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02.11.2015

Chris Gall im Jazzclub

Natürlich spiegelt auch der Jazz seine Zeit. Hochspannend ist, wie sich hier in der neuen Generation die Computer-Ära bemerkbar macht. Das Chris-Gall-Trio, das erstmals in der Besetzung Chris Gall (p), Peter Gall (dr) und Matthias Pichler (b) mit mehreren Uraufführungen im Repertoire im Jazzclub Augsburg auftrat, hatte aber noch mehr zu bieten, als die kreative Reflexion von Samples, also am Computer programmierten Klängen.

Klassisch-romantischen Jazz zum Beispiel, Filmmusik, Anklänge an rockige Gitarrenriffs im Klavierbass und Beatles-Beat. Und für Fortgeschrittene: Modern Jazz, virtuose Bi-Rhythmen, die, in gemäßigter Form, an Ligetis Cembalo-Continuum erinnerten. Chris Gall bewies klassische Klaviertechnik, präzise Anschlagskultur und Feinabstimmung etwa in Intervallen, effektvolle Differenzierung zwischen trocken perlendem Ton. Man hörte sein Know-how der Klassik: der Einstieg mit Chopin-Walzer-Attitüde, klassischen Akkordbrechungen mit jazzigem Fortsatz.

Bei den Kompositionen entwickelten sich im Sinne der Minimal-Art markante Motive und rhythmische Zellen zu einer ekstatischen Improvisation – melodisch und rhythmisch tragend. Die Zusammenarbeit Galls mit „Quadro Nuevo“ hinterließ ihre Spuren in markanten Rhythmus-Schritten. Nach Hymnischem und Pop-Balladigem markierte der Latin-CD-Titelsong „Climbing Up“ den Abschluss, changierend zwischen Antrieb und Leerlauf. Ein Genuss mit intelligentem, multistilistischen Jazz. (skn)

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