenklägerin in dem Prozess und das Opfer. In einem Seniorenwohnheim an der Ackermann-Straße wurde sie im Juni 2017 Opfer eines brutalen Raubüberfalls. Zwei maskierte Täter waren um Mitternacht mit Hilfe eines gestohlenen Wohnungsschlüssels in ihr Appartement eingedrungen. Sie hatten die bis zum Brustbereich querschnittsgelähmte Frau gefesselt und geknebelt, ihr Geld und Schmuck im Wert von 300000 Euro geraubt.

Zwei Männer (Verteidiger: Werner Ruisinger und Markus Schwab) sitzen vor der dritten Strafkammer auf der Anklagebank. Brigitte G. kennt einen von ihnen gut. Er hatte sie morgens immer gewaschen, sie angezogen und in den Rollstuhl gesetzt. Der 26-Jährige war eine Zeit lang ihr Krankenpfleger, bevor er wegzog. International zur Fahndung ausgeschrieben wurde er in Belgrad auf dem Flughafen verhaftet. Er hat den Überfall gestanden. Im Januar 2018 wurde der Mitangeklagte festgenommen. Der 31-Jährige schweigt zu den Vorwürfen.

Sie wurde geknebelt und gefesselt

Brigitte G. hat mit ihrem kürzlich verstorbenen Ehemann in einer Zwei-Zimmer-Wohnung der Einrichtung gelebt. Am Tag des Überfalls war sie allein, da ihr Mann im Klinikum lag. Als sie nachts wach wurde, Einbrecher wahrnahm und um Hilfe schrie, drückte ihr bereits einer der Maskierten ein Kissen ins Gesicht und zog ihr eine Bettdecke über den Kopf. Sie wurde geknebelt, ihr wurden die Hände gefesselt, dann hochgezogen und an den über ihrem Bett hängenden Galgenbaum festgebunden. „Ich hatte Todesangst, Panik.“ Aufgewühlt greift Brigitte G., während sie das erzählt, nach der Hand ihrer Anwältin Mandana Mauss.

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Für die Frau ging der Albtraum damals noch weiter. Beim Verlassen der Wohnung hatten die Täter ihre Fesseln und den Knebel abgenommen. Sie konnte über einen Notrufknopf die Polizei alarmieren. Doch als Beamte einer Funkstreife vor ihrem Bett standen, ein Heimmitarbeiter ihnen die verschlossene Wohnungstür aufsperrte, musste sie fassungslos erleben, dass ihr nicht geglaubt wurde. Sie habe wohl schlecht geträumt, hörte sie einen der Polizisten sagen. Den Diebstahl versteckter Geldkuverts und mehrerer Schatullen mit kostbarem Schmuck bemerkte sie selbst erst am nächsten Morgen. Das Geld war für einen Wohnungskauf vorgesehen. Am nächsten Morgen erzählte sie aufgeregt dem Krankenpfleger, was ihr nachts widerfahren war. Endlich wurde ihr geglaubt.

Keine Spuren hinterlassen

Die Einbrecher hatten zunächst den Plan verfolgt, das Ehepaar an der Wohnungstür in ein Gespräch zu verwickeln, um ihnen unbemerkt den Wohnungsschlüssel zu stehlen. Der Plan war, so Ivan P., dann tagsüber einzubrechen, „wenn beide in der Tagespflege abwesend sind“. Doch er scheiterte, weil Brigitte G. den Mann, der bei ihr klingelte, nicht in die Wohnung ließ. Nachts brachen die Täter in Oberhausen bei einem ambulanten Pflegedienst ein und stahlen den Wohnungsschlüssel des Ehepaares, den sie später wieder zurückbrachten. Auch hier hinterließen die Einbrecher keine Spuren, da das Bürofenster gekippt gewesen sei.

Der nächste Verhandlungstag in dem bis Ende Mai terminierten Prozess ist der 30. April.

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