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Stadt-Augsburg

22.04.2013

Bürger dürfen beim „freien Lech“ mitreden

„Es wird keine Lösung geben, mit der alle zufrieden sind, aber wir wollen eine Lösung, die von den meisten Menschen mitgetragen wird.“Ralph Neumeier, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth

Für den Umbau startet das Wasserwirtschaftsamt zum ersten Mal in Bayern einen Flussdialog mit der Bevölkerung - samt Online-Umfrage

Der Freistaat geht bei der Stabilisierung und Renaturierung des Lechs neue Wege. Im offenen Planungsprozess für das Projekt „Licca liber“ wird es zum ersten Mal in Bayern einen Flussdialog geben, bei dem auch die Bevölkerung mitreden darf. Geplant ist unter anderem eine breit angelegte Bürgerbefragung voraussichtlich im September. Das kündigt das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth als federführende Behörde im Verfahren an.

Licca liber – der freie Lech – gilt nicht nur als eines der großen Flussbauprojekte in Bayern, sondern auch als eines der umstrittenen. Besonders gegen ein geplantes Wasserkraftwerk des Energieversorgers Eon am Lech im Naturschutzgebiet Stadtwald gibt es erbitterten Widerstand von Umweltverbänden. Diese befürchten, dass mit dem neuen Kraftwerk eine umfangreiche und wirkungsvolle Renaturierung des Flusses nicht möglich sein wird.

„Es wird keine Lösung geben, mit der alle zufrieden sind, aber wir wollen eine Lösung, die von den meisten Menschen mitgetragen wird“, sagt Ralph Neumeier, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth. Deshalb habe man sich für den „ersten rein bayerischen Flussdialog“ entschieden. Erfolgreiche Vorbilder gebe es in Österreich an der Salzach. „Dort wurden bei einer ähnlichen Ausgangslage gute Erfahrungen gemacht“, sagt Neumeier.

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Den Startschuss für Licca liber hatte Umweltminister Marcel Huber im Februar gegeben. Nun soll als Moderator und Mitgestalter in dem umfangreichen Verfahren ein externes Planungsbüro eingeschaltet werden. Die Auswahl läuft noch. Eine Entscheidung soll Ende April fallen. Deshalb wird sich auch der Auftakt des Planungsprozesses mit Workshops verschieben. „Den geplanten Termin im April oder Mai werden wir nicht halten können“, sagt Neumeier.

In dem Verfahren sollen alle eingebunden werden, die von dem Projekt betroffen sind: Planer, Experten, Kommunen, Verbände, Energiewirtschaft und Bürger werden sich über die Möglichkeiten und Ziele austauschen. Kurz gesagt geht es darum, dem einstigen Wildfluss, der heute weitgehend kanalisiert ist, in verschiedenen Abschnitten wieder mehr Freiheit zu geben.

In Augsburg geht es um die Strecke von der Staustufe 23 durch den Stadtwald bis zum Hochablass. Im größten außeralpinen Naturschutzgebiet Südbayerns, das unter Austrocknung leidet, soll der Lebensraum für Tiere und Pflanzen verbessert werden. Gleichzeitig muss das Flussbett stabilisiert werden, weil sich der Lech immer tiefer eingräbt.

Im Rahmen des Flussdialogs reagiert das Wasserwirtschaftsamt nun auch auf anhaltende Kritik von Umweltverbänden, die in der Lechallianz organisiert sind. Diese hatten dem Freistaat vorgeworfen, sich zu stark auf den technischen Umbau des Flussbetts zu konzentrieren und flussökologische Ziele nicht gleichrangig zu verfolgen. Ausgangspunkt war bisher eine Untersuchung der Technischen Universität München.

Nun wird ein weiterer Experte eingeladen. Es ist Professor Mathias Jungwirth (Wien), ein erfahrener Fachmann für Hydrobiologie und Gewässermanagement. Jungwirth kennt sich am Lech aus. Er hat im Auftrag der Regierung von Schwaben bereits ein Gutachten zum geplanten Umbau des Flusses erstellt. Es legt den Schwerpunkt auf „naturschutzfachliche Potenziale“. Bei der Lechallianz wird diese Entscheidung begrüßt. „Das ist für uns die Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die wir uns wünschten“, sagt Sprecher Günther Groß.

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