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Bus und Tram

02.01.2020

Cityzone in Augsburg: Wie funktioniert der kostenlose ÖPNV?

Seit 1. Januar gilt in Augsburg die kostenlose Cityzone. In einem Bereich von insgesamt neun Haltestellen können sich Fahrgäste in Bus und Tram ohne Ticket bewegen, wenn sie die Cityzone nicht verlassen.
Bild: Silvio Wyszengrad 

Wer in der Innenstadt in Augsburg in Bus und Tram steigt, fährt in der Cityzone nun kostenlos. Alle Infos zu den Haltestellen in der Zone, Tickets und Kontrollen im Überblick.

Mit dem Jahreswechsel hat in Augsburg eine neue Zeitrechnung im öffentlichen Nahverkehr begonnen. Es gibt eine ausgewiesene Cityzone, in der Fahrten mit Bus und Tram kostenlos sind. Das Modell sorgt für bundesweite Wahrnehmung. Viele überregionale Medien berichten über die innovative Verkehrspolitik in Augsburg. Kostenlose Cityzone heißt nun aber nicht, dass Fahrgäste gar nichts mehr zahlen müssen. Die Regelung ist komplizierter, weil man sich mit den Details befassen muss. Ein Überblick über Haltestellen, Tickets, Kontrollen und Co.

Öffentlicher Nahverkehr kostenlos: Welche Haltestellen umfasst die Cityzone in Augsburg?

Nutzer von Bus und Straßenbahnen können in einem Netz von insgesamt neun Haltestellen (jeweils eine Haltestelle ab Königsplatz/Moritzplatz) unterwegs sein, ohne eine Fahrkarte haben zu müssen. Es handelt sich um eher kurze Distanzen, die damit zurückgelegt werden können. Mehr als einen Kilometer lang ist aber immerhin die Wegstrecke zwischen Theodor-Heuss-Platz und Staatstheater.

Cityzone in Augsburg: Wie funktioniert der kostenlose ÖPNV?

Warum gibt es die Cityzone?

Stadtwerke und Stadt Augsburg sehen im Angebot, das pro Jahr etwa 870.000 Euro weniger an Einnahmen bringt, ein Marketinginstrument. Ziel ist, Menschen vom Auto wegzubewegen. Der öffentliche Nahverkehr soll als attraktive Alternative wahrgenommen werden. Die Cityzone soll dazu dienen, Bus und Tram einmal auszuprobieren.

Tickets und Kontrollen: Was müssen Fahrgäste bei der Cityzone in Augsburg beachten?

Am einfachsten ist es, wenn der Fahrgast ausschließlich im Gebiet der Cityzone unterwegs ist. Dann zahlt er nichts. Sobald die Zone verlassen wird, gelten die üblichen Tarifbedingungen. Diese sind in Augsburg durchaus kompliziert: Es gibt ein Kurzstreckenticket, das für fünf Haltestellen (inklusive Einstieg) gilt. Es kostet als Kurzstreckenticket 1,50 Euro. Auf der Streifenkarte wird ein Streifen benötigt. Wer längere Fahrten mit mindestens sechs Haltestellen zurücklegt, zahlt 3 Euro, auf der Streifenkarte sind es zwei Streifen.

Welche Fahrgäste profitieren von der neuen Cityzone?

Gut dran sind Bahnpendler. Der Hauptbahnhof liegt in der Cityzone. Eine Fahrt in die Innenstadt ist für sie jetzt kostenlos. Auch wer relativ nah an der Innenstadt wohnt, kann Geld sparen. Für ihn verlängert sich mit der Cityzone die Strecke des Kurzstreckentickets (fünf Haltestellen inklusive Start- und Zielhaltestelle). Beispiel: Wer aus Pfersee zum Königsplatz will, kann unter Nutzung der Kurzstrecke künftig an der Herz-Jesu-Kirche einsteigen (bisher Eberlestraße). Er gelangt so bis zum Hauptbahnhof, wo dann die Cityzone beginnt.

Wo liegen Fallstricke der Cityzone?

Wer durch die Zone fährt (also außerhalb des Gebiets einsteigt und auch außerhalb des Gebiets aussteigt) zahlt den vollen Betrag für die gefahrene Strecke. Haltestellen in der Zone werden nicht berücksichtigt. Vereinfacht gesagt, bedeutet dies, dass wohl in nahezu allen Fällen mindestens sechs Haltestellen (voller Preis 3 Euro oder zwei Streifen) anfallen.

