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Augsburg

29.04.2016

Bürger sorgen sich wegen Osttangente um das Trinkwasser

Die geplante vierspurige Osttangente zwischen der A8 bei Derching und der Bundesstraße 17 bei Königsbrunn würde dem Trinkwasserschutzgebiet im Augsburger Süden sehr nahe kommen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Viele Bürger machen sich Sorgen wegen der Straßenbaupläne im Augsburger Süden. Die Trasse liege zu nahe an den Brunnen. Was Fachleute zu diesen Ängsten sagen.

Das Augsburger Trinkwasser kommt vor allem aus Brunnen im Süden der Stadt. Und ausgerechnet durchs Trinkwasserschutzgebiet soll die neue vierspurige Osttangente gebaut werden. Das sieht der Bundesverkehrswegeplan vor. Viele Bürger sind alarmiert. Sie machen sich Sorgen, dass die autobahnähnliche Straße Gefahren für die Trinkwasserversorgung mit sich bringt. Sie fragen sich, warum der Stadtrat nicht gegen das Vorhaben interveniert. „Wenn wir die Trinkwasserschutzzone nicht heilig halten, dann wird es kritisch“, sagt Günther Groß von der Naturschutzallianz.

Viele Menschen rufen an

Wie groß die Sorgen in der Bevölkerung sind, weiß man bei den Stadtwerken. „Zahlreiche Bürger haben sich bei uns gemeldet“, sagt der Leiter der Trinkwasserversorgung Franz Otillinger. Er hat nicht nur Anrufer aus Augsburg am Telefon, sondern auch Bewohner aus dem Umland. Denn am Trinkwassernetz hängen 320 000 Menschen in Augsburg, Stadtbergen, in großen Teilen von Neusäß und Friedberg.

Im Bundesverkehrswegeplan ist die Osttangente zwischen der Autobahn A 8 bei Derching und der Bundesstraße 17 bei Königsbrunn vorgesehen. In ihrem Verlauf kommt sie fünf Augsburger Trinkwasserbrunnen in der Fohlenau sehr nahe (siehe Grafik). Zu nahe, meint Johanna Hermann von der Bürgerinitiative „Keine Autobahn Königsbrunn“. Schon im normalen Verkehrsgeschehen könne starker Regen den Abrieb von Autoreifen von der Fahrbahn in den Boden schwemmen, befürchtet sie. „Wenn ein Unfall passiert, wird das Gebiet verunreinigt.“ Dann seien auch die Flachbrunnen betroffen, die nicht weit entfernt sind. Gefahren sieht Hermann nicht nur durch auslaufendes Öl und Benzin, sondern auch durch pulvrige Transportgüter, die sich von einem umgestürzten Lkw im Wasserschutzgebiet verteilen könnten.

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Die Straße führt nahe an den Brunnen vorbei

Bei den Stadtwerken bestätigt man, dass die Osttangente den Augsburger Brunnen in der Fohlenau wohl bis auf 600 Meter nahe kommen wird. Dort gehen die Fachleute aber davon aus, dass keine Gefahren für diese Brunnenanlagen drohen. Otillinger verweist auf bundesweit geltende Vorschriften. Danach ist bei Straßenbauten durch Wasserschutzzonen eine begleitende Kanalisation vorgeschrieben. Sie leitet Abwässer aus dem Schutzgebiet. Somit können belastete Niederschläge und auslaufende Flüssigkeiten bei Unfällen aufgefangen werden. Auch bei pulvrigen Transportgütern sieht Otillinger keine Probleme. Diese könnten leicht abgetragen werden.

Rechtlich gesehen zulässig

Er sieht auch noch aus einem anderen Grund „keine Gefahr“ für die Fohlenau-Brunnen, wenn die Osttangente vorschriftsmäßig gebaut wird. Das Grundwasser, aus dem sich die Brunnen versorgen, strömt in dieser Gegend von Süden nach Norden. „Es läuft unter der Straße durch von den Brunnen weg“, sagt Otillinger. Rund 60 weitere Augsburger Brunnen im Norden seien weit genug weg von der Osttangente. Rechtlich gesehen, sei das ein Straßenbauprojekt in der erweiteren Schutzzone zulässig, heißt es bei den Stadtwerken.

Hohe Auflagen für Landwirte

Groß und Hermann kritisieren aber auch, dass für Landwirte besonders in der engeren Wasserschutzzone extrem strenge Auflagen gemacht werden. Sie dürfen dort weder düngen noch Pflanzenschutzmittel verwenden. Nur wenige hundert Meter weiter soll nun eine autobahnähnliche Straße erlaubt sein. In Augsburg brüste man sich öffentlich mit einer Premiumqualität des Trinkwassers, sagt Hermann, „Bürgermeister und Stadtrat äußern sich aber nicht zur Problematik der Osttangente.“ Anders ist es in Königsbrunn. Dort hat sich der Stadtrat per Resolution gegen das Projekt ausgesprochen.

Appell an die Bürger

Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben sagt, erst jetzt gebe es größere Klarheit über die Trassenführung. Er habe deshalb einen Prüfauftrag an die für Trinkwasserschutz zuständige Verwaltung gegeben. Über die Ergebnisse will er zeitnah im Umweltausschuss berichten. Weiter geht er davon aus, dass die Stadt Augsburg bei den Planungsverfahren zur Straße auf Trinkwasserschutz pochen kann. Hermann will sich darauf nicht verlassen. Sie appelliert an Augsburger, bei der Bürgerbeteiligung zum Bundesverkehrswegeplan mitzumachen. Im Internet oder per Post noch bis 2. Mai Einspruch gegen das Projekt erheben. Die Bürgerinitiative helfe beim Ausfüllen der Formulare oder mit Musterbriefen unter www.bika-koenigsbrunn.de.

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29.04.2016

Unsere Augsburger Grünen sind doch nur zum Abnicken im Stadtrat. Und die AZ "Informationen" dazu sind mal wieder lächerlich: Man soll über Google "Einspruch" erheben. Ich glaub ich brech ab... Natürlich muss man bei Bundesministerium für Verkehr Einspruch und nicht bei Google. Wer keine Lust auf Googeln hat kann gleich diesen Link verwenden:

http://www.bmvi.de/DE/VerkehrUndMobilitaet/Verkehrspolitik/Verkehrsinfrastruktur/Bundesverkehrswegeplan2030/StellungnahmeAbgeben/stellungnahme_node.html

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29.04.2016


Das Augsburger Trinkwasser gilt es zu schützen. Das hat oberste Priorität und das ist auch mit Sicherheit die Prämisse der zuständigen Stellen, die zu der geplanten Osttangente ihr Fachurteil abgeben werden.

Die Logik, dass Landwirte in der engeren Schutzzone strenge Auflagen erfüllen müssen, wenige hundert Meter weiter aber eine autobahnähnliche Straße erlaubt sein solle, ist nicht stichhaltig. Maßgeblich sind dann doch wohl die Auflagen, die die Landwirte an der Stelle einhalten müssen, an der die Straße laufen soll und ob Verunreinigungen durch die Straße abgefangen und beseitigt werden können, ohne ins Trinkwasser zu gelangen, was bei landwirtschaftlichen Vorgängen eben nicht zu gewährleisten ist.

Im Moment sieht es nach einer vorgeschobenen Argumentation für ein missliebiges Projekt aus.

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