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Augsburg

28.02.2020

Bürger wollen Gebäude der Reese-Kaserne retten

Ein Bauzaun verhindert den Zugang zum ehemaligen Militärgebäude, das zuletzt den Club „Kantine“ beherbergte. Es wird demnächst zusammen mit dem Reese-Theater und der Krad-Halle abgerissen.
Bild: Tom Trilges

Plus Auf dem Gelände der ehemaligen Reese-Kaserne in Kriegshaber sollen nach den Plänen der Stadt alle Relikte der US-Zeit verschwinden. Bürger haben etwas dagegen.

Der Weg von den Gebäuden des Kulturparks West zum ehemaligen Klub „Kantine“, zum Reese-Theater und zur einstigen Krad-Halle ist durch einen Zaun versperrt. „Betreten der Baustelle verboten“, verkündet ein gelbes Schild. Voraussichtlich noch im März rollen auf dem Grundstück der früheren Reese-Kaserne in Kriegshaber die Bagger an und beginnen mit dem Abbruch der alten Gebäude , die in den vergangenen Jahren Kulturliebhaber und Partygänger in Scharen anlockten. In etwa zwei Jahren sollen dann auch die jetzt noch von Künstlern teilweise belegten Häuser des Kulturparks West dem Erdboden gleichgemacht werden.

Neu-Ulm als Vorbild für das Reese-Areal in Augsburg

Wenn es nach der Initiative „ Augsburgs Erbe bewahren“ und ihrer Mitstreiter geht, sollen die wenigen, noch bestehenden Bauwerke des Kriegshaber Kasernen-Areals jedoch stehen bleiben. In einem Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl ( CSU ) und den Stadtrat fordern sie einen Aufschub des Abrisses, um den aus ihrer Sicht veralteten Bebauungsplan zu ändern und die Bauten und den dazwischenliegenden Platz zu sichern.

 

„Es handelt sich hier um Teile von Augsburg , die Bausteine der Geschichte sind, aber nicht unter Denkmalschutz stehen“, sagt Alex Blümel , Sprecherin der Initiative. Es gehe nicht um eine „museale Erhaltung“. Sinnvoll sei es vielmehr, die Gebäude zu modernisieren und gegebenenfalls Anbauten zu schaffen. Vorbild könnte beispielsweise die einstige Wiley-Kaserne in Neu-Ulm sein, die heute eine Hochschule, eine Multifunktionshalle und ein Kino beherbergt.

Der Initiative ist der Erhalt der insgesamt fünf Gebäude an der Sommestraße auch deswegen ein Anliegen, weil es sich um „das letzte noch bestehende Ensemble einer Kasernenfläche“ handle. Eine Erinnerung auch an die Zeit der US-Streitkräfte in Augsburg. Im Sheridan-Areal in Pfersee , wo die noch bestehenden Gebäude auseinanderliegen, sei das nicht der Fall, sagt Blümel. Alex Blümel und ihre Mitstreiter haben sich auch schon Gedanken gemacht, was in diesem Ensemble alles Platz finden könnte, etwa Studentenwohnungen, Büros für Künstler und Firmengründer sowie ein Bürgerzentrum.

Auch das ehemalige Reese-Theater wird abgerissen.
Bild: Tom Trilges

Die große Freifläche, die in den vergangenen Jahren vor allem als Parkplatz genutzt wurde, wäre ideal als Platz für Feste und Veranstaltungen. Wie Blümel betont, spricht sich die Initiative nicht prinzipiell gegen die Bebauung des Grundstücks aus. Hinter der „Kantine“ in Richtung Park könne die Stadt die beabsichtigte Wohnbebauung aufrecht erhalten, wenn höher und dichter gebaut werde als ursprünglich vorgesehen.

Auf dem Reese-Areal sollen einmal 2500 Menschen leben

Vor acht Jahren begann in Kriegshaber die Umwandlung von Augsburgs zweitgrößtem Kasernen-Areal in ein Wohngebiet. Zwischen der Bürgermeister-Ackermann-Straße und der Ulmer Straße sollen einmal rund 2500 Menschen leben – zur Zeit ist etwa die Hälfte dieser Zahl erreicht. Vor einem Jahr startete die städtische Wohnbaugruppe im Norden mit dem Bau von 141 geförderten Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten. Im Herbst soll daran angrenzend der Spatenstich für das Vorhaben „Reesepark II“ mit insgesamt 135 Wohneinheiten erfolgen.