Bus und Tram sind in Augsburgs Innenstadt kostenlos: Wie und wo wird kontrolliert?

Das ist Sache der Stadtwerke. Deren Sprecher Jürgen Fergg sagt: „In der Cityzone wird natürlich nicht kontrolliert, dort ist ja kein Fahrschein nötig, also würden Kontrollen keinen Sinn machen.“ Wer die Cityzone verlasse, brauche einen gültigen Fahrschein. Fergg: „Wer aus der Cityzone rausfährt, sollte also ganz normal einen Fahrschein beim Einsteigen entwerten.“

Wie wird das Angebot jetzt schon angenommen?

Das Angebot gibt es seit 1. Januar. Aussagen über die Nutzung lassen sich daher bislang nicht treffen, zumal Schulferien sind. Fergg sagt: „Wie viele Fahrgäste künftig die Cityzone nutzen werden, darüber lässt sich nur spekulieren.“ Es gebe keine Erfahrungen oder auch Vergleichswerte aus anderen Städten, „weil wir in Augsburg die Ersten sind, die ein solches Konzept zur Luftreinhaltung umsetzen“. Die Stadtwerke werden die Fahrgastzahlen messen, um die Entwicklung zu beobachten und zu analysieren.

Wann ist mit ersten Zahlen über die Akzeptanz der Cityzone zu rechnen?

Bei den Stadtwerken heißt es dazu, dass sich die Cityzone erst einspielen müsse. Dies sei vergleichbar mit anderen Änderungen im Nahverkehr. Fergg rechnet damit, dass wohl in einigen Monaten belastbares Zahlenmaterial vorliegt. Bei der Nutzung des Nahverkehrs spielen nach seiner Aussage viele Faktoren eine Rolle, etwa auch die Witterung.

Wie erklärt sich der prognostizierte Einnahmeausfall von 870.000 Euro?

Die Ausfälle von jährlich geschätzten 870.000 Euro, die von der Stadt über Zuwendungen des Freistaats getragen werden, gehen auf die Verlängerung der Kurzstrecken zurück. Den Fahrgästen, die heute etwa ab Textilmuseum mit der Linie 6 in die Innenstadt fahren und ein Ticket Innenraum brauchen, genügt jetzt dafür das Kurzstrecken-Ticket.

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03.01.2020

Selten so einen Schwachsinn erlebt. Welcher Autofahrer fährt schon z.B. mit dem Auto bis Theodor-Heuss-Platz, parkt dort (fragt sich eh wo?) und fährt dann kostenlos bis Königsplatz oder Moritzplatz. Das ist wirklich nur für die Touristen die vom Hauptbahnhof zum Rathausplatz fahren wollen, aber nichts für uns Augsburg, plädiere für eine gesamte kostenlose Mobilität.

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03.01.2020

Natürlich, das kann auch nur der Anfang sein....

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03.01.2020

Ich betrachte das Ganze als Einstieg in eine vernünftige Mobilitätsform in der Stadt.
Jetzt noch konsequent die Parkgebühren in der Innenstadt erhöht, bzw. Parkraum für privat genutzte PKW verringert, und schon ist der richtige Weg eingeschlagen.

Letztlich muß die Fahrt mit dem eigenem Auto in der Stadt so kompliziert und teuer, ja unattraktiv sein, dass vernünftige Menschen mit Bus, Bahn, Fahrrad und zu Fuß in der Stadt unterwegs sein werden. (Die "Scheuerroller" lass ich mal aus...)

Und dann wird das Leben in der Stadt wieder von Menschen und nicht von Autos bestimmt!!

Ach ja, die aus dem Umland kommenden werden es etwas schwerer haben, (Oder leichter?) Aber das macht nichts. Sie sind ja auch wegen der frischen Luft und des geringeren Autoverkehrs ins Umland gezogen und haben damit einen Beitrag zu Verkehr und Umweltverschmutzung geleistet. Nur irgendwann können sie sich nicht mehr auf die grenzenlose Tolleranz der Stadtbewohner verlassen!!
Und vielleicht drängen sie dann auch mehr zu flächendeckenden und zuverlässigen Bus- und Bahnverkehr....

Das wäre schön!

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03.01.2020

Ich meide die Augsburger Innenstadt und fahre nach Friedberg oder Stadtbergen. Den innerstädtischen Einzelhandel nutze ich schon lang nicht mehr. Die gastronomischen Angebote entsprechen wenig meinem Anspruch.

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