Auch das Grundstück am Kulturpark West spielt bei der Schaffung von Wohnraum in den Überlegungen der Stadt eine große Rolle. Der von der Initiative „ Augsburgs Erbe bewahren“ als veraltet bezeichnete Bebauungsplan sei tatsächlich überholt, sagt Baureferent Gerd Merkle. Bislang sollten auf dem vier Hektar großen Areal zwischen Kulturhaus Abraxas – das erhalten bleibt – und dem Förderzentrum Hören rund 240 Wohneinheiten unterschiedlicher Bauweise entstehen. Wegen des hohen Wohndrucks will die Stadt jetzt aber dichter bauen und dort rund 160 zusätzliche Wohneinheiten unterbringen. Der Stadtrat hat dieses Vorgehen im vergangenen Sommer gebilligt.

Bestandsgebäude der Reese-Kaserne sind schadstoffbelastet

Der Abriss des noch vorhandenen Kasernenensembles ist für die Stadt nicht nur aus Platzgründen unabdingbar. Die Gebäude seien allesamt mit Schadstoffen belastet und mit bestimmten Sicherheitsvorkehrungen nur für eine befristete Nutzung freigegeben worden. „Würden wir beispielsweise die Kulturpark-Gebäude erhalten, müssten wir bis auf die Außenwände alles abreißen“, sagt Merkle. Nicht nachvollziehen kann er den Wunsch, auch die rund 17000 Quadratmeter große versiegelte Betonfläche als erhaltenswert einzustufen. Im Übrigen lägen die Unterzeichner des Briefs falsch mit dem Hinweis, bei den Gebäuden an der Sommestraße handle es sich um das einzige, noch bestehende Kasernenensemble. „Die Wohngebiete Centerville-Nord , Sullivan Heights und Cramerton verfügen über eine komplett erhaltene Struktur.“ Nicht nur wegen Stadt will Abriss des Kulturparks verschieben des Inhalts, sondern auch wegen der Unterzeichner ist Nicole Christ , die städtische Projektleiterin für Konversion, verärgert über den Brief. „Diesen haben auch Leute unterschrieben, die sehr wohl wissen, was wir für das Erbe der Amerikaner tun.“

Das Ensemble auf dem Reese-Gelände jedenfalls soll später einmal nicht mehr an die rund 50 Jahre erinnern, in denen US-Soldaten in Augsburg stationiert waren. Aus Sicht des städtischen Baureferats gibt es keine Alternative zum Abriss von Kantine, Kradhalle und Reese-Theater sowie – zu einem späteren Zeitpunkt – von Kulturpark-Gebäuden. Für die künftige Bebauung, die im Jahr 2025 beginnen könnte, würde gerade ein Architektenwettbewerb vorbereitet.

Lesen sich auch den dazugehörigen Kommentar: Reese-Areal: Argumente für Abriss sind stichhaltiger

Lesen Sie auch diesen Artikel: Neue Wohnungen und Büros: Ackermann-Straße ändert ab Herbst ihr Gesicht

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28.02.2020

Typisch Augsburg !

Dabei kann ich mich noch gut daran erinnern , daß damals zu den Feierlichkeiten zum
(leider erfolgten) Abzug der Streitkräfte vom damaligen Oberbürgermeister fest versprochen wurde , eine "lebendige Erinnerungskultur und Erinnerungsorte bewahrenzu wollen" - schon aus Dankbarkeit für die jahrzehntlange Freundschaft und Partnerschaft (welche ja übrigens über die vielen Jahrzehnte immerhin den Frieden , die Freiheit und das Wohlergehen in Deutschland und Europa bewahrt hatte) .

Aber selbst der zum diesem Anlaß damals noch gepflanzte "Freundschaftsbaum" bei der ehemaligen high school ist ja nicht einmal mehr vorhanden , sondern wurde im Zuge des Umbaus des Geländes kurzerhand "entfernt" .

In Augsburg zählt halt nur die Geschichte des "großen Sohnes" B. Brechts (immerhin ein unbelehrbarer Kommunist , der selbst in der DDR trotz der dortigen Realitäten von seinem Irrglauben nicht lassen wollte), die Fuggerzeit und höchtens noch die römische Epoche -wobei man da in Augsburg wohl vergessen will , daß die Stadt von den Römern als Heerlager gegründet wurde und nicht als "Friedenstadt" ( ein Etikett , das heutzutage natürlich weit mehr "sexappeal" versprüht als , in Zeiten des weidlich ausgelebten Antiamerikanismus, eine schnöde - noch dazu US-amerikanische- Garnisonsstadt )

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28.02.2020

Kann Herr Merkle es denn beweisen, dass die Gebäude schadstoffbelastet sind?
Alle Beteiligeten von Kuki und Kulturpark West sind bis heute stocksauer, dass ein Schmelztiegel unabhängiger Kultur entfernt wurde.

